04.10.2022 – Kategorie: eCommerce

Virtual und Augmented Reality: Der Weg ins Metaverse

Virtual und Augmented RealityQuelle: KirichaiE – stock.adobe.com

Das Internet wird sich ins Metaversum verlagern – so die Vision von Meta.

Virtual und Augmented Reality: Im Gespräch erklärt Kai Herzberger, Group Director Commerce bei Meta, was uns im Metaversum erwartet und welche Rolle E-Commerce dabei spielen wird.

Die Vision von Meta

Über das Metaverse wird viel diskutiert, aber noch keiner weiß so richtig, was uns genau erwartet. Wie sieht die Vision von Meta dazu aus?

Kai Herzberger: Im letzten Jahrzehnt fand eine Verlagerung vom Desktop-Web zum mobilen Internet statt, und im nächsten Jahrzehnt wird es um die Verlagerung ins Metaversum gehen. Unsere Vision ist es, dass das Metaversum in Zukunft der Nachfolger des mobilen Internets wird. Dabei handelt es sich um eine Reihe virtueller Räume, zwischen denen man sich leicht bewegen und in denen man gemeinsam mit anderen Menschen Dinge erleben kann. Man kann sich mit Freunden treffen, arbeiten, spielen, lernen, einkaufen, kreativ sein und vieles mehr. Anders gesagt: Man kann Dinge tun, die man in der realen Welt nicht tun kann, mit Menschen, mit denen man nicht zusammen sein kann. Dieses Metaversum werden wir nicht alleine bauen und es wird auch niemandem allein gehören, sondern Unternehmen und Creator*innen auf der ganzen Welt werden ihre eigene Vision einbringen.

Bis es soweit ist, wird aber noch viel Zeit vergehen. Was hat es in diesem Zusammenhang mit Horizon Home und dem Quest-Headset und der Quest-Plattform auf sich?

Herzberger: Bei Horizon Home handelt es sich um unsere erste Vision der eigenen vier Wände im Metaversum, einem Rückzugsort und gleichzeitig ein sozialer Raum, in den man Freunde mitbringen kann, um zusammen Zeit zu verbringen, Videos anzuschauen oder mit einer Gruppe zu spielen. Wir möchten, dass es sich wie ein echtes eigenes Zuhause anfühlt. Deshalb werden wir es in Zukunft für jeden einfacher machen, seinen eigenen Bereich zu erstellen und anzupassen. Das eigene Wohnzimmer im Metaversum soll schließlich die Person selbst und ihre Persönlichkeit wi­derspiegeln. Diese Möglichkeit ist noch nicht ganz ausgereift, aber sie vermittelt einen Eindruck davon, in welche Richtung wir VR entwickeln.

Die Quest Ge­räte fungieren dabei sozusagen als Schlüssel in die VR-Welt – durch das ­VR-Headset und die entsprechenden Touch-Controller kann man sich in der virtuellen Welt umsehen, bewegen und mit Objekten und Personen interagieren. Für ein immer­siveres Gefühl sollen in Zukunft auch andere sensorische Reize eine Rolle spielen; Geschmäcker, Gerüche, Berührungen. In unseren Entwicklungslaboren arbeiten wir dafür beispielsweise an Handschuhen, welche haptisches Feedback bei Berührungen von virtuellen Objekten geben. Hier wird sich zeigen, welche Sprünge wir in den kommenden Jahren machen können. 

Virtual und Augmented Reality: In diese Richtung geht es im Metaverse

Virtual und Augmented Reality werden Schlüsselrollen im Metaverse spielen. Können Sie das bitte näher erklären?

Herzberger: Virtual und Augmented Reality nehmen Schlüsselrollen ein, weil sie Motor für und gleichzeitig Tür ins Metaversum sind. Diese Technologien erlauben es uns erst, die Welten und Umgebungen des Metaversums zu erschaffen. Augmented Reality ist die Technologie, die es uns ermöglichen wird, Elemente aus dem Metaversum in die reale Welt zu übertragen oder diese dort erlebbar und sichtbar zu machen. In der Zukunft geschieht dies durch Smart Glasses, in den nächsten Jahren ist es aber bereits mit AR-Effekten für das Smartphone z.B. im Rahmen des stationären Handels denkbar.

Virtual und Augmented Reality sind für uns demnach große Innovations- und Entwicklungsbereiche und wir setzen auf virtuelle Angebote und Erleb­nisse, um Menschen in Zukunft noch besser, immersiver und nahtloser zu verbinden. Im VR-Bereich haben wir mit unseren Quest-Geräten bereits ein VR-Ökosystem geschaffen und mit Quest 2 heute schon eine führende VR-Brille am Markt. Im Bereich AR haben wir kürzlich unsere ersten Smart Glasses „Rayban Stories” in Partnerschaft mit Essilor Luxottica auf den Markt gebracht. Project Nazare, unsere erste vollwertige AR-Brille, hat noch einige Jahre Entwicklungszeit vor sich. Dennoch haben wir bereits heute eine starke technische Basis und können VR-Welten bauen, die immersive Erlebnisse bieten. Mit unserer eigenen AR-Plattform, Spark AR, können Creator*innen und auch Marken AR-Effekte auf Facebook und Instagram publizieren. Über 1,2 Millionen verschiedene AR-Effekte finden sich mittlerweile auf den Plattformen und über 600 Millionen Menschen nutzen AR monatlich auf Facebook und Instagram. 

Wer glaubt, dass das Metaverse aber in erster Linie ein virtueller „Unterhaltungskanal“ sein wird, täuscht sich. Auch Business-Anwendungen sind in Quest geplant. Können Sie das bitte genauer erklären?

Herzberger: Durch das Metaversum werden sich neue Arbeitsumfelder und neue Wege des Zusammenarbeitens ergeben. Denn je besser die Technologie wird, desto freier werden wir in der Entscheidung sein, von wo aus wir arbeiten wollen. Dies eröffnet völlig neue Möglichkeiten für Menschen und Unternehmen zusammen zu finden und ein Arbeitsverhältnis einzugehen, das vorher etwa aufgrund der Distanz nicht möglich war. AR-Brillen sind beispielsweise eine wegweisende Entwicklung. Sie erlauben es uns in Zukunft mit nur einem Fingerschnipp den perfekten Arbeitsplatz entstehen zu lassen. Wir nennen dies das „Infinite Office”.

Eine Innovation, die wir vor kurzem vorgestellt haben, ist Horizon Workrooms – eine Technologie, die die Remote-Zusammenarbeit neu definiert. Es wurde entwickelt, damit Teams besser zusammenarbeiten, miteinander kommunizieren und sich aus der Ferne vernetzen können– und das alles mit der Kraft von VR. Hierbei bringen Avatare die Benutzer*innen in einem virtuellen Büro zusammen und interagieren miteinander über Sprache und Chat sowie Gestik und Mimik. Wenn ein Gerät mit Horizon Workrooms verbunden ist, kann man den eigenen Desktop und Dateien mit Kolleg*innen teilen, an einem virtuellen Whiteboard zusammenarbeiten und so vor allem soziale Nähe und Kreativität fördern. In Kürze werden wir mit dem Test von Quest for Business beginnen – einer weiteren Reihe von Funktionen und Optimierungen, die speziell für Unternehmen entwickelt wurden.

E-Commerce im Metaverse

Welche Rolle wird künftig Online-Shopping im Metaverse spielen. Gibt es hier schon konkrete Ideen?

Herzberger: Die Pandemie hat uns gezeigt, wie wichtig Digitalisierung und ein di­gitales Standbein sind und wie gut auch hybride Systeme funktionieren. Durch AR- & VR-Technologien lassen sich schon heute stationärer Einkauf und digitales Erlebnis vereinen. Die User Experience wird dadurch noch besser – etwa indem wir Möbel via AR zuerst in die eigenen vier Wände bringen und austesten können, um sie danach stationär vor Ort anzuschauen, anzufassen und zu kaufen. Jede*r sollte sich fragen: „Was würde ich tun, wenn alle bestehenden physischen Beschränkungen der Welt aufgehoben würden?”

Man braucht lediglich über diese Frage nachdenken und man denkt automatisch über das Potenzial des Metaversums nach. Ralph Lauren hat gerade eine Filiale für digitale Kleidung auf einer Online-Spieleplattform im Metaversum eröffnet. Auch andere Marken sehen zunehmend die Vorteile und den Nutzen von VR & AR-Technologien: Die BMW Group war beispielsweise der erste Automobilkonzern, der AR auch über Ads auf Facebook genutzt hat. Angefangen über eine Gamificiation AR Experience, die die Community spielerisch in zukünftige Fahrzeuge und deren Funktionen eintauchen lässt, bis hin zur modellbezogenen AR-Darstellung des neuen BMW M3/M4, wurde das Thema AR Ads in die Kommunikation integriert. Als Unternehmen im B2B- und B2C-Bereich gewinne ich also zahlreiche neue Wege, wie ich die Produkte erlebbar mache.

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Code scannen und das ganze Interview lesen.

Wie wird im Metaverse sicheres Bezahlen funktionieren?

Herzberger: Unternehmen, die aktuell die Commerce-Funktionen wie Facebook Shops oder Instagram Shopping nutzen möchten, brauchen einen eigenen Online-Shop, um via Facebook und Instagram auf den Produktkatalog zugreifen zu können. Wir arbeiten eng mit vielen Partnern, wie Shopify, BigCommerce, und WooCommerce zusammen, um die Anbindung von E-Commerce-Systemen zu unseren Plattformen sicherzustellen und Unternehmen die Hilfe geben zu können, die sie benötigen. Ich gehe davon aus, dass es für das Metaversum ähnliche Anbindungen geben wird. Grundsätzlich orientieren wir uns also an den Systemen, wie sie auch heute existieren und wie sie bereits jetzt mit unseren Plattformen verknüpft sind. Zahlungen mit Karte, Paypal oder ähnlichem werden sicherlich ein Weg sein, um im Metaversum Dinge zu kaufen. Ob und welche Tokens oder zusätzliche Währungen sich sonst noch etablieren und Einzug in das Metaversum halten werden, wird sich zeigen – gerade in einem so frühen Entwicklungsprozess stehen alle Möglichkeiten offen. 

Was ist bis jetzt die abgefahrenste Idee, auf die Sie in Bezug auf das Metaverse gestoßen sind?

Herzberger: Die abgefahrenste Idee ist nicht das, was Entwickler*innen im Metaversum bauen oder Creator*innen entwickeln, sondern wie wir als Nutzer*innen das Metaversum erleben. Das abgefahrenste waren für mich meine Eltern, die zum ersten Mal über Weihnachten eine VR-Brille genutzt haben, um mit ihren Enkeln in den USA sich zu einem Workout zu treffen. Den Spass und die Freude etwas Neues zu erleben und sich darauf einzulassen war für mich das tollste Weihnachtsgeschenk.

Denn, das Metaversum stoppt nicht bei einer Personengruppe, es verbindet Menschen miteinander und gibt ihnen eine „reales“ Erlebnis über unterschiedliche Orte.

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Kai Herzberger ist seit Januar 2014 bei Meta in Deutschland. Bild: Meta

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