So wird die Website zur Wohlfühlzone für den Kunden

Die Conversion Rate ist ein hohes Ziel. Doch wer nur das Endresultat im Auge hat, vergisst oft, wie wichtig es ist, dem Kunden auch den Weg dorthin so angenehm wie möglich zu gestalten.

Es ist ein altes Problem, das schon existierte, als selbst die größten Visionäre nicht an E-Commerce dachten: Wie wichtig ist es, dass sich der Kunde in einem Geschäft wohlfühlt? Natürlich gibt es Marketing-Strömungen, die der Ansicht sind, dass der Wohlfühl-Faktor zugunsten der Preise geringgehalten werden kann. Das mag vielleicht in einem Ladengeschäft funktionieren, bei dem man auf Deko verzichten kann. Doch im Web muss es anders ablaufen. Wer dort möchte, dass seine Kunden oft und viel kaufen und immer mehr Neukunden den Weg zu ihm finden, muss seine Website zum digitalen Äquivalent eines gemütlichen Wohnzimmers machen. Wie man diese Atmosphäre schafft, zeigt der folgende Artikel.

Website als Wohlfühlzone

Eine gute Shop-Website ist das Online-Äquivalent eines gemütlich eingerichteten, ordentlichen Wohnzimmers, in dem man sich gern aufhält. fotolia.com © bnenin

Die Startseite, wo man sich gerne niederlässt

Es gibt viele Grundregeln, wie eine gute Startseite auszusehen hat. Doch klickt man sich durch Shops unterschiedlicher Orientierungen, fällt einem auf, dass es selbst bei den Branchengrößen oftmals an der Umsetzung hängt. Dabei ist vor allem die Informationsflut gemeint, die auf den User hereinbricht, sobald er auf die Seite gelangt.

Nun ist es zwar verständlich, dass Betreiber dem Besucher beim Eintreten so viel wie möglich offerieren möchten. Angenehm zwar, aber die meisten ziehen es vor, erst einmal „anzukommen“.

Genau dieses Ankommen ist auch auf der Shopseite enorm wichtig. Natürlich dürfen und müssen Informationen gegeben werden. Aber das, was der Kunde ohne eigene Interaktion sieht, sollte eng eingegrenzt werden. Sprich, nur die Oberkategorien, um die es sich dreht, mit der Möglichkeit, durch eigenes Interagieren dazugehörige Drop-Down-Menüs zu betätigen. Sollen Sonderangebote gezeigt werden, dann immer nur wenige gleichzeitig; falls diese automatisch wechseln, sollte der Darstellungszeitraum tendenziell länger gewählt werden. Eine solche Startseite ist wie ein aufgeräumtes Wohnzimmer; die Couchkissen aufgeschüttelt, die Fernbedienungen übersichtlich drapiert. Hier lässt man sich gerne nieder.

Informationen: Gleich und gleich gesellt sich gerne

Je nach Ausrichtung eines Shops ist es möglich, dass sich hinter den Unterkategorien tausende Produkte verbergen. Zugegeben, es ist eine Fleißaufgabe. Aber man muss es schaffen, zu jedem Punkt die gleichen Informationen zu offerieren. Niemals sollte man den Fehler machen und einfach nur die Hersteller-Infos übernehmen. Schon deshalb, weil dies ein Copyright-rechtlich schwieriges Gebiet ist. Zudem auch, weil es dafür sorgt, dass es bei den Informationen keinen roten Faden gibt. Beim einen Produkt bekommt der Kunde gar keine Beschreibung, sondern nur einige technische Daten, beim anderen hingegen einen nichtssagenden Werbetext.

Um das zu vermeiden, sollte man sich vorher auslegen, welche Informationen der Kunde brauchen könnte und diese in gleicher Form als roter Faden für jedes einzelne Produkt anbieten. Natürlich kann man darauf durch zusätzliche Informationen noch weiter aufbauen, aber das sollte das Fundament dessen sein. Dazu gehört es auch, Schreibweisen und Bezeichnungen immer gleich zu halten. Also beispielsweise nicht „Levis“ und „Levi´s“ oder „E10“ und „E-10“.

Übersichtlichkeit ist reine Psychologie

Der menschliche Geist kennt nur zwei Wege, auf denen er Entscheidungen trifft:

  1. Instinktiv, impulsiv, schnell und ohne großes Nachdenken
  2. Rational, überlegt, langsam und sehr fokussiert

Beim E-Commerce kommt in vielen Fällen nur der erste zum Einsatz. Ziel muss es also sein, diese Variante der Verkaufspsychologie zu verstehen und sie umzusetzen. Das kann schon durch kleine Grafik-Elemente geschehen, etwa Pfeile, die dem Kunden zeigen, wohin er klicken muss. Die Umsetzung des Fernbedienungs-Prinzips, bei dem man einfach durch eine + oder – Taste die Programme durchschalten kann.

Aber: solche „Psychotricks“ müssen auf die Zielgruppe abgestimmt werden. Es reicht nicht, einfach einige Pfeil-Icons strategisch zu verteilen. Je nachdem, in welchem Feld der Shop arbeitet, wird es auch eine mehr oder weniger große Anzahl an Kunden geben, die nach der zweiten Entscheidungs-Kategorie vorgehen. Auch sie müssen in Form von Reviews, Erfahrungsberichten und vielem mehr an die Hand genommen werden.

Produktbeschreibung

Jedes Produkt auf der Seite sollte im gleichen Stil beschrieben und mit den gleichen technischen Informationen versehen werden. fotolia.com © ls_design 

Content ist King

Es gehört zum Einmaleins der Suchmaschinenoptimierung, seine Webseite immer wieder durch Neues zu ergänzen. Viele Seitenbetreiber sehen das jedoch als lästige Pflicht an. Ein Fehler, denn hierin bieten sich enorme Möglichkeiten, seinem Kunden das E-Commerce-Gegenstück der Fernsehzeitung auf dem Wohnzimmertisch zu offerieren.

Aus was besteht eine solche Zeitung? Grundgerüst ist natürlich eine Liste mit den Programmen, umgelegt auf den Shop also die Produktseiten. Doch dazwischen finden sich unzählige andere Dinge. Kreuzworträtsel, ein Reisebericht über die Adria, Kochrezepte. Nun muss man seinen Online-Store für Elektronik-Komponenten nicht um Spaghetti-Rezepte anreichern. Dennoch sollte man das Prinzip regelmäßig durch zum thematischen Seiten-Tenor passende Zusatzinformationen umsetzen.

Das können schon kleine Blog-Einträge sein, in denen man zeigt, wie bestimmte Produkte ausgepackt, zusammengebaut und benutzt werden. Doch es kann sich auch auf themenübergreifende Ratgeber-Texte erstrecken. Dabei ist falsche Scheu fehl am Platz, einen ansprechend-lockeren Text können auch blutige Anfänger verfassen. Und über was schreibt man? Einfach über etwas, das themenrelevant ist. Wer Modelleisenbahnen und Zubehör verkauft, schreibt Artikel über die Geschichte einzelner Lokomotiven oder Tipps und Tricks für das Kreieren einer Modell-Landschaft. Wer Autozubehör anbietet, hilft seinen Kunden mit Texten über Ordnung in der Werkstatt, über einzelne Modelle, über Autorestauration.

So gibt es zu jeder denkbaren E-Commerce-Variante viel „Futter“, mit dem man seine Seite aufpeppen kann. Wichtig ist nur, dass Kunden diese Texte auch sehen. Etwa durch Links auf thematisch passenden Produktseiten.

passende Texte und Videos

Zum Tenor des Angebots passende Texte oder Videos machen die Seite sowohl für Besucher wie Google interessanter. fotolia.com © Jacob Lund 

Schreibfehler mag niemand gern

Die Digitalisierung im Allgemeinen und das Internet im Besonderen haben dazu geführt, dass mehr geschrieben und gelesen wird und das auch noch vor größerem Publikum. Allerdings sorgt diese Tatsache auch dafür, dass nicht nur Rechtschreibschwächen breit sichtbar werden, sondern auch, dass sich internetspezifische Abkürzungen etablierten. Ein Schriftwandel, gegen den Experten seit längerem Sturm laufen und der dazu führte, dass diejenigen, die im Web auf Schreibfehler hinweisen, sogar als „Grammar-Nazi“ verspottet werden. Das Wohnzimmer-Äquivalent zum unkontrollierten Kombinieren von Einrichtungsstilen, Farben und Materialien.

Nun kann man natürlich nicht von jedem erwarten, mit der Sorgfalt eines Deutschlehrers die Texte für seine Website zu verfassen. Aber man sollte wohl darauf achten, zumindest die wichtigsten Rechtschreibregeln einzubehalten und nicht in typische Fettnäpfchen zu treten:

  • Keinen Unterschied zwischen ´n und ´nen/nem machen. ´Nen Auto ist schlicht falsch, es heißt ja nicht einen Auto, sondern ein Auto.
  • Mein/Meinen, dein/deinen wild durcheinanderwerfen. „Du willst dein Computer beschleunigen? Dann musst Du das machen…“
  • Fachsprache verwenden, dann aber die Worte falsch schreiben („hahnebüchen“, „kummulieren“, „Ress(o)urce“).
  • Kommafehler,bei denen zwischen den Wörtern und dem Komma kein Leerzeichen ist ,oder das Komma an das nächste Wort gehangen wird, statt an das letzte.
  • Unnötige Abkürzungen.
  • Worte trennen, die zusammengeschrieben werden („Wohlfühl Zone“)

Die meisten Fehler kann man schon dadurch vermeiden, dass man mit aktivierter Rechtschreibkontrolle schreibt. Aber: Blindlings darauf verlassen sollte man sich niemals. Im Zweifelsfall kann man Textabschnitte in die Duden-Korrektur einkopieren und überprüfen. Auf diese Weise werden alle Texte auf der Shopseite wesentlich professioneller und es sinkt auch die Absprungrate.

eine Nacht über seinem Text schlafen

Im Zweifelsfall hilft es, einfach eine Nacht über seinen Text zu schlafen, ihn auszudrucken und ganz unvoreingenommen nochmal durchzugehen. fotolia.com © SFIO CRACHO

0
RSS Feed

Hat Ihnen der Artikel gefallen?
Abonnieren Sie doch unseren Newsletter und verpassen Sie keinen Artikel mehr.

Mit einem * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder!

Neuen Kommentar schreiben

Entdecken Sie die Printmagazine des WIN-Verlags