Studie: Die Sorgen der Europäer

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Ergebnisse der Studie „Challenges of Europe 2010“  der GfK: Die Deutschen machen sich die meisten Sorgen und die Arbeitslosigkeit größte Herausforderung für Europa.

Die Lage am Arbeitsmarkt bleibt sowohl für die Europäer insgesamt als auch für die Deutschen die größte Sorge. Im Vergleich zum Vorjahr nimmt die Besorgnis noch etwas zu. In 8 der 11 untersuchten Länder ist die Arbeitslosigkeit das am häufigsten genannte Problem. Mit einigem Abstand folgen die Themen Preis- und Kaufkraftentwicklung sowie die wirtschaftliche Stabilität. Bei der Sorge um die Konjunktur entspannt sich die Lage, das Thema liegt aber immer noch auf Rang 3 in Europa. Insgesamt  machen sich die Deutschen in Europa die meisten Sorgen. Zwar sind die Bürger in Deutschland aktuell etwas weniger über die wirtschaftliche Situation beunruhigt, das Thema belegt aber  nach wie vor Platz 2.

Mit einem Anstieg um 9 Prozentpunkte zeigen sich 2010 zwei Drittel der Deutschen besorgt über die Situation auf dem Arbeitsmarkt. Tatsächlich hat im Zuge der Rezession auch die Arbeitslosigkeit zugenommen, der Anstieg fällt allerdings merklich geringer aus als zuvor befürchtet (von 7,3 Prozent in 2008 auf 7,5 Prozent im Januar 2010 laut OECD). Die wachsende Besorgnis kann an den unsicheren Zukunftsaussichten liegen, unter denen Prognosen schwer zu treffen sind. So erwarteten die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Frühjahrsgutachten 2009 noch einen Anstieg der Arbeitslosenzahl auf 5 Mio. bis Ende 2010. Im Frühsommer 2010 sind aber nur rund 3,6 Mio. Erwerbslose in Deutschland gemeldet und in ihren aktuellen Gutachten rechnen die Institute sogar mit sinkenden Arbeitslosenzahlen.

Die Sorge um die wirtschaftliche Entwicklung ist nach einem explosionsartigen Anstieg im letzten Jahr wieder um 10 Prozentpunkte zurückgegangen, belegt mit 26 Prozent aber immer noch Platz 2 des Deutschen Rankings.

Mit einem Minus von 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erlebte die deutsche Wirtschaft 2009 den stärksten Einbruch seit Bestehen der Bundesrepublik. Für 2010 wird mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung um circa 1,4 Prozent eine leichte konjunkturelle Erholung prognostiziert.

Nachdem die Besorgnis über die Entwicklung der Preise und der Kaufkraft im letzten Jahr von 37 Prozent auf 13 Prozent gesunken ist, sehen hier derzeit wieder 24 Prozent der Deutschen Handlungsbedarf. Die Inflationsrate lag 2009 im Jahresdurchschnitt bei nur 0,4 Prozent (OECD), seit Jahresbeginn 2010 sind jedoch wieder leicht steigende Teuerungsraten zu beobachten.

Mehr als verdoppelt hat sich die Sorge um das Gesundheitswesen. Mit 21 Prozent zeigten sich seit 1990 noch nie so viele Deutsche beunruhigt über die Versorgung im Krankheitsfall. Damit landet das Thema in diesem Jahr auf Platz 4 des Sorgenrankings. Tatsächlich rückt die Reformbedürftigkeit des deutschen Gesundheitssystems angesichts von Milliardendefiziten der gesetzlichen Krankenkassen, erstmals erhobener Zusatzbeiträge und der Diskussion um eine Kopfpauschale wieder stärker in den Fokus.

Mit einem Anstieg von 9 Prozent auf 19 Prozent hat auch das Thema Renten bzw. die  Altersversorgung stark an Brisanz gewonnen und liegt aktuell auf Platz 5. Während die Altersbezüge im Vorjahr noch um fast 2,5 Prozent gestiegen sind, müssen sich die Senioren in diesem Jahr mit einer Nullrunde begnügen.

Der Themenkomplex der sozialen Sicherung belegt Rang 6 der Sorgenliste. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Forderung nach mehr sozialer Gerechtigkeit um 4 Prozentpunkte auf 17 Prozent gestiegen, der bislang höchste Wert. Eine gerechtere Einkommensverteilung wird dabei besonders häufig angemahnt.

Auch das Thema Kriminalität beschäftigt die Deutschen wieder mehr. Nach einem Rückgang im Vorjahr ist der Wunsch nach verstärkter Verbrechensbekämpfung um 7 Prozentpunkte auf 15 Prozent gestiegen und belegt damit den 7. Platz. Sicherlich hängt die Besorgnis darüber stark von der Berichterstattung über Kriminalität in den Medien ab, die in diesem Jahr von Straftaten im Zusammenhang mit Jugendlichen sowohl als Opfer als auch als Täter geprägt war.

In beiden Teilen Deutschlands nimmt die Arbeitslosigkeit als größtes Problem eine zentrale Stellung ein. Dabei ist die Besorgnis in den neuen Bundesländern mit 73 Prozent größer als in den alten mit 64 Prozent. Die Bürger im Osten zeigen sich seit der Wiedervereinigung stets beunruhigter über die Arbeitsmarktsituation als die Bürger im Westen. Der Anstieg der Besorgnis fällt aber in beiden Landesteilen nahezu gleich stark aus. Ränge 2 und 3 sind in West und Ost vertauscht: Auf dem zweiten Rang liegt im Osten die Sorge um die Preise und die Kaufkraft mit 31 Prozent, im Westen belegt dieses Thema nur Rang 3 mit 22 Prozent. In den alten Bundesländern liegt die wirtschaftliche Entwicklung auf Rang 2 mit 27 Prozent, in den neuen Ländern kommt dieses Thema mit 22 Prozent nur auf den dritten Platz.

Neuer und alter Spitzenreiter auf der europäischen Agenda ist die Sorge um die Arbeitslosigkeit. In diesem Jahr zeigen sich 43 Prozent der Europäer beunruhigt, das sind noch einmal 4 Prozentpunkte mehr als 2009. Damals war die Besorgnis nach dem historischen Tiefstand von 2008 bereits um 15 Prozentpunkte gestiegen. Als besonders gravierend wird das Problem in Spanien wahrgenommen, hier machen sich drei Viertel der Bürger Gedanken über die Situation auf dem Arbeitsmarkt, das bedeutet einen Anstieg um 7 Prozentpunkte im Vergleich zu 2009.

Die globale Wirtschaftskrise hat Spanien sehr stark getroffen und die Auswirkungen sind besonders auf dem Arbeitsmarkt spürbar. In Deutschland sind zwei Drittel über einen Mangel an Arbeitsplätzen besorgt, in Frankreich gut die Hälfte. In Österreich und Polen bewerten, ebenso wie im europäischen Durchschnitt, 43 Prozent die Arbeitsmarktlage als verbesserungswürdig und in Schweden und Belgien sagt dies jeweils gut ein Drittel der Bürger. Großbritannien und die Niederlande bilden dabei die Schlusslichter mit 16 Prozent bzw. 8 Prozent.

Trotz eines leichten Rückgangs von 22 Prozent auf 18 Prozent hat sich die Sorge um die Entwicklung von Preisen und Kaufkraft auf Platz 2 geschoben, nach Platz 3 im Vorjahr. In Russland wird der Themenkomplex Inflation mit 33 Prozent als besonders dramatisch eingestuft. Hier liegt die Inflation im europäischen Vergleich sehr hoch, auch wenn die Teuerungsrate mit 11,7 Prozent in 2009 im Vergleich zu 2008 (14,1 Prozent) zurückgegangen ist. In Frankreich und Deutschland ist etwa ein Viertel über die schwindende Kaufkraft beunruhigt und in Polen sehen 16 Prozent der Bürger Handlungsbedarf. Mit 2 Prozent besorgten Bürgern in Spanien und Schweden und 3 Prozent in Großbritannien und den Niederlanden nimmt dieses Thema derzeit dagegen wenig Raum in den Köpfen der Bürger ein.

Eine entschärfte Situation zeigt sich bei der Sorge um die wirtschaftliche Entwicklung, die nach Platz 2 im Vorjahr jetzt Platz 3 belegt. Nachdem die Besorgnis im letzten Jahr von 5 Prozent auf 29 Prozent sprunghaft angestiegen war,  sind aktuell nur noch 16 Prozent der Europäer beunruhigt über die Konjunktur. In Spanien mit 31 Prozent und in Deutschland mit 26 Prozent machen sich immer im Vergleich überdurchschnittlich viele Bürger Gedanken über die wirtschaftliche Zukunft.

Weiterhin auf Platz 4 liegt das Thema Kriminalität. Stabil bleibt auch der Anteil der Besorgten, der lediglich um 1 Prozentpunkt auf 12 Prozent zunimmt. Vor allem Niederländer und Italiener fordern mit 24 Prozent bzw. 22 Prozent eine stärkere Bekämpfung der Kriminalität. In Großbritannien (19 Prozent), Belgien (18 Prozent), Frankreich (16 Prozent) und Deutschland (15 Prozent) spielt dieses Thema ebenfalls eine größere Rolle.

Wieder an Brisanz gewonnen hat die Sorge um das Gesundheitswesen. Mit einem Plus von 4 Prozentpunkten ist diese Aufgabe im Ranking zwei Plätze nach vorne gerückt auf aktuell Platz 5 mit 11 Prozent. Vor allem die Polen sind unzufrieden mit der Versorgung im Krankheitsfall (26 Prozent), aber auch die Deutschen mit 21 Prozent sehen hier einen Verbesserungsbedarf. Nahezu keine Sorgen machen sich hingegen Belgier und Spanier (3 Prozent bzw. 1 Prozent).

Einen Platz eingebüßt hat die Sorge um die Renten und die Altersversorgung, die in diesem Jahr mit 9 Prozent Rang 6 belegt (+ 1 Prozentpunkt). Besonders in Deutschland und Österreich wünschen sich die Bürger eine Verbesserung der Rentensituation, hier sind 19 Prozent bzw. 16 Prozent besorgt. Doch auch für 13 Prozent der Franzosen stellt die Alterssicherung ein bedeutendes Thema dar.

Unverändert entfallen 8 Prozent auf den Themenkomplex Wohnungen und Mieten, das bedeutet allerdings Rang 8 in diesem Jahr nach Platz 6 in 2009. Jeder fünfte Russe und gut jeder zehnte Franzose ist über einen Mangel an adäquatem Wohnraum besorgt. Gar kein Problem scheint die Wohnsituation dagegen gegenwärtig in Schweden darzustellen.

Mit 8 Prozent verbleibt der Themenkomplex um Zuwanderung und Integration auf Rang 9 (+ 1 Prozentpunkt). Österreich führt mit 28 Prozent bei dieser Angelegenheit das Ranking an, dicht gefolgt von Großbritannien mit 25 Prozent. Doch auch Belgier (18 Prozent) und Italiener (13 Prozent) sehen die derzeitige Situation als verbesserungswürdig an.

Das Schlusslicht der Top-Ten-Herausforderungen bildet, wie bereits im letzten Jahr, die Kritik an der Bildungspolitik, die bei 7 Prozent stagniert. Deutschen (14 Prozent) und Briten (11 Prozent) brennt die Forderung nach Verbesserungen im Bildungswesen dabei am meisten unter den Nägeln.

Diese Ergebnisse sind ein Auszug aus der GfK-Studie „Challenges of Europe 2010“ und basieren auf rund 13.200 Verbraucherinterviews, die im Auftrag des GfK Vereins im Februar und März 2010 in Deutschland, Frankreich, Österreich, Großbritannien, Italien, Belgien, den Niederlanden, Russland, Polen, Spanien und seit diesem Jahr erstmals in Schweden durchgeführt wurden. Grundlage der Untersuchung ist folgende offene Frage, die jedes Jahr unverändert gestellt wird: „Welches sind Ihrer Meinung nach die dringendsten Aufgaben, die heute in [jeweiliges Land] zu lösen sind?“ Die Befragten erhalten keinerlei beschränkende Vorgaben für ihre Antwortmöglichkeiten, Mehrfachnennungen sind möglich. Die Studie „Challenges of Europe 2011“ wird im Juni 2011 veröffentlicht.

Info: www.gfk-verein.org

 

 

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