Second-Hand-Plattform: Wie ein Start-up erfolgreich gebrauchte Markenkleidung verkauft

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing
Share on whatsapp
Share on email
Share on print

Second-Hand-Plattform: Wie ein Start-up erfolgreich gebrauchte Markenkleidung verkauft

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing
Share on whatsapp
Share on email
Share on print
Second Hand liegt voll im Trend. Start-up-Gründer Moritz Gropp erklärt im Gespräch mit Chefredakteurin Christiane Manow-Le Ruyet, wie seine Second-Hand-Plattform funktioniert und welche Entwicklungsmöglichkeiten er für den Markt gebrauchter Markenkleidung sieht.
Second-Hand-Plattform

Quelle: Iryna Pospikh/shutterstock

Moritz Gropp, Gründer des Start-ups Peeces, erklärt im Gespräch mit Chefredakteurin Christiane Manow-Le Ruyet, wie seine Second-Hand-Plattform funktioniert und welche Entwicklungsmöglichkeiten er für den Markt gebrauchter Markenkleidung sieht.

Seit 2019 betreibt ihr die Second-Hand-Plattform Peeces. Kannst du mir bitte kurz euer Geschäftsmodell erklären?

Moritz Gropp: Im Prinzip verkaufen wir einfach nur Second-Hand-Klamotten über das Internet. Vergleichbar ist das ganze in etwa mit Kleiderkreisel beziehungsweise Vinted nur, dass eben alle Artikel von uns hochgeladen werden. Jeder von uns kennt den örtlichen Second-Hand-Laden, in denen die Artikel vor allem günstig sind und man ab und zu mal ein Stück findet, das einem besonders gut gefällt. Wir wollen nur solche Stücke bei uns im Shop haben. Diese Stücke, für die man sonst ewig braucht um sie zu finden.

Woher bezieht ihr die Produkte für eure Second-Hand-Plattform?

Moritz Gropp: Das ist die wohl häufigste Frage, die wir bekommen. Angefangen hat das Ganze natürlich in den Second-Hand-Läden bei uns in der Umgebung. Allerdings ist das ziemlich umständlich. Irgendwann kam dann das Internet auch für das Ankaufen der Kleidung dazu, hier sind wir dann auf etlichen Portalen im Internet gewesen wie Kleiderkreisel, Ebay und co. Inzwischen haben wir vor allem durch unsere große Social Media Reichweite, ziemlich gute Kontakte in anderen Ländern, welche uns auch Klamotten in größeren Mengen bereitstellen können. Heutzutage ist es eine gesunde Mischung aus all diesen Quellen!

Habt ihr Mechanismen, um die Produkte auf Echtheit zu überprüfen, da ihr vor allem Markenprodukte verkauft?

Moritz Gropp: Ja auf jeden Fall. Hier gibt es einige Indikatoren, an denen man erkennt, ob ein Vintage Stück echt ist oder nicht. Ausschlaggebend ist hierfür vor allem der Tag, also das Etikett im Nacken eines Kleidungsstücks. Hier kann man schnell erkennen aus welchem Jahr ein Stück ist und ob es tatsächlich echt ist oder ein Replica. Viele Hersteller hatten für bestimmte Jahre ein ganz bestimmtes ‘Tag’ und so kann man erkennen, wann das Stück hergestellt wurde.

Second-Hand-Plattform – eine Idee mit Wachstumspotenzial

Dem Resales-Markt werden glänzende Wachstumszahlen in den kommenden Jahren vorausgesagt? Plattformen wie StockX oder nun neu Momox Fashion haben dieses Segment bereits für sich entdeckt. Wie unterscheidet ihr euch vom Mitbewerb?

Moritz Gropp: Ich denke abgesehen von der Marke hintendran unterscheiden wir uns vor allem bei der Klamottenauswahl. Wir versuchen die Marke Peeces durch unsere Social Media Präsenz (Instagram, TikTok, Youtube) sehr authentisch zu etablieren. Jeder, der bei uns einkauft, soll wissen wer wir sind, wofür wir stehen und wen er da grade unterstützt. Das kommt bisher sehr gut an. Aber das würde gar nicht erst klappen, wenn wir nicht die richtigen Produkte hätten. Da wir alle in der Firma noch sehr jung sind (Durchschnittsalter 20-21) wissen wir ziemlich genau, welche Klamotten Menschen im Alter von 14-26 suchen.

Welche Zielgruppen sprecht ihr mit Peeces vor allem an?

Moritz Gropp: Wir sagen oft, wir selbst sind unsere größten Kunden. Wir (Leon & ich) und fast das ganze Team trägt inzwischen fast nur noch Klamotten von uns. Also ist unsere Zielgruppe vor allem eine junge Gruppe von Menschen, die gerne coole und einzigartige Klamotten tragen, aber den Planeten und unsere Verantwortung ihm gegenüber nicht vernachlässigt. Auf der anderen Seite haben schon meine Eltern und mein Großvater Klamotten bei uns gefunden und gekauft… also so einfach ist das manchmal gar nicht zu sagen, ich denke fast jeder Mensch in Deutschland würde etwas bei uns finden.

Second-Hand-Plattform: Zielgruppe Gen Z

Du und Leon habt Peeces erst vor Kurzem gegründet. Das Besondere daran ist, dass ihr selbst zu eurer eigenen Zielgruppe gehört. Wie könnt ihr davon profitieren?

Moritz Gropp: Wie eben schon erwähnt verstehen wir dadurch sehr gut, was unseren Kunden gefällt, worauf unsere Zielgruppe Wert legt und erkennen Trends schon sehr früh. Das hat uns vor allem bei beispielsweise unseren ‘Mottodrops’ geholfen. Letztes Jahr gab es eine Zeit, in der Shirts mit großen Grafiken aus den 90ern sehr In waren. Ein Beispiel hierfür sind z.B. Vintage Harley Davidson Shirts oder Band- und Rapshirts aus den 90ern. Das haben wir gewusst und direkt vermehrt nach solchen Artikeln gesucht und dann einen Drop fast ausschließlich mit diesen Shirts gemacht.

Wie erfahrt ihr, was gerade angesagt ist und wonach eure Zielgruppen suchen?

Moritz Gropp: Vor allem Social Media und Youtube. Die Hauptzielgruppe unserer Second-Hand-Plattform orientiert sich sehr an großen Fashionbloggern, Youtubern und Künstlern. Schaut man sich also einfach die neuesten Musikvideos an und betrachtet, welche Kleidungsstücke hier getragen werden, haben wir immer eine Idee, was als Nächstes besonders gesucht wird. Aber auch unsere Freunde helfen uns hier, da wir uns oft auch einfach daran orientieren, was ihnen momentan gefällt.

Second-Hand-Plattform
Leon Jungfleisch und Moritz Gropp, Gründer von Peeces. (Bild: Peeces)

Peeces habt ihr 2019 ins Leben gerufen. Welche Erfahrungen habt ihr bisher als Start-up-Unternehmer in puncto Unternehmensgründung in Deutschland gemacht? Mit welchen Schwierigkeiten hattet ihr zu kämpfen? Was lief gut?

Moritz Gropp: Ich glaube, hier kann ich vor allem 2 Punkte kritisieren. Klar, wir leben in Deutschland und hier wird Bürokratie mal eben groß geschrieben aber ich habe schon echt oft Dokumente unterschrieben, wo ich mir dachte… Wieso so kompliziert? Wir haben jetzt eine GmbH gegründet, hierfür waren wir beispielsweise 3-mal beim Notar. Außerdem finde ich, sollte man in der Schule auch schon ein bisschen was beigebracht bekommen. Was ist der Unterschied zwischen einer privaten und gesetzlichen Krankenkasse? Wie fertigt man eine Steuererklärung an? Was ist eine GmbH überhaupt? Ich denke man würde jedem einen Gefallen tun, wenn auch hier ein Basics in der Schule vermittelt werden würden.

Auf der anderen Seite finde ich das Netzwerk hinter den deutschen Start-Ups echt cool! Ganz egal ob das nun verschiedene Magazine (wie das eure), Podcasts, Messen oder auch soziale Medien sind, man bekommt immer irgendwo nützliche Tipps und einen guten Rat. Alleine das soziale Netzwerk LinkedIn hat mir bereits schon öfter geholfen, weil sich hier einfach sehr viele Existenzgründer zusammen tun und ihre Erfahrungen austauschen.

Mit gebrauchter Kleidung Gewinn erzielen

Wie finanziert ihr euer Unternehmen? Schreibt ihr bereits schwarze Zahlen?

Moritz Gropp: Tatsächlich sind wir seit dem ersten Tag an profitabel mit Peeces. Das ist sicher auch der Grund, wieso wir uns bis heute komplett selbst finanzieren können. Leon und ich haben uns die ersten 3 Jahre quasi kein Geld rausgenommen, da wir teilweise auch noch daheim gelebt haben und somit kaum Geld gebraucht haben.

Wie ist bei euch der Versand geregelt? Verschickt ihr selbst oder setzt ihr auf Logistikdienstleister?

Moritz Gropp: Sehr gute Frage! Wir haben bis vor einer Woche noch alles selbst versendet und änderten dies vergangenes Wochenende. Da wir nur Einzelstücke verkaufen, war es sehr schwierig für uns, hier einen passenden Partner zu finden, wir hatten es schon fast für unmöglich gehalten. Wegen 1-2 Zufällen haben wir jetzt aber jemanden gefunden, mit dem wir das ganze Projekt angehen konnten, worüber wir mehr als froh sind. Ist ganz ungewohnt die ersten Tage seit mehreren Jahren, an denen keine Pakete von uns verschickt werden.

Gerade das Retourenaufkommen kann enorme Kosten verschlingen. Wie seid ihr in diesem Bereich aufgestellt, um möglichst nachhaltig zu agieren und Retouren zu vermeiden?

Moritz Gropp: Gerade im Fashion-Segment ist die Retourenquote hoch. Bei uns war die Retourenquote noch nie besonders hoch verglichen mit den Zahlen von bspw. Zalando oder AboutYou. Allerdings musste man bei uns bis vor einiger Zeit auch noch den Versand für die Retoure selbst bezahlen. Jetzt haben wir das Ganze geändert, hier bin ich mal gespannt, wie sich die Retourenquote ändern wird. Um die Retouren möglichst niedrig zu halten, versuchen wir jedes Produkt so genau wie möglich zu beschreiben, damit der Kunde genau weiß, was er erhält. Das heißt für uns die Größe so gut es geht anzugeben und Mängel und Flecken zu beschreiben und bildlich abzubilden.

Die Zukunft der Second-Hand-Plattform

Was sind eure Pläne für die Zukunft?

Moritz Gropp: Wir haben wirklich einiges vor für dieses Jahr und die kommenden 5-10 Jahre. Peeces ist Leon & mein Baby und das wollen wir langsam aber sicher zum Laufen und später zum Sprinten bringen. Da wir ein riesiges Potential im Vintage Markt sehen, möchten wir einer der Vorreiter in dem Gebiet sein. Außerdem sehen wir keinen Grund, wieso ein Laden wie unserer nicht so groß sein sollte wie Zalando und Co.

Wir sind überzeugt, dass es bald einige Online Vintage Shops geben wird, die ähnlich groß sind und wir wollen einer davon sein. Abgesehen davon wollen wir früher oder später auch ein paar Stores aufbauen, das hat aber erstmal keine Priorität. Dieses Jahr setzen wir im Ladenbereich erstmal auf kurzzeitige Pop-Ups. Da wollen wir (soweit es Corona zulässt) am liebsten in den größten Städten im DACH Raum jeweils einen Pop-Up veranstalten.

Lesen Sie auch: Edel-Uhren aus dem Netz: Wie der Onlinehandel auch im Luxussegment Erfolg hat

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn
Share on xing
XING
Share on whatsapp
WhatsApp
Share on email
E-Mail
Share on print
Drucken

Ihre Meinung zum Artikel

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments

Andere Leser haben sich auch für die folgenden Artikel interessiert

Der Jahreswechsel rückt näher und bedeutet für viele ein Neustart. Alte Geschäftsverbindungen werden hinterfragt und neue erschlossen. Einen Vorteil hat, wer bei seinen Kunden und Geschäftspartnern ein positives Grundgefühl auslöst. Die Psychologie liefert mit der Konditionierung ein Mittel, um die eigene Firma oder Marke positiv zu besetzen – für einen perfekten Start ins neue Jahr.

Redaktionsbrief

Tragen Sie sich zu unserem Redaktionsbrief ein, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Wir wollen immer besser werden!

Deshalb fragen wir SIE, was Sie wollen!

Nehmen Sie an unserer Umfrage teil, und helfen Sie uns noch besser zu werden!

zur Umfrage

Aktuelle Ausgabe

Topthema: Hacked

Security

Mehr erfahren

Tragen Sie sich jetzt kostenlos und unverbindlich ein, um keinen Artikel mehr zu verpassen!

    * Jederzeit kündbar

    Entdecken Sie weitere Magazine

    Schön, dass Sie sich auch für weitere Fachmagazine unseres Verlages interessieren.

    Unsere Fachtitel beleuchten viele Aspekte der Digitalen Transformation entlang der Wertschöpfungskette und sprechen damit unterschiedliche Leserzielgruppen an.