Statement zur Übernahme von Skype durch Microsoft

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Am 10. Mai hat Microsoft bekanntgeben, den VoIP-Spezialisten Skype für ca. 8,5 Milliarden US-Dollar zu übernehmen. Experton Group Senior Advisor Axel Oppermann fasst zentrale Aspekte zusammen und kommentiert.


 


Mit der Übernahme von Skype setzt Microsoft ein deutliches Zeichen im Markt. Microsoft verschafft sich nicht nur Zugang zu über 600 Millionen Nutzern. Vielmehr wird durch die Integration in bestehende Produkte und Services das Gesamtportfolio aufgewertet. Diese Aufwertung bezieht sich sowohl auf den Markt für Privatanwender als auch auf Geschäftskunden. Die Integration ist für CRM-Lösungen, über ein verbessertes und verbreitertes UC-Angebot bis hin zum lukrativen Werbemarkt wertvoll.


 


Ferner erhält Microsoft, dank der Stärke von Skype auf Android-Geräten, einen ansehnlichen Zugang auf die prosperierende mobile OS-Plattform. Dieser kann auch dafür genutzt werden, Microsoft-Services auf diese Plattform zu bringen. Auch wird sich die Stellung gegenüber den Telefongesellschaften nachhaltig verbessern. Microsoft bekommt eine deutlich stärkere Verhandlungsposition und wird seine Produkte leichter mit den Angeboten der Telekommunikationsanbieter verbinden können. Auch kann die bereits bestehende Kooperation mit Facebook und Yahoo um die Skype-Komponenten ausgebaut werden.


 


Durch die Akquisition von Skype erhält Microsoft


 


-über 600 Millionen Anwender (abzüglich der Überschneidung mit bestehenden Diensten wie Windows Live und Hotmail)


-also eine massive Kundenbasis mit stark wachsendem Anteil an Business-Nutzern


-Zugang zu weiteren Business-Voice-UC-Lösungen


-Ausbau des UC-Portfolios und starke Positionierung gegenüber Cisco


– Zertifizierte SIP-Trunking mit zahlreichen IP-PBXs- und TDM/IP-Gateways


– die Möglichkeit zur Integration in das UC-Channel-Programm (bisher Schwäche von Skype)


– die Möglichkeit die bestehenden Services wie Windows Live und Hotmail nachhaltig aufzuwerten. Insbesondere auch die Integration von Skype in xBox-Angebote.


– direkten Zugang zu Nutzern von führenden mobile OS-Plattformen (Android, iOS)


– eine weitere Plattform für das Suchmaschinengeschäft


– eine starke Plattform und einen Absatzkanal für das Geschäft mit Werbung


 


Auch wenn über fünf Milliarden Euro (8,5 Mrd. US-$) auf den ersten Blick nicht viel erscheinen, handelt es sich hierbei nicht zwingend um ein Schnäppchen. Microsoft kann sich jedoch von Wettbewerbern wie Google und Cisco distanzieren, sich gegenüber Freunden wie Facebook und den Telekoms dieser Welt stärker positionieren und eigene Lösungen aufwerten. Herausforderung für Microsoft wird es sein, die Skype-Services schnell und nahtlos in das eigene Portfolio zu integrieren. Nur eine schnelle Vernetzung der Services, eine trennscharfe Abgrenzung von Leistungen und Preisen sowie die Integration in weitere Plattformen wie Facebook werden einen Erfolg bringen.


 


Skype wurde 2003 gegründet und im Jahr 2005 von eBay übernommen. Doch die Beziehung zwischen der Online-Plattform und Skype war nicht von langer Dauer. Bereits 2009 verkaufte eBay für ca. 2,75 Milliarden US-Dollar einen 70 prozentigen Anteil an den Finanzinvestor Silver Lake. Im Rahmen eines angedachten IPO veröffentlichte Skype im Jahr 2010 in einem Formular des „U.S. Securities and Exchange Committee“ (SEC) einige spannende Zahlen:


– In den ersten sechs Monaten im Jahr 2010 wurden knappe 90 Prozent der erzielten Umsätze über “SkypeOut”-Gespräche realisiert. (Gespräche von Skype zu nicht-Skype-Anschlüssen.)


– 2007: Verlust von 1, 4 Milliarden US-Dollar


– 2008: Überschuss von 41,6 Millionen US-Dollar


– 2009: Verlust von 386 Millionen US-Dollar


– 2010: bis zum 30. Juni einen Überschuss von 13 Millionen US-Dollar


– Am 30. Juni 2010 waren 560 Millionen Nutzer registriert. Davon waren nur 124 Millionen Anwender durchschnittlich im Monat angemeldet. 8,1 Millionen Nutzer bezahlen Services.


 


Grundsätzliche Strategie von Skype


 


Der primäre Ansatz von Skype ist es, den Zugang zu seinen Leistungen für den Anwender über alle Geräte hinweg so leicht wie möglich zu gestalten. Dabei sollen unterschiedliche Netzwerke oder Plattformen kein Hinderungsgrund für den Anbieter darstellen. Hierbei setzte Skype in der Vergangenheit auf die Kooperation mit Platzhirschen wie Nokia. Aber auch die frühzeitige Unterstützung des „Herausforderers“ Android zu dessen Markteinführung ist ein Beweis für diese erfolgreiche Strategie.


 


Dabei stützt sich Skype auf drei zentrale Vertriebs- und Partnerschaftsmodelle:


– integriert und „preload“


– vorinstallierte Lösungen – exemplarisch auf Geräten von Nokia oder dem eeePC von ASUS


– download: Skype kooperiert hier mit Unternehmen, die bereits seit Jahren – wenn nicht sogar Jahrzehnten – zu den wichtigsten Partnern von Microsoft zählen. Eine Integration der gemeinsamen Aktivitäten sollte schnell realisierbar sein.


 


Ziel von Skype ist es, auf so vielen Geräten wie möglich präsent zu sein. Dabei verfolgt Skype eine ähnliche Multiscreen-Strategie wie Microsoft. So werden die Dienste sowohl auf PCs, Mobile/Tablet und TV bereitgestellt. Die klassische Bereitstellungsform von Skype in der Vergangenheit war der Desktop-PC bzw. Laptop. Angeboten wurden einfache VoIP-Leistungen. Das Geschäftsmodell bestand darin, dass Anwender sich eine Applikation auf ihren Client herunterluden und in Form von „Skype-to-Skype Call“ mit anderen Nutzern kostenlos kommunizieren konnten. Hierzu musste der Gesprächspartner selbstredend auch die Software installieren. Durch diesen Ansatz konnte die Verbreitung des Dienstes nachhaltig beschleunigt werden.


 


Zur Monetisierung wurden „low cost“ VoIP-Services in die öffentlichen Netze angeboten. Technische Grundlage war ein „Peer-to-Peer“-Ansatz. Die Nutzer fungierten als Hub und ermöglichten so die Skype-Gespräche. Diese Nutzung der PC-Rechenleistung der Anwender in Verbindung mit den Breitbandnetzen verursachte für die „internen“ Gespräche minimale Kosten und geringe Vorhaltung von eigenen Infrastrukturen.


 


Zweiter Bestandteil der Multiscreen-Strategie von Skype sind mobile Geräte, insbesondere Smartphones und Tablets. Allerdings stießen die Skype-Strategen hier Anfangs auf Widerstände der Telefongesellschaften. Diese forcierten eine aktive und passive Blockierung der Dienste. Öffentlicher Druck und ein Durchgreifen der Regulierungsbehörden sorgten allerdings für eine Verbreitung auf den mobilen Geräten.


 


Dritter Bestandteil sind TV-Geräte. Ziel ist es, HD-Video-Telefonate anzubieten. Hierzu wurden bereits im Jahr 2010 Partnerschaften mit Samsung, LG und Panasonic eingegangen.


 


Schwächen von Skype


 


– Geringe Wertschöpfung bzw. ARPU (Average Revenue per User)


– Schlechtes Channel-Programm bzw. geringe Durchdringung


– Keine garantierten Gesprächsqualitäten – dadurch Probleme im Business-Umfeld


 


Mit der Übernahme von Skype hat Microsoft die Chance, seinen Marktanteil im UC-/VoIP-Markt weiter voranzutreiben. Mit einer integrierten Lösung aus Applikation und Kommunikationsdienst hat Microsoft gute Argumente gegenüber den Wettbewerbern – und dies in einem sehr attraktiven Markt: Der kombinierte UC- und VoIP-Equipment-Markt wird laut Experton Group 2011 in Deutschland um 13 Prozent wachsen. Im besonders prosperierendem UC-Markt (über 20 Prozent Umsatzwachstum in diesem Jahr) kommt Microsoft schon jetzt mit überdurchschnittlichem Wachstum allmählich den traditionellen Anbietern, wie Siemens, nahe und hat sie teilweise bereits hinter sich gelassen. So mancher Hersteller, wie der frühere Microsoft-Partner Nortel, blieb dabei auf der Strecke.


 


Der deutsche VoIP-Equipment-Markt ist zwar (noch) deutlich größer als der UC-Markt, weist allerdings aufgrund der größeren Reife mit ca. 10 Prozent ein geringeres Wachstum als dieser auf. Führend sind hier die seit Jahrzehnten aktiven Anbieter: Allen voran Siemens SEN, gefolgt von Avaya (vormals unter den Namen Tenovis, Bosch Telecom und Telenorma bekannt).


 


Aber auch der Netzwerkspezialist Cisco hat in den vergangenen Jahren eine starke Position erobert. Zugute ist den traditionellen Anbietern gekommen, dass die Unternehmenskunden bisher – u.a. wegen Investitionsschutz und Skepsis – überwiegend einen sanften Übergang von der bisherigen Telefonie wünschten und hybride Lösungen (Kombination von VoIP und traditioneller verbindungsorientierter Telekommunikation) bevorzugten. Nunmehr wird die Entwicklung aber mit dem Ausbau der Next-Generation-Netze durch die Carrier und steigendem Kundenvertrauen in Richtung purer VoIP-Kommunikation gehen.


 


Nachdem Microsoft als Newcomer in noch nicht einmal fünf Jahren den etablierten Anbietern im VoIP-Equipment-Markt das Fürchten gelehrt hat, hat Microsoft nun auch die Möglichkeit, im Carrier-Markt die Karten neu zu mischen. Im deutschen Geschäftskunden-Markt wartet hinsichtlich Voice-Kommunikation ein Kuchen von immerhin ca. zehn Milliarden Euro, der mit dem Vormarsch von Voice over IP freilich kontinuierlich schrumpft.


 


 

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