15.07.2022 – Kategorie: eCommerce

Supply Chain Strategie: Jetzt schon an Weihnachten denken

Weihnachten 2020Quelle: Laqueyrie Arnaud/shutterstock

Weihnachten liegt in Ketten, genauer gesagt in Lieferketten, die nicht funktionieren. Zusammen mit der Inflation, hohen Energiepreisen und Konsumentenzurückhaltung wird das Jahresendgeschäft zur echten Herausforderung für Händler. Wer bis dahin seine Supply Chain in den Griff bekommt, könnte als Gewinner dastehen. Wir geben Tipps, wie das gelingen kann.

Supply Chain Strategie: Zumindest an Katastrophen-Meldungen war in jüngster Zeit wenig Mangel: Erst die Pandemie, dann die Suez-Kanal-Blockade, später weitere signifikante Störungen der Lieferketten, extreme Veränderungen im Konsumenten-Einkaufsverhalten, der Shanghai-Lockdown, jetzt noch der Ukraine-Krieg und explodierende Energie- und Transportkosten ‒ der Handel fühlt sich zurecht gebeutelt und schaut bang Richtung Weihnachtsgeschäft.

Supply Chain Strategie: Darauf kommt es an

Die Frage ist: Wie bekommt man die Lieferketten in den Griff und schafft es, genügend Ware für die Hochsaison vorrätig zu haben? Der Reflex vieler Unternehmen, die Fertigung aus Fernost zurückzuholen und wieder mehr vor Ort zu produzieren, ist verständlich, aber in den meisten Industrien zu kurz gegriffen. Eine Verlagerung braucht viel Zeit (hilft also nicht akut), verschlingt hohe Investitionskosten, macht die Produktion aufgrund des Lohnniveaus deutlich teurer und hilft nicht, wenn auch die Rohstoffe (die aufgrund der Lieferproblematik weltweit knapp sind) erst importiert werden müssen.

Das Gleiche gilt für den Aufbau von Lagerkapazitäten. Die Lager müssen erst gebaut und finanziert oder angemietet werden. Auch der zusätzliche Warenbestand erfordert eine Zwischenfinanzierung. Bei kurzlebigen Waren wie Lebensmitteln und saisonalen Fashion-Produkten machen Lager noch weniger Sinn.

Schritte, um die Lieferketten resilienter zu machen

Wer nicht von Lieferengpässen überrascht werden will, braucht vor allem eins: maximale Transparenz über die gesamte Lieferkette, Daten der aktuellen Bestände, valide und realistische Prognose-Informationen für die zu erwartende Nachfrage ‒ am besten auf einer integrierten Plattform, die diese Informationen in Echtzeit liefern kann. In diesem „Supply-Chain-Tower“ können Händler zentral alle Lieferströme steuern und schnell auf Veränderungen reagieren.

Für viele Handelsunternehmen stellt dies eine Neuausrichtung dar, weil sie bisher oftmals den Dienstleistern und Lagerverwaltern das Management und die Disposition der Transporte überlassen haben. Steht die allumfassende, transparente Lieferketten-Management-Plattform, kann sie als digitaler Zwilling eingesetzt werden, um Szenarien durchzuspielen und optimale Lösungen für knifflige Lieferanforderungen zu finden.

Zentrale Business-Plattform als Lieferanten-Marktplatz

Ein weiterer wichtiger Punkt: Wer beim Lieferketten-Management schnell auf neue Logistik-Dienstleister ausweichen können möchte, sollte sich einer zentralen Business-Plattform anschließen. Diese Plattformen funktionieren teilweise wie ein Spot-Markt, bei dem Händler spontan einen neuen Dienstleister vertraglich verpflichten können.

Natürlich hilft es auch, die eigenen Transportkapazitäten zu optimieren. Die Verfügbarkeiten von LKWs und LKW-Fahrern sind knapp ‒ schon heute werden jede Woche Fahrer aus Osteuropa eingeflogen, um den hohen Bedarf decken zu können. Die Flugkosten, der erhöhte Mindestlohn und hohe Benzinpreise setzen den Handel enorm unter Druck. Eine kostenoptimierte Transportplanung und intelligentes Teilen von Transportkapazitäten auf der Straße sind deshalb ein wesentlicher Hebel, um die Kosten zu senken und die Transportkapazität zu steigern. Immerhin fährt heutzutage immer noch jeder vierte LKW leer durch Deutschland.

Supply Chain Strategie: Neue Geschäftsmodelle etablieren

Handelsunternehmen sollten sich auch überlegen, wie sie ihre Reaktionszeiten auf Lieferketten-Verzögerungen verkürzen können. Dazu gehört auch, Frachtvereinbarungen nicht mehr für 2 bis 3 Wochen abzuschließen, sondern auf Tagesbasis. In vielen Unternehmen fehlen dafür aber die IT-Werkzeuge und entsprechende Workflows, um das umzusetzen. Hier helfen Process-Mining-Projekte mit der Unterstützung eines erfahrenen Beraters wie KPS, um alle Optimierungspotenziale rasch und zuverlässig finden und bewerten zu können.

In Bezug auf die richtige Supply Chain Strategie müssen Handelsunternehmen auch Prozesse etablieren, um schneller auf Ersatzprodukte schwenken zu können. Wer hier klare Prozesse definiert, muss nicht in jedem Einzelfall entscheiden, wann er entsprechende Vorgänge anstößt. Das gleiche gilt für eine mehrgleisige Sourcing-Strategie, die zum Standard-Repertoire gehören muss.

Sollten Produkte häufiger online nicht verfügbar sein, ist es außerdem wichtig, stets alternative Produktvorschläge präsentiert zu bekommen. Welche Produkte hierbei vorgeschlagen werden, sollten Händler an aktuellen Bestandsinformationen und Verfügbarkeiten in der Supply Chain ausrichten.

Mit Künstlicher Intelligenz die Komplexität beherrschen

Supply-Chain-Netzwerke sind häufig sehr komplexe Gebilde: Ein PC oder ein Auto besteht aus hunderten oder tausenden Einzelteilen; hinter jedem Teil steckt mindestens eine Lieferkette. Auch Marktveränderungen sind von hunderten Faktoren abhängig und entwickeln sich oft schleichend. Ohne IT wären die heutige Supply-Chain-Netzwerke nicht mehr steuerbar und beherrschbar. Aber um schnell die richtigen Entscheidungen zu treffen, sind innovative Technologien wie Künstliche Intelligenz in Form von Machine Learning unabdingbar. Diese kann auf einer End-to-End-Supply-Chain autonom agieren und viel schneller reagieren und disponieren als Menschen ‒ gerade weil eine KI keine Probleme damit hat, tausend Faktoren zu berücksichtigen, keinen zu übersehen und trotzdem die optimale Gesamtlösung zu finden.

Was Handelsunternehmen jetzt tun sollten

Den einen Kniff und Schalter gibt es nicht, damit das Weihnachtsgeschäft so problemlos läuft wie vor der Pandemie. Gerade deswegen haben Unternehmen keine Zeit zu verlieren, ihre Logistik zu optimieren und die Supply Chain Strategie neu aufzustellen. Die wichtigsten Projekte dazu sind:

  • End-to-End-Transparenz über die gesamte Lieferkette herstellen. Wer keinen absoluten Durchblick über seine Warenströme hat, wird zum Spielball der Marktkräfte.
  • Das eigene Liefernetzwerk regelmäßig analysieren, Standorte und Umschlagplätze sowie Lager neu bewerten. Freie Transportkapazitäten finden und auslasten.
  • Einen digitalen Zwilling etablieren, um Optimierungen zu vereinfachen und schnell Szenarien in kritischen Situationen durchspielen zu können.
  • Digitale Plattformen nutzen, um neue Geschäftsbeziehungen schneller aufbauen, Bedingungen kurzfristig anpassen und Vereinbarungen schneller abschließen zu können. 

Das alles klingt nach viel Arbeit und strukturellen Veränderungen, die sich aber nicht vermeiden lassen, um in Zukunft bestehen zu können. Wir bei KPS begleiten tagtäglich viele Unternehmen, die Supply Chains zu optimieren und mit neuer Technologie wieder steuerbar zu machen. Der Lohn der Arbeit ist: Das eigene Unternehmen wird agiler und kann Markttrends schneller erkennen und darauf sofort reagieren. Dann macht das Geschäft wieder richtig Spaß.

Supply Chain Strategie
Bild: KPS AG

Über den Autor:

Tobias Götz ist Managing Partner bei KPS und Experte für Supply-Chain-Themen. Neben diversen Publikationen rund ums Supply Chain Management und aktueller Technologien ist er Dozent für Logistik und Transport an der DHBW Mannheim. Zu seinen Schwerpunkten gehören internationale IT-Transformationen und die Begleitung von Kunden von der ersten Idee über die Umsetzung bis zur Nachbetreuung.


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