Verpackungstechnologie: Hightech und Bio bestimmen den Trend

Marc Rapp, Geschäftsführer, und Daniel Koch, Verkaufsleiter bei Flöter Verpackungs-Service, sprechen im Interview über „beliebte“ Fehler im Versandhandel, wachsende Verpackungsanforderungen und neue Maschinenlösungen für Industrie 4.0.

Marc Rapp und Daniel Koch, Flöter Verpackungs-Service

Marc Rapp, Geschäftsführer, und Daniel Koch, Verkaufsleiter bei Flöter Verpackungs-Service. Bild: Flöter Verpackungs-Service

Wie haben sich Ihre Geschäftsprozesse durch den wachsenden E-Commerce-Anteil verändert? 

Marc Rapp│Klar ist: Der Trend führt weg von den großen zentralen Verpackungsmaschinen hin zu kleinen Maschinen, die direkt am Packplatz eingesetzt werden und dort die Packstoffe zur Verfügung stellen. In der Regel sind diese Prozesse perfekt in den Packplatz integriert. Dadurch werden allen Anforderungen  in puncto Ergonomie und flexiblem Handling Rechnung getragen. Ganz deutlich spiegelt sich diese Entwicklung in den Zuwachsraten für unsere kleinen Luftpolstersysteme wider: Sie legen Jahr für Jahr im zweistelligen Bereich zu, während bei den Großsystemen eine Stagnation zu verzeichnen ist – wenn auch auf hohem Niveau. Verstärkt wird der Trend dadurch, dass wir immer dünnere und leistungsfähigere Folien ent­wickeln. So sind wir bei den Luftpolstern heute bereits in der Lage, mit weniger als 30 µ Folie (Anmerkung der Redaktion: 1 µ beziehungsweise 1 my = 0,001 mm) eine Tonne Gewicht zu tragen.

 

Wie variabel müssen Maschinen und Materialien sein, um unterschiedliche Produkte zu verpacken?

Daniel Koch│Bei den Luftpolstern unterscheiden wir in Polster zum Füllen der Kartonagen und in Polster, die zum Einwickeln oder als Zwischenlage genutzt werden. So wird zum Beispiel eine Vase zunächst in unsere breiten Matten eingewickelt und dann durch auffüllende Luftpolster im Karton fixiert. Viele verschiedene Produkte erfordern auch viele verschiedene Luftpolsterformate, die teilweise exakt auf das jeweilige Produkt zugeschnitten sind. Mit über 70 verfügbaren Folien und Formen ist die AirWave1 hierfür die ideale Lösung. In Kombination mit einer Integrationslösung können an einem Packplatz auch unterschiedliche Formate vorgehalten werden. Sollten die Formate einmal nicht ausreichen, können wir für den Kunden auch individuelle Folienformate oder Qualitäten herstellen.

 

Welche Verpackungsherausforderungen bestehen bei verderblichen Waren, und wie erfüllen Sie diese Anforderungen?

Daniel Koch│Im Online-Bereich ist der Versand von Lebensmitteln noch nicht besonders weit verbreitet, dafür aber stark im Kommen. Mag es auch noch länger dauern, aufzuhalten ist dieser Trend so wenig wie das Elektroauto. Stichwort Produktsicherheit: Alle unsere in den Folien verwendeten Stoffe sind in der dafür zuständigen EU-Verordnung 10/2011 Anhang I gelistet und dürfen mit Lebensmitteln in Berührung kommen. Darüber hinaus bieten wir eine 100 Prozent biologisch abbaubare Folie. Polstermatten mit antimikrobiellen Eigenschaften entwickeln wir gerade: Sie werden in der Lage sein, die Haltbarkeit von Lebensmitteln aktiv zu verlängern.

Was steht auf der Wunschliste der Versandhändler ganz oben?

Daniel Koch│Das vorrangige Ziel im Versandhandel ist, dass die Ware unbeschädigt zum Konsumenten gelangt. Beschädigte Ware verursacht Mehrarbeit und Ärger – und das möchte keiner. An zweiter Stelle rangiert das Anliegen, Systeme zu nutzen, die jedermann bedienen kann und die flexibel genug sind, um das Produktportfolio des Händlers möglichst komplett abzudecken. Weitere Punkte sind der geringstmögliche Platzbedarf am Packplatz sowie für die Lagerung der erforderlichen Verbrauchsmittel. Alle diese Aspekte bildet das Luftpolstersystem AirWave 1 in Verbindung mit einer Integrationslösung ab.

Welche Anforderungen auf Konsumentenseite beeinflussen die Verpackungstechnik?

Daniel Koch│In Zeiten von Bewertungsportalen kommt dem Verbraucher eine sehr große Bedeutung zu. So fangen sich Versandhändler, die mit Styropor-Chips arbeiten oder ihre Pakete mit Altpapier „polstern“, immer häufiger schlechte Bewertungen ein. Schließlich hat der Konsument ja ein Produkt bestellt und nicht Packstoffe, die vor allem dazu beitragen, seine Mülltonne überquellen zu lassen. Ganz zu schweigen von Styropor-Chips, die auch niemand zusammenfegen will. Luftpolster bestehen zu 1 Prozent aus Material und zu 99 Prozent aus Luft. Entweicht die Luft aus den Kissen, bleibt also gerade mal eine Handvoll Folie übrig, die leicht zu entsorgen ist. Die meisten Kunden betrachten die Verpackung inzwischen als Teil des Produkts. Versandhändler, die das beachten, können ihre Wiederkaufrate deutlich verbessern.

Umweltfreundlichkeit, Nachhaltigkeit und  Recycling sind für Sie also von elementarer Bedeutung?

Marc Rapp│Durch den Einsatz von Luftpolstersystemen leistet der Kunde schon jetzt einen guten Dienst an der Umwelt. So werden beispielsweise für einen Kubikmeter Füllstoff 12 Kilogramm Papier, aber nur 400 Gramm Folie benötigt. Durch die Wahl moderner Packstoffe lässt sich der CO2-Anteil bereits um 60 Prozent senken. Unsere Folien sind zu 100 Prozent recyclingfähig – und nicht nur das. Auf Basis von Kartoffelstärke haben wir eine zu 100 Prozent biologisch abbaubare Folie entwickelt. Diese Folie zerfällt nicht etwa in Nanopartikel, sondern wird rückstandsfrei in den Bio-Kreislauf zurückgeführt.

Verpackungsmaterial

 

Das neue Verpackungsgesetz (VerpackG), das am 1. Januar 2019 in Kraft tritt, wird die derzeit geltende Verpackungsverordnung ablösen. Wie sind Sie darauf vorbereitet? 

Marc Rapp│Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der permanenten Weiterentwicklung unserer Folien. Ein Beispiel: Früher war eine 62µ-Folie Standard. Die Belastungswerte, die sich mit dieser Folie erzielen ließen, bekommen wir heute locker mit einer 45µ-Folie hin und bei den Kleinmaschinen sind wir mittlerweile sogar bei 12µ Folienstärke angelangt. Das bedeutet: Der Materialeinsatz wird von uns permanent reduziert. Das schont die Ressourcen und wird damit auch dem neuen Verpackungsgesetz in vollem Maße gerecht.

Das Verpackungsgesetz 2019 setzt anspruchsvolle Ziele an die Sammel- und Recyclingquoten. Was wir in dieser Novelle allerdings vermissen, ist, dass die Anstrengungen zur Verminderung im Herstellprozess nicht mehr die gleiche Würdigung erfahren wie in der Verpackungsverordnung (VerpackV). Dabei ist eines doch ganz klar: Die geforderten 90 Prozent Recyclingquote werden nur dann erreichbar sein, wenn der Konsument auch weiß, in welche Tonne er die Verpackung entsorgen muss. Aus diesem Grund drucken wir auf jedes Polster das Sortierhilfesymbol DIN 6120. Schließlich ist Polyethylen für die Mehrfachverarbeitung ein äußerst begehrter Rohstoff.  

Welchen Einfluss nimmt die Digitalisierung auf die Verpackungstechnik?

Daniel Koch│Einen immer größeren. Unsere aktuelle Maschinengeneration AirWave 1 lässt sich bereits über eine Schnittstelle und eine App steuern. Die nächste Generation, unsere AirWave 2 (2018), wird mit einer WLAN-Schnittstelle ausgestattet sein, damit diese in die Systeme beim Kunden eingebunden werden kann. Im Sinne von Industrie 4.0 können Maschine, Wägeeinrichtung, Mess-Sensoren und Förderanlagen dann miteinander kommunizieren, ohne dass es zu Unterbrechungen im Produktionsprozess kommt. Schon heute lässt sich die Maschine per App steuern. In Zukunft wird der Service über das Netz stattfinden und Updates werden sich online aufspielen lassen. In letzter Konsequenz bestellt dann die Maschine selbst die Folie nach, sobald sie einen kritischen Lagerwert erkennt. 

Wie automatisiert gestaltet sich heutzutage der Verpackungsprozess und welche Aufgaben erfüllt der Mensch dabei?

Daniel Koch│Der Grad der Automation in der Verpackung nimmt stetig zu. Ob Etikettendrucker, Rollbahnsteuerung, Sortieranlage oder Umreifungsanlage – alles läuft bei größeren Firmen automatisch ab. Das Verpacken an sich – das Einlegen der Füllstoffe und das Verschließen der Kartonage – ist dagegen nach wie vor oft Handarbeit; doch auch hier zeigen sich Ansätze einer Vollautomatisierung.

Die Verpackungsindustrie muss immer mehr global agierenden Kunden gerecht zu werden. Wie sind Sie hier aufgestellt?

Marc Rapp│Einige unserer Kunden fordern ein globales Service-Netz. Wir unterhalten eigene Produktionen und Läger in den USA, in Europa und Asien. Dabei halten wir nicht überall alle Produkte vor, bieten dem Kunden aber stets den Partner vor Ort, der bei Fragen und Erweiterungen schnelle Hilfe leistet. Aus gutem Grund setzen wir auf ein Netzwerk globaler Partner. Zum einen, um in der jeweiligen Landessprache präsent zu sein. Zum anderen aber auch, um die ei­genen Investitionen, die wir ja auf die Preise umlegen müssen, geringer zu halten. Dieses Partner-Netzwerk ist derzeit in 32 Ländern etabliert. Ganz gezielt arbeiten wir mit mittelständischen Firmen zusammen, die meist  inhabergeführt sind und den lokalen Markt sehr aktiv bearbeiten. Ebenfalls wichtig für uns: Die Preis-Service- und Kommunikationsstrukturen müssen global vergleichbar sein. ║

 

Die Flöter Verpackungs-Service GmbH wurde 1978 in Stuttgart gegründet und zählt inzwischen zu den führenden Unternehmen im Bereich der Industrieverpackung in Deutschland. Das Produktprogramm umfasst Transportschutz in zahlreichen Varianten, angefangen bei Lufpolstermaschinen über integrierte Packplatzsysteme bis hin zu vollautomatischen Stretchwicklern. www.floeter.com

0
RSS Feed

Hat Ihnen der Artikel gefallen?
Abonnieren Sie doch unseren Newsletter und verpassen Sie keinen Artikel mehr.

Mit einem * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder!

Neuen Kommentar schreiben

Entdecken Sie die Printmagazine des WIN-Verlags