Studie: Zahlungsmoral überraschend gut

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Studie: Zahlungsmoral überraschend gut

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Die Zahlungsmoral in diesem Frühjahr ist überraschend gut. In ihrer Trendumfrage melden 78 Prozent der Mitglieder des Bundesverbandes Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V. (BDIU), dass Rechnungen jetzt genauso gut oder sogar besser als noch im Herbst 2012 bezahlt werden. Gründe sind die niedrige Arbeitslosigkeit und die stabile Binnennachfrage. Der positive Trend erfährt aber einen Dämpfer. Wegen der Konjunktureintrübung werden die Unternehmensinsolvenzen 2013 voraussichtlich auf etwa 29.000 Fälle steigen (2012: 28.304). 41 Prozent der Inkassounternehmen erwarten, dass die Zahlungsmoral wieder nachlassen wird.

Hohe Zahlungsausfälle bei eigenen Kunden Grund, warum nicht bezahlt wird

„Das bedeutet: Ein besseres Forderungsmanagement gehört auf die Tagesordnung der Unternehmen“, so BDIU-Präsident Wolfgang Spitz. Bereits jetzt berichten 76 Prozent der Inkassounternehmen, dass hohe Zahlungsausfälle bei eigenen Kunden der Grund sind, warum Unternehmen Rechnungen nicht wie vereinbart begleichen. Viele Gläubiger vertrauen auf die Zusammenarbeit mit seriösen Inkassodienstleistern. Dieser Weg könnte sich bald als schwieriger erweisen. Grund ist das sogenannte „Gesetz gegen unseriöse Geschäftspraktiken“, über das der Bundestag derzeit berät. Es sieht unter anderem eine Inkassoregulierung vor. Spitz: „Wir begrüßen alle Maßnahmen, die zum Ziel haben, Verbraucher und Auftraggeber vor Abzockern zu schützen.“ Dies erreiche das Gesetz aber nicht. Im Gegenteil: Seriöse Inkassounternehmen müssten um ihre Existenz bangen. „Das gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft.“

Um schwarze Schafe zu bekämpfen, fordert der BDIU eine Zentralisierung der behördlichen Inkasso-Aufsicht, Berufspflichten für Inkassounternehmen und die Definition von verbindlichen Formulierungen für Inkassoschreiben. Verstöße sollten mit Sanktionen geahndet werden. 

Inkassogebühren: Branche will unabhängige Kommission

Bei den Gebühren regt der BDIU eine eindeutige Anknüpfung, auch bei den Nebenforderungen, an das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz an, das streitwertabhängige Vergütungen vorsieht. In strittigen Fragen solle eine unabhängige „Schiedskommission Inkassogebühren“ entscheiden. Die BDIU-Mitglieder würden sich deren Schiedsspruch unterwerfen. Spitz: „Auswüchse bei Inkassogebühren lassen sich so wirkungsvoll unterbinden. Das schützt Verbraucher, bekämpft schwarze Schafe und stärkt gleichzeitig die seriöse Inkassowirtschaft.“

Überschuldung Hauptgrund für schlechte Zahlungsmoral

Hauptgrund, warum Verbraucher ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen, ist Überschuldung. 90 Prozent der Inkassounternehmen bestätigen das. Weitere Gründe: Arbeitslosigkeit (66 Pro­zent), vorsätzliches Nichtbezahlen (57 Prozent) und ein momentaner Liquiditätsengpass (50 Prozent). Wegen der hohen Überschuldung – jeder zehnte Erwachsene gilt als betroffen – wird es in diesem Jahr voraussichtlich wieder rund 100.000 Verbraucherinsolvenzen geben (2012: 97.635). Ein weiterer Grund ist die Reform des Verbraucherinsolvenzverfahrens. Unter bestimmten Voraussetzungen können Überschuldete künftig schon nach drei statt wie bisher sechs Jahren von ihren Schulden befreit werden. „Viele insolvenzreif Verschuldete warten derzeit mit einem Insolvenzantrag, um von einer schuldnerfreundlicheren Gesetzgebung zu profitieren“, so BDIU-Präsident Spitz. Spitz weiter: „Niedrige Hürden bei der Verbraucherinsolvenz werden bei manchem Verbraucher die Hemmschwelle senken, sich zu verschulden. Wir befürchten daher negative Folgen für die Zahlungsmoral.“

Junge Schuldner mit Konsumschulden

Auch immer mehr Jugendliche sind verschuldet. Gründe: zu hohe Konsumausgaben (83 Prozent der Inkassounternehmen bestätigen das), ein schlechtes Vorbild des Elternhauses (72 Prozent) und zu wenige Informationen zur Gelderziehung im Schulunterricht (ebenfalls 72 Prozent). Marion Kremer, Vizepräsidentin des BDIU: „Es ist auch Aufgabe unserer Bildungseinrichtungen, junge Menschen auf das Wirtschaftsleben und den verantwortungsvollen Umgang mit Geld vorzubereiten.“

Hier setzt das private „Projekt Schulschwein“ aus München an. Es stellt Unterrichtsmaterialien zur Verfügung, mit denen Grundschulkinder ab der ersten Klasse lernen, wie sie Geld sparen und eigenverantwortlich ausgeben können. Die „Schulschweine“ sind transparente Sparschweine mit vier Fächern, die bestimmten Bereichen zugeordnet sind: „Sparen“, „Ausgeben“, „Investieren“ und „Gute Tat“. Lehrer erfahren, wie sie die „Schulschweine“ direkt in den Unterricht der Fächer Deutsch, Mathematik, Sachunterricht sowie Religion beziehungsweise Ethik einbinden können. „Wir wollen damit ein neues Bewusstsein für Werte und einen verantwortungsvollen Konsum schaffen“, erläutert Stephanie Schmid vom „Projekt Schulschwein“ ihr Engagement. Die 37-jährige Rechtsanwältin betreut in ihrer Praxis seit vielen Jahren überschuldete Mandanten und weiß , dass die Basis für manche „Schuldner­kar­ri­e­re“ bereits in frühen Lebensabschnitten gelegt wird. Ko-Initiatorin Diana Bartl sagt: „Auch die Eltern werden mit eingebunden. Wir diskutieren mit ihnen über ganz praktische Dinge, zum Beispiel ob man mit Taschengeld bestrafen darf.“ Diana Bartl, selbst Mutter einer 10-jährigen Tochter, hält das für falsch. „Kinder sollten Taschengeld als eine regelmäßige Einnahmequelle kennenlernen. Wenn Eltern mit Taschengeld bestrafen, riskieren sie, dass Kinder ein gestörtes Verhältnis zum Thema Geld entwickeln.“

Der BDIU unterstützt das Projekt und empfiehlt Grundschulen, mit den angebotenen Materialien zu arbeiten. „Wir brauchen genau solche Initiativen, damit nicht immer mehr Menschen in Verschuldung geraten“, so BDIU-Vize Marion Kremer.

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