Spitzenlast: Wie Online-Händler ihre Infrastruktur einfach skalieren

Das Weihnachtsgeschäft stellt die Websites von Online-Händlern alljährlich auf die Probe. Mit der richtigen Cloud-Infrastruktur lassen sich Lastspitzen auch kurzfristig auffangen.

Der diesjährige Weihnachtskaufrausch strebt gerade seinem Finale entgegen. Dabei ist der Ansturm längst nicht mehr auf Einkaufszentren beschränkt: In der „Deloitte Christmas Survey 2018“ gaben zwei Drittel der Befragten in Deutschland an, zumindest einen Teil ihrer Weihnachtskäufe online tätigen zu wollen, und laut dem Handelsverband Deutschland erzielen Internet-Händler in den letzten beiden Monaten des Jahres rund 25 Prozent ihres Jahresumsatzes. Eine Website, die in der Lage ist, diesen erhöhten Traffic zu bewältigen, ist für Online-Händler daher das A und O.

Drei Sekunden

Nach der Zeitspanne von drei Sekunden verlässt ein Benutzer eine Seite, wenn sie zu langsam lädt. Händler müssen ihre Websites also vorbereiten, damit sie Spitzenbelastungen abfangen können und die Ladezeiten nicht wesentlich unter der Zunahme an gleichzeitigen Verbindungen leiden.

Es ist daher grundsätzlich ratsam, sich frühzeitig darauf einzustellen und sich im Vorfeld folgende Fragen zu stellen: Wurden Leistungstests durchgeführt? Wie schnell kann die Infrastruktur skaliert werden? Gibt es ein einsatzbereites Szenario für kritische Situationen? Sobald diese Fragen beantwortet sind, ist es möglich, eine benutzerdefinierte Infrastruktur auch kurzfristig mit zusätzlichen Ressourcen auszustatten, um ein optimales Einkaufserlebnis zu gewährleisten.

Public Cloud: höchste Flexibilität

Eine Public Cloud kann sich am einfachsten an einen Anstieg des Ressourcenbedarfs anpassen. Durch die automatisierte Bereitstellung von Instanzen lassen sich zusätzliche Ressourcen innerhalb weniger Minuten dazuschalten, sodass Online-Händler auch kurzfristige Schwankungen im Traffic ausgleichen können. Public Clouds bieten in der Regel ein stündliches oder monatliches Pay-per-Use-Modell, was sie transparent und gleichzeitig sehr granular in ihrer Skalierbarkeit macht.

Eine zusätzliche Widerstandsfähigkeit gegen Verkehrsschwankungen lässt sich durch den Einsatz eines Load Balancers erzielen. Er wird den Servern vorgeschaltet, um den Traffic auf verschiedene Instanzen zu verteilen und damit ihre Kapazität erheblich zu verbessern. Um die Interoperabilität mit anderen Cloud-Anbietern zu gewährleisten, bieten sich Public Clouds an, die durch Standard-Software wie OpenStack unterstützt werden.

Private Cloud: Volle Kontrolle

Im Gegensatz zur Public Cloud ist die Private Cloud nicht in einem Massencluster untergebracht, sondern steht als dedizierter Ressourcenpool für eine Organisation zur Verfügung, wodurch sie ein hohes Maß an Sicherheit, Kontrolle und Flexibilität bietet. In Form eines sogenannten Software-defined Data Center (SDDC), bei dem alle Elemente der Infrastruktur virtualisiert sind und als Service bereitgestellt werden, bieten Private Clouds eine besonders hohe Verfügbarkeit – so können entsprechende Services Lastspitzen vorhersagen und den Administrator proaktiv informieren. Während zudem bei einem eigenen kleinen Server die Gefahr besteht, dass er irgendwann zusammenbricht, weil die Festplatten voll sind, kann ein SDDC den Speicherplatz für Datenbanken jederzeit dynamisch ausbauen.

VPS: klein, aber oho

Dagegen sind gerade bei kleineren Online-Händlern Virtual Private Server (VPS) als kostengünstige Alternative geschätzt. Werden mehr RAM oder leistungsfähigere Prozessoren benötigt, um den Anstieg des saisonalen Datenverkehrs abzufangen, lässt sich ein VPS mit wenigen Klicks an den erhöhten Bedarf anpassen.

CDN: Verteilte Last

Einen weiteren Weg, die Leistung einer Website zu optimieren, ohne dafür notwendigerweise die Infrastruktur zu verändern, bieten schließlich sogenannte Content Delivery Networks (CDN). Dabei werden statische Inhalte über ein Netz regional verteilter Knoten an die Endnutzer ausgeliefert, um einen optimalen Datendurchsatz zu erzielen. Inhalte wie Bilder oder Videos, die Websites verlangsamen, werden über das CDN unabhängig verteilt, während Daten, die keine permanente Aktualisierung erfordern, zwischengespeichert werden. Ein CDN ist daher eine sinnvolle Ergänzung für Online-Händler, die Kunden auf der ganzen Welt erreichen wollen.

Über den Autor: Dominique Schneider ist PreSales Engineer bei dem französischen Telekommunikationsanbieter und Internehtdienstleister OVH.

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