Sechs Arten von Verbrauchern – Nr.2: Der aufgeschlossene Traditionalist

Sechs verschiedene Verbrauchertypen können aus der von Faktenkontor veröffentlichten Studie "Wege zum Verbraucher 2020" aufgrund ihres Informationsverhaltens identifiziert und definiert werden. Nachdem wir in der ersten Folge der Reihe den zielstrebigen Traditionalisten vorgestellt haben, folgt heute mit dem aufgeschlossenen Traditionalisten sozusagen der "kleine Bruder".

Im Schnitt sind die aufgeschlossenen Traditionalisten mit 48,7 Jahren fast ein halbes Jahrzehnt jünger als die zielstrebigen Traditionalisten – trotzdem befindet sich auch von dieser Gruppe bereits ein Drittel im Ruhestand. Mit 52 Prozent sind mehr als die Hälfte von ihnen im Alter 50 plus, mit 31 Prozent aber auch fast ein Drittel noch keine 40 Jahre alt. Männer überwiegen geringfügig. Über ein Haushaltsnettoeinkommen von mindestens 3.000 Euro verfügen 27 Prozent der aufgeschlossenen Traditionalisten – sieben Prozentpunkte weniger als bei den zielstrebigen. Insgesamt machen die aufgeschlossenen Traditionalisten mit nur sechs Prozent der volljährigen Verbraucher einen nicht mal halb so großen Anteil der deutschen Konsumgesellschaft aus wie die zielstrebigen.

Beide Arten von Traditionalisten erreichen Produktinformationen überwiegend über klassische Medien wie Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehen. Im Gegensatz zu den zielstrebigen suchen die aufgeschlossenen Traditionalisten dort aber nicht systematisch nach Informationen zu Produkten und Dienstleistungen. Sie stoßen während ihres Medienkonsums eher zufällig darauf. Hier fällt ein weiterer Unterschied auf: Obgleich beiden Traditionalisten Seriosität, eine neutrale Haltung und ein gewisser Detailreichtum in der Informationsaufbereitung durchaus wichtig sind, spielen sie für die aufgeschlossenen doch eine deutlich kleinere Rolle als für ihre zielstrebigen Gegenstücke. Auf Fotos, eine persönliche Ansprache und eine lustig-unterhaltsame Darstellung sprechen die aufgeschlossenen Traditionalisten hingegen überdurchschnittlich stark an.

Auswirkungen auf die Unternehmenskommunikation

Um aufgeschlossene Traditionalisten zu erreichen, sollten Sie als Schwerpunkt Ihrer Zielmedien klassische Kanäle wie TV und Print wählen. Die konkreten Fakten Ihrer Botschaften sollten unterhaltsam und visuell ansprechend aufbereitet sein. Behalten Sie vor allem vor Augen: Der aufgeschlossene Traditionalist muss erst eingefangen werden. Ein flüchtiger Blick muss reichen, dass er erkennt: "Oh, das scheint aber spannend zu sein!" Ein langer, dröger Text ohne Abbildungen wird an einem aufgeschlossenen Traditionalisten eher unbemerkt vorbeifliegen – ganz egal, wie interessant er seine Inhalte fände, wenn man ihn zum Lesen zwingen würde.

Soviel zu den Traditionalisten unter den deutschen Konsumenten. In der nächsten Folge von "Sechs Arten von Verbrauchern" werden wir den systematischen Onliner als Verbrauchertyp Nr. 3 vorstellen.

Über den Autor: Dr. Roland Heintze ist Diplom-Politologe und geschäftsführender Gesellschafter der Faktenkontor GmbH. Sein Studium der Politischen Wissenschaft und Geschichte an der Universität Hamburg absolvierte er bis 1999 als Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung in der Journalistischen Nachwuchsförderung. Nach einer fundierten journalistischen Ausbildung arbeitete er als freier Journalist, unter anderem für Die Welt, Welt am Sonntag und die Financial Times Deutschland. Für TOPAdvice Heintze & Partner war er als freier PR-Berater tätig, bevor er von 2000 bis 2003 als Pressesprecher der Mummert Consulting AG arbeitete. 2003 gründete Dr. Roland Heintze gemeinsam mit Jörg Forthmann, das heutige Faktenkontor. (sg)

0
RSS Feed

Hat Ihnen der Artikel gefallen?
Abonnieren Sie doch unseren Newsletter und verpassen Sie keinen Artikel mehr.

Mit einem * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder!

CAPTCHA
Diese Frage stellt fest, ob du ein Mensch bist.

Neuen Kommentar schreiben

Entdecken Sie die Printmagazine des WIN-Verlags