Shopify oder Shopware Cloud: E-Commerce-Cloudsysteme im Vergleich

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Shopify oder Shopware Cloud: E-Commerce-Cloudsysteme im Vergleich

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Mit Shopware Cloud hat Shopware Mitte 2020 ein neues Produktsegment eröffnet. Erstmals bietet das Unternehmen seinen Kunden per Cloud den schnellen Einstieg ins Online-Geschäft. Damit wird nicht zuletzt Marktführer Shopify der Kampf angesagt, einem der ersten und bekanntesten Anbieter für E-Commerce-Software.
Shopify oder Shopware

Quelle: William Potter/shutterstock

Shopify oder Shopware Cloud, die Frage stellt sich so mancher Onlinehändler. Marcus Lüdecke, Consultant Web Solutions bei Interlutions, hat beide Systeme unter die Lupe genommen: Was kann die neue Shopware Cloud? Wo liegen die Vor- und Nachteile im Vergleich zum Shopsystem von Shopify? Und was sollten insbesondere deutsche Unternehmen in punkto Datenschutz unbedingt berücksichtigen?

Schnell und kostengünstig: Onlineshop per Cloud

Im letzten Jahr ist der Handelsumsatz im E-Commerce Bereich aufgrund der Corona-Pandemie um 17 Prozent gestiegen. Der Grund: Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen mit stationärem Handel wagten erstmals den Schritt Richtung Onlinehandel, um für sich einen weiteren Geschäftsbereich zu eröffnen. Speziell für diese Unternehmen ist es zum Teil jedoch schwierig, Know-how, Ressourcen und Budget für den vollumfänglichen Betrieb eines Onlineshops inklusive Wartung aufzubauen. Um dennoch schnell und kostengünstig in den E-Commerce einzusteigen, greifen sie darum häufig auf eine Cloud-basierte Shop-Software zu.

Der Vorteil: Cloud-basierte E-Commerce-Lösungen werden nicht selbst betrieben, sondern über entsprechende Software-Anbieter bereitgestellt. Für Kunden fallen so Kosten und Aufwände für das selbständige Hosting und die damit verbundenen Aufgaben für Wartung, Sicherungen und Systemupdates weg. Doch worauf gilt es bei der Auswahl eines Systems zu achten? Der Vergleich von einem der größten internationalen Anbieter in diesem Bereich und einem deutschen „Newcomer“ in punkto Cloud macht die wichtigsten Punkte – insbesondere beim Thema Datenschutz – sichtbar.

Shopify: Gut bestückter Baukasten

Eine der derzeit größten Cloud-basierten E-Commerce-Plattformen weltweit stammt aus dem Hause Shopify. Der kanadische Shop-Software-Anbieter wurde im Jahr 2004 gegründet und hat mit 75 Prozent des Umsatzes seinen Hauptmarkt in Nordamerika. In den letzten Jahren bekommt das System jedoch auch in Europa und Deutschland immer mehr Beachtung. Mit seiner einfachen Konfiguration und intuitiven Bedienung versteht sich Shopify hauptsächlich als Cloud-basierter Onlineshop-Baukasten für kleine und mittelständische Unternehmen. In wenigen Schritten lässt sich so ein Onlineshop erstellen und mit Produkten und Inhalten befüllen.

Dank des einfachen Baukastenprinzips werden keinerlei Programmierkenntnisse oder anderes technisches Wissen benötigt. Über Templates lassen sich per Drag-and-Drop Inhalte wie Landingpages, Blogbeiträge oder Produkte einfach strukturieren und pflegen. Importe ermöglichen Massenverarbeitungen von Produkt- oder Kundendaten und über den API-First Ansatz können auch andere System wie ein ERP-System oder eine Warenwirtschaft an den Shop angebunden werden. Shopify bildet Standard-Geschäftsprozesse wie Login- und Registrierungsprozess, Kaufprozess und Emailversand standardmäßig ab, die gängigsten Zahlungsmethoden und Versanddienstleister können einfach hinzugefügt und konfiguriert werden.

Über den Admin-Bereich lassen sich die wichtigsten Zahlen und Statistiken über Geschäftsprozesse sowie Kunden- und Bestellinformationen einsehen, verwalten und exportieren. Zudem können über verschiedene Marketinginstrumente Produktdaten in andere Verkaufskanäle wie Google Shopping, Facebook Instagram oder Ebay ausgeleitet oder Rabatt- und Gutscheinaktionen im eigenen Shop erstellt und aktiviert werden. Shopify wird auf einer leistungsfähigen Cloud-Plattform betrieben, die eine hohe Skalierbarkeit ermöglicht. Manuelle Aktualisierungen, Wartung und Sicherungen fallen hier für den Kunden weg bzw. passieren über die Software vollautomatisiert.

Shopify oder Shopware: Individueller Auftritt durch flexibles Shop-Design

Mit dem Standard-Funktionsumfang lässt sich schnell und einfach ein Onlineshop erstellen sowie mit Inhalten und Produkten befüllen. Sollte die Standardfunktionalität nicht ausreichen, stellt Shopify über 2.500 weitere Funktionen und Integrationen im App-Store von Shopify zur Verfügung. Hier kann man auch – teils kostenlos, teils kostenpflichtig – Design-Templates herunterladen, um das Aussehen des Shops zu verändern und zu individualisieren. Wer Kenntnisse in HTML und CSS besitzt, kann diese Templates zudem komplett verändern und so seinen Shop maßgeschneidert gestalten. Diese enorme Vielfältigkeit und Flexibilität ist der Grund dafür, dass Shopify sich mit über 1.000.000 Händlern zu einer der größten Cloud-E-Commerce-Plattformen weltweit entwickelt hat und auch in Europa und Deutschland weiter auf dem Vormarsch ist.

Shopware: Premiere im Cloud-Business

Das deutsche Unternehmen Shopware ist ein etablierter Shop-Anbieter mit rund 20-jähriger Erfahrung. Bisher gab es bei Shopware mit der Community-, Professional- und Enterprise-Lizenz nur On-Premise-Lösungen, die man entweder selbst oder auf entsprechenden Hosting-Anbietern laufen lassen konnte. Um Update und Wartung der Shopsoftware musste man sich dabei selbst kümmern. Mit Shopware Cloud eröffnete das Unternehmen Mitte 2020 ein neues Geschäftsfeld, in dessen Rahmen Shopware eine standardisierte, Cloud-basierte E-Commerce-Lösung auf Basis von Shopware 6 anbietet – insbesondere für das Onlinegeschäft kleiner und mittelständischer Unternehmen.

Shopify oder Shopware: Ähnlich wie bei Shopify lässt sich binnen von wenigen Minuten ein Shop-Auftritt erstellen, der einfach konfiguriert und mit Inhalten und Produkten gefüllt werden kann. Dabei hat man in der Cloud-Version Zugriff auf den vollen Funktionsumfang, den die Standard-Version der Open Source Shop-Software Shopware 6 bietet. Die wichtigsten Geschäftsprozesse wie Registrierung und Kaufprozess sind standardmäßig enthalten. Zahlungsdienstleister und Versandanbieter lassen sich über den Partner Mollie oder SendCloud einfach anbinden. Aktuell stehen bei Weitem nicht so viele Zahlungsdienstleister wie bei Shopify zur Verfügung, dennoch können die gängigsten Anbieter für Deutschland genutzt werden.

Um dem User ein ansprechendes Shopping-Erlebnis zu liefern, wird mithilfe von Erlebniswelten Content und E-Commerce miteinander verbunden. Die Erlebniswelten sind ebenfalls nach dem Baukastenprinzip aufgebaut, über das per Drag-and-Drop Inhalte erstellt und strukturiert gepflegt werden können. Es fehlen allerdings Tools, um Inhalte oder Produkte massenhaft zu verarbeiten, weshalb Shopware Cloud für größere Shops mit sehr vielen Produkten eher ungeeignet ist.

Im Ausbau: Apps für mehr Funktionalitäten

Shopware Cloud mit der Code Basis von Shopware 6 ist noch relativ neu und befindet sich aktuell stark in der Entwicklung. Der Funktionsumfang fällt geringer aus als bei Shopify, jedoch kommen fast monatlich neue Features und Updates hinzu. Um den Standard von Shopware Cloud zu verändern und um Funktionalitäten zu erweitern, gibt es auch bei Shopware einen App-Store. Dieser steht allerdings noch relativ am Anfang. Aktuell lassen sich rund 30 Design-Templates herunterladen, die das Layout des Shops lediglich über Konfigurationen verändern können. Ein Anpassen der Templates ist hingegen aktuell nicht möglich. Weiterhin gibt es kostenpflichtige Apps, um eigenes HTML, JavaScript und CSS hinzuzufügen.

Möchte man eigene Funktionalitäten hinzufügen, muss man von Shopware Cloud auf eine On-Premise-Variante wechseln. So ist es möglich, Plugins aus dem Shopware Store oder eigenentwickelte Plugins zu nutzen. Aktuell ist Shopware dabei, das App-System voranzutreiben. Denn ein großer Vorteil von Shopware wird zur Zeit noch nicht ausgespielt – die Entwickler-Community. Sie hat in der Version Shopware 5 viel dazu beigetragen, den Standard-Shop um Funktionalitäten erweitern zu können. Dieser Vorteil muss auch für den Shopware App-Store genutzt werden, denn die Standardfunktionen von Shopware Cloud werden langfristig im E-Commerce-Business nicht ausreichen.

Shopify oder Shopware: Diese Rolle spielt der Datenschutz

Gerade für den deutschen Markt spielt das Thema Datenschutz und DSGVO-konforme Prozesse und Datenströme eine wichtige Rolle. In diesem Kontext stellt sich bei Shopify als kanadisches Unternehmen mit Fokus auf dem nordamerikanischen Markt die Frage, wie es hier um die Übermittlung von Daten gestellt ist. Hier gilt es zu wissen: Ein Shopify-basierter Onlineshop ist standardmäßig nicht sofort rechtssicher für den deutschen Markt konfiguriert. Es müssen zuerst einige Konfigurationen am System sowie inhaltliche Korrekturen vorgenommen werden.

Bezüglich der Datenhaltung gilt Shopify datenschutzrechtlich als sogenannter Auftragsverarbeiter. Bei nahezu allen Verarbeitungstätigkeiten greift Shopify bei Händlern aus der EU auf EU-Server zurück. Kommt es zu einer direkten Datenübermittlung ins Ausland, werden die Daten ausschließlich an kanadische Server der Shopify Inc. in Kanada übertragen.

Fallstrick: App-Erweiterung für Shopify

Anders sieht es bei den Erweiterungen des Shopify App-Stores aus. Für sie sind die Ersteller der App als Unterauftragsverarbeiter verantwortlich. Gibt es eine Datenspeicherung innerhalb der App, wird diese direkt beim Hersteller vorgenommen. Weiterhin hat jede App, die installiert ist, Zugriff auf personenbezogene Daten. Je nach ihrer Funktion kann sie zudem zusätzliche Arten von Informationen benötigen. So greift eine App, die Bestellungen verwaltet oder ausführt, auf Bestellinformationen zu, die personenbezogene Daten der Kunden wie Kundenadressen und andere Kontaktinformationen enthalten.

Zwar verpflichtet die kanadische Shopify Inc. ihre Unterauftragsverarbeiter zur Einhaltung strenger Datenschutzpflichten, verhindert aber gleichzeitig nicht die Datenspeicherung beim App-Hersteller. Das heißt also, dass die Daten in einem Shopify Shop – wenn sie mit verschiedenen datenspeichernden Zusatzfunktionen aus dem Shopify App-Store erweitert sind – weltweit verteilt liegen können.

Im klaren Gegensatz dazu wird das Shopware Cloudsystem und seine Datenspeicherung ausschließlich auf europäischen Servern betrieben. Die im App Store zur Verfügung gestellten Apps müssen einen Prüfungsprozess durchlaufen, bevor sie freigeschaltet werden. Die darüber erhobenen Daten werden ebenfalls innerhalb des Shopware Cloud-Netzwerk gespeichert. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass Shopware Cloud auf deutsche rechtliche Änderungen im E-Commerce direkt reagiert und Anpassungen relativ zeitnah in das Standard Cloudsystem einarbeitet. Lediglich inhaltliche Vorgaben für den Shop muss der Kunde selbst vornehmen.

Wer macht das Rennen: Shopify oder Shopware Cloud

Cloud-basierte Shopsysteme bringen eine gewisse Standardfunktionalität mit, die in der Regel ausreicht, um einen Online-Shop zu betreiben. Hier hat Shopify aufgrund des zeitlichen Entwicklungsvorsprunges ganz klar einen Vorteil gegenüber Shopware. Über Jahre wurden neue Features und Usability-Optimierungen entwickelt, die Shopify zu einem einfachen und intuitiven System machen, was kleine und mittelständige Unternehmen für den Aufbau einer Online-Shop-Präsenz oft überzeugt.

Allerdings wird bei Shopify das Thema Datenhaltung sehr unzureichend behandelt – gerade wenn es um Funktionserweiterungen aus dem Shopify App Store geht. Denn die App-Entwickler können auf personenbezogene Daten aus dem Shop zugreifen bzw. diese weltweit speichern. Aufgrund dessen sollte bei jeder Erweiterung, die im eigenen Online-Shop zum Einsatz kommt, geprüft werden, auf welche Daten die App Zugriff hat und wo diese Daten gespeichert werden.

Shopware Cloud ist als Cloud-basierte E-Commerce-Lösung noch relativ neu und muss einen großen Entwicklungsvorsprung gegenüber Shopify aufholen. Es gilt nun, alle Erfahrungen aus dem Vorgängerprodukt Shopware 5 in die Cloud zu übertragen. Mit dem aktuellen Funktionsumfang lassen sich zwar schon Online-Shops umsetzen, aber es fehlen Erweiterungen, die einen weiteren Ausbau und Individualisierungen möglich machen. Der App Store, über den die Shopware Entwickler-Community weiter eingebunden werden kann, befindet sich aktuell noch im Aufbau.

Bei Shopware wird das Shopware Cloudsystem selbst und alle damit verbundenen Daten auf europäischen Servern innerhalb des Shopware Cloud-Netzwerkes gespeichert. Datenschutzrechtliche Anforderungen fließen relativ schnell in den Entwicklungsstand mit ein.

Funktionserweiterungen für die Shopware Cloud durchlaufen einen strengen Prüfungsprozess, bevor sie im App Store zur Verfügung gestellt werden. Da der Shopware App-Store noch relativ neu ist und zum aktuellen Zeitpunkt noch sehr wenig Erweiterungen anbietet, kann zum aktuellen Zeitpunkt noch keine abschließende Aussage über den Datenschutz-Standard des App Stores getroffen werden.

Lesen Sie auch: E-Commerce-Trends: Umfrage von Shopware deckt aktuelle Entwicklungen auf

Shopify oder Shopware
Bild: Interlutions

Über den Autor: Marcus Lüdecke ist als Consulting Web Solutions bei Interlutions tätig. Sein Fokus liegt auf dem E-Commerce-Lösungsgeschäft sowie den angrenzenden Technologien. In Online-Projekten steht er den Kunden und dem Projektteam strategisch und technologisch beratend zur Seite.

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