Statement zur Einführung der Zusatzgebühren von MasterCard für Wallet-Bezahlsysteme

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Kommentar von Ralf Gladis, Geschäftsführer von Computop, zur Ankündigung der Wallet-Zusatzgebühren von MasterCard 
Gerade jetzt, wo PayPal, Google, Yapital und andere Anbieter in den globalen POS-Markt einsteigen, beschließt MasterCard die Einführung von Zusatzgebühren für Wallet-Bezahlsysteme. Das klingt nicht gut, und es werden sogar schon Stimmen laut, die das Wallet-Geschäftsmodell infrage stellen.

In der Praxis dürften zusätzliche Kartengebühren für Wallet-Systeme nur deren Kostenvorteile gegenüber Kartenzahlungen schmälern. Kritiker sehen in dieser Gebühr eine Maßnahme zur Bekämpfung innovativer neuer Lösungen am POS. Faktisch könnte es aber auch nur ein Ausgleich zwischen Wallet-Betreibern wie PayPal und traditionellen Acquiring-Banken handeln. Doch was sind die Unterschiede in der Preiskalkulation von Wallet-Systemen und Kartenzahlungen?

Die Wallet-Systeme wurden für eine globale Nutzung konzipiert, da sie auf den Einkauf im Internet und über Mobilgeräte abzielen. Dies wirkt sich direkt auf die Preiskalkulation aus, denn Wallet-Systeme können bei der Preiskalkulation niedrige internationale und interregionale Interchange Fees ansetzen. Eine niedrige Interchange Fee (Erklärung) ermöglicht es den Wallet-Systemen, ihre Servicegebühren gegenüber den Händlern niedrig zu halten, was ein Vorteil gegenüber dem traditionellen Einkauf per Karte ist. 

Außerdem besitzen die Wallet-Systeme eine globale Reichweite, während ein Acquirer für jede Region oder jedes Land, in dem sie Händlern akquirieren, erhebliche Lizenzgebühren an MasterCard und Visa entrichten muss. Ein Wallet-System ist von sich aus global, ein Acquirer zahlt dagegen für jede Lizenz in Europa oder in den USA sowie pro Land in Asien.

 Angesichts dieser Vorteile und vor dem Hintergrund rasch wachsender Zielmärkte wie E-Commerce und der Mobilbereich besteht keinerlei Anlass, das Geschäftsmodell der Wallet-Bezahlsysteme anzuzweifeln. Hinzu kommt noch, dass MasterCard und Visa sehr exponierte Marktpositionen einnehmen, was ihre Optionen in Hinblick auf Zusatzgebühren einschränkt, da sie seit geraumer Zeit im Blickfeld der Kartellbehörden stehen. So wurde beispielsweise MasterCard in Europa für überhöhte Gebühren bestraft (Link). 

Bei Computop verzeichnen wir eine ständige Zunahme des Marktanteils von Wallet-Systemen, vor allem bei großen globalen Händlern. Vor Kurzem haben wir die Bedeutung verschiedener Zahlungsmethoden für die Online-Mode-Branche in Europa analysiert: 48 % von 5,7 Millionen Bestellungen wurden mit Kreditkarte bezahlt, wobei die entsprechenden Bestellwerte 25 % über dem Durchschnitt lagen. Auch wenn die mit PayPal bezahlten Bestellwerte um 24 % unter dem Durchschnitt liegen, deckt PayPal doch 33 % des gesamten Umsatzvolumens im Bereich Online-Mode ab. Wenn die Wallet-Systeme im POS-Bereich genauso erfolgreich wären, würden die Visa und MasterCard Marktanteile verlieren, da Kreditkarten nur eine der vielen Optionen ist, um ein wallet wie PayPal aufzuladen. 

Der Vormarsch der Wallet-Systeme lässt sich nicht durch eine simple Gebühr aufhalten. MasterCard geht hier vielmehr ein Risiko ein: Denn wenn MasterCard die Gebühren erhöht und die Preise für Kartenzahlungen im Wallet erhöht, besteht die Gefahr, dass die Wallet-Systeme ihre Kunden anhalten, auf günstigere Zahlarten wie Lastschrift auszuweichen. Einerseits stellt die Gebühr eine zusätzliche Einnahme für MasterCard dar, durch die ein Ausgleich zwischen Wallet-Systemen und traditionellen Acquiring-Banken geschaffen wird. Andererseits werden die Wallet-Anbieter aber ihre Benutzer dazu anregen, andere Zahlungsmittel zu nutzen. Das wiederum traegt nicht gerade zur Sicherung der Marktanteile von MasterCard bei. 

Doch die Fakten sind nur eine Seite der Medaille. Der andere entscheidende Aspekt ist die Wahrnehmung seitens der Marktteilnehmer: Händler und Wallet-Benutzer werden das Vorgehen von MasterCard mit Sicherheit nicht gutheißen und darin trotz allem einfach einen Versuch zur Abwehr innovativer Neuerungen der Wallet-Systeme sehen. Dies wiederum wäre dem Ruf von MasterCard im Handel nicht zuträglich.

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