Trotz Krise 4,6 Milliarden Paketsendungen in Europa

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Der europäische Markt für Kurier-, Express- und Paketdienste (KEP) hat im letzten Jahr einen Umsatzrückgang von neun Prozent und einen Rückgang der Sendungsmengen von zwei Prozent hinnehmen müssen.

Expressdienste und das internationale Geschäft haben dabei am stärksten verloren. In den einzelnen europäischen Ländern gab es dabei große Unterschiede: In Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz fiel der Rückgang geringer aus als in Spanien und Italien. Der polnische KEP-Markt hat als einziges Land bei Express und Standard zugelegt.

Dies geht aus einer aktuellen Studie der Top-Managementberatung A.T. Kearney zur Entwicklungen im europäischen KEP-Markt hervor. Demnach wird das Vorkrisenniveau von 2008 spätestens 2012 wieder erreicht sein. Neben der Verlagerung von Express und LTL zu Standardservices werden zudem eine stärkere Segmentierung der B2C-Märkte, Veränderungen des Produktangebotes sowie horizontale Kooperationen zukünftig den KEP-Markt prägen. Insgesamt zählen Deutschland und Großbritannien zu den attraktivsten KEP-Märkten. Dies zeigt der A.T. Kearney KEP-Marktattraktivitätsindex, der im Rahmen der Studie erstellt wurde und Variablen wie Marktgröße, -komplexität und Wachstumspotenzial berücksichtigt.

„Das Jahr 2009 war für die KEP-Branche in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich“, sagt Ferdinand Salehi, Partner bei A.T. Kearney und Leiter des Beratungsbereichs Transportation: „Während der Markt für Kurier-, Express- und Paketdienste von der Wirtschaftskrise zunächst kaum etwas gespürt hat, musste die einstige Wachstumsbranche 2009 einen umso härteren Schlag einstecken: Noch nie zuvor hat die europäische KEP-Industrie einen solchen Einbruch bei Absatz und Umsatz erlebt. Jetzt stehen die Zeichen jedoch wieder auf Erholung.“

Wurden in den untersuchten Ländern Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Niederlande, Polen, Portugal, Schweden, Schweiz und Spanien im Jahr 2008 insgesamt etwa 4,64 Milliarden Sendungen befördert, sank diese Zahl 2009 um 2 Prozent auf rund 4,56 Milliarden. In den Jahren 2005 bis 2008 war hier noch ein jährliches Wachstum von drei Prozent zu verzeichnen. Der Wert der beförderten Sendungen ging 42,5 Milliarden Euro um neun Prozent auf 38,8 Milliarden Euro zurück. In den Jahren zuvor stieg dieser noch um jährlich fünf Prozent.

„Anders als in den Vorjahren fiel der Rückgang im nationalen Geschäft weniger stark aus als im internationalen“, so Salehi: „Ein Grund für die relative Stärke des nationalen Segments ist die weiterhin wachsende Bedeutung des E-Commerce und der Zuwachs bei Internetbestellungen durch Privatkunden.“

Dennoch mussten die nationalen Märkte, die mehr als 90 Prozent der Volumina ausmachen, einen Wachstumsrückgang von zwei Prozent hinnehmen. In den Jahren 2005 bis 2008 wuchs das nationale Geschäft noch jährlich um drei Prozent. Aber auch die Umsätze sind im nationalen Segment, die mit 70 Prozent den Löwenanteil des KEP-Marktes ausmachen, um sieben Prozent zurückgegangen – nach einem durchschnittlichen Wachstum von drei Prozent in den letzten Jahren.

Insgesamt war das internationale Geschäft am stärksten von den wirtschaftlichen Turbulenzen betroffen. Nach einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von fünf Prozent in den Jahren 2005 bis 2008, musste der Expressmarkt einen Rückgang der Sendungsmengen um acht Prozent von 131 Millionen 2008 auf 120 Millionen Sendungen im Jahr 2009 hinnehmen. Der Umsatz ging in diesem Zeitraum sogar um 16 Prozent zurück. Auch das internationale Standardsegment sah sich mit einem negativen Wachstum von zwei Prozent im Volumen und neun Prozent im Umsatz konfrontiert, konnte jedoch sowohl aufgrund von Volumengewinnen aus dem Expressbereich als auch dem LTL-Segment den Einbruch zumindest teilweise ausgleichen.

„Waren in der Vergangenheit insbesondere innereuropäische Volumina von der Abwanderung von Express zu Standard betroffen waren, lässt sich dieser Trend nun auch bei interkontinentalen Sendungen beobachten“, so Lars Ryssel, Manager und KEP-Experte bei A.T. Kearney.

Die Studie zeigt zudem, dass verglichen mit den letzten Jahren fast alle untersuchten europäischen KEP-Märkte geschrumpft sind. Polen, die am schnellsten wachsende europäische Wirtschaft, ist das einzige Land, das bei den KEP-Dienstleistungen ein Umsatzwachstum (vier Prozent) verzeichnen konnte. In Deutschland (minus vier Prozent), den Niederlanden (minus sieben Prozent) und der Schweiz (minus vier Prozent) fiel der Rückgang geringer aus als in anderen Ländern. Dies ist vor allem auch auf den hohen Anteil der E-Commerce-Bestellungen und entsprechenden  nationalen B2C-Services zurückzuführen. Zudem ist in diesen Ländern ein vergleichsweise niedriger Anteil von schwergewichtigen Palettensendungen auszumachen, die überproportional vom negativen Wachstum betroffen waren.

Märkte mit einem traditionell hohen Palettenaufkommen und einer geringen Affinität zu B2C wie Italien und Spanien mussten der Studie zufolge einen vergleichsweise starken Umsatzrückgang von 12 bzw. 14 Prozent hinnehmen. Vergleicht man die nationalen Märkte nach Transitzeiten (Standard versus Express), variiert das Verhältnis von Standard-Services in ganz Europa signifikant.

Hinsichtlich der Attraktivität der einzelnen Märkte lassen sich einige Unterschiede ausmachen. Der A.T. Kearney Index zur Marktattraktivität zeigt die besten Bedingungen für die KEP-Märkte in Deutschland und Großbritannien. Der Index berücksichtigt Variablen wie Marktgröße, -komplexität und Wachstumspotenzial.

Aufgrund der gesunkenen Auslastung auf europäischer Ebene hat sich der KEP-Markt außerdem weiter konsolidiert. Die sechs führenden europäischen Netzwerke mit zum Teil sehr unterschiedlicher Positionierung konnten ihren Marktanteil von 52,5 Prozent im Jahr 2008 auf 53,4 Prozent im Jahr 2009 steigern.

Im Gegensatz zum stärker fragmentierten Standardsegment weist das internationale Expressgeschäft in Europa einen hohen Sättigungs- und Konsolidierungsgrad auf. Die führenden sechs europäischen Marktteilnehmer machen fast 90 Prozent des Marktes aus – von 81 Prozent in Spanien bis hin zu 98 Prozent in Belgien und der Schweiz.

„Eine weitere Marktkonsolidierung ist aus unserer Sicht jedoch eher unwahrscheinlich, da eine Übernahme lokaler Nischenanbieter den Marktführern geringe Synergien verspricht. Einzige Ausnahme könnte ein ‚Big-Bang‘-Merger der Integratoren sein“, so Ryssel.

Haupttrends im KEP-Markt

„Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass sich der nationale Markt schneller erholen wird als das internationale Segment“, so Ryssel: „Insgesamt wird das Niveau von 2008 allerdings spätestens wieder im zweiten Halbjahr 2012 erreicht sein.“

Außerdem wird sich vor allem der innereuropäische Expressmarkt von einem Anbieter mit der kürzesten Transitzeit zu einem Anbieter von werthaltigen Dienstleistungen und Just-in-time-Diensten entwickeln. Einige Kunden haben bereits ihre Produktionskette an den Bedarf von Standardservices angepasst. Allerdings wird die Nachhaltigkeit dieser Entwicklung in der Industrie weiter diskutiert. Es ist nicht zu erwarten, dass Sendungsaufträge, deren Auslieferung von frühmorgens zu abends geändert wurde, wieder zurückzugewinnen sind.

Während die Sendungsgewichte im internationalen Expresssegment so gut wie konstant blieben, sind die Gewichte im internationalen Standardsegment vielerorts um 5 bis 10 Prozent zurückgegangen. Jedoch sind keine strukturellen Veränderungen in der Branche zu beobachten. Vor allem die Entwicklung im ersten Halbjahr 2010 belegt eine Erhöhung der Sendungsgewichte.

Dienstleister müssen über einen möglichst breiten geografischen Fokus verfügen und/oder ein weites Produktportfolio bieten. Europäische Partnerschaften zwischen lokal fokussierten Wettbewerbern werden wahrscheinlicher. Linienverkehr und die letzte Meile zum Kunden sind die Haupthebel für potenzielle Synergien.

„Ein weiterer wesentlicher Trend ist die stärkere Segmentierung der B2C-Märkte“, so Dr. Martin Fabel, Partner bei A.T. Kearney: „Bestellungen betreffen längst nicht mehr nur Bücher, CDs und Kleidung. Kunden vergleichen immer häufiger Preise und bestellen hochqualitative Güter wie Kameras oder Hausgeräte im Internet – hier sind eine hohe Sendungsqualität sowie eine schnelle Auslieferung gefragt. Im Gegensatz dazu wechseln bei Internetauktionen sehr geringwertige Güter den Besitzer, so dass die Versandkosten so niedrig wie möglich sein müssen. Diese Situation treibt die Differenzierung der Nachfrage.“

Die europäischen KEP-Anbieter stehen vor großen Herausforderungen. Seit Jahren befindet sich die Industrie bereits in einem extrem dynamischen Umfeld, das durch aggressiven Wettbewerb und Allianzen gekennzeichnet ist. „Für KEP-Anbieter gilt es daher, weiter auf die Qualität der Services und innovative B2C-Lösungen zu setzen. Drop Point-Lösungen oder Lieferungen an den Arbeitsplatz können dieses Segment auch für eher B2B-fokussierte Anbieter interessant machen. Zudem ermöglichen gute B2C-Lösungen automatisch den Zugang zum profitablen C2C-Markt“, stellt Fabel abschließend fest.

Im Mittelpunkt der Studie stand die Veränderung der Branche durch die wirtschaftlichen Entwicklungen seit Mitte 2008 und die Untersuchung der netzwerkfähigen Standard- und Expresssendungen in 11 europäischen Ländern (Belgien, Schweiz, Deutschland, Spanien, Frankreich, Italien, Niederlande, Polen, Portugal, Schweden, Großbritannien). Der Fokus lag dabei auf nationalen und internationalen Sendungen bis etwa 2500 kg. Für die Studie wurden mehr als 400 Interviews mit KEP-Dienstleistern, Kunden und Marktexperten durchgeführt.

Info: www.atkearney.de

 

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