Web 2.0: Potenzial für mittelständische Unternehmen

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Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Rezession in Europa sind die Unternehmen massiv gefordert, sich nach neuen Wegen zur Produktivitätssteigerung umzusehen. Den Schlüssel für erhebliche Kostensenkungen könnten Web-2.0-Lösungen liefern. Entsprechend kommt eine neue Analyse der Unternehmensberatung Frost & Sullivan zu dem Ergebnis, dass Web 2.0 sowohl im Web- als auch auf dem Audio-Web-Markt zum Wachstum beitragen wird. Während die beiden Märkte im Jahr 2008 in Europa gemeinsam noch 190 Millionen US-Dollar erwirtschaftet hatten, dürften sie bis Ende 2014 860 Millionen US-Dollar erreichen.

„Web-2.0-Lösungen können vielen europäischen Unternehmen in der derzeitigen Krise eine wertvolle Hilfestellung bieten. Social-Networking-Websites, Wikis und Blogs sind nur einige der bekannteren Beispiele für Web-2.0-Technologien, die hier eine wichtige Rolle spielen“, beobachtet Iwona Petruczynik, Research Analyst bei Frost & Sullivan. „Der Einsatz dieser Lösungen in mittelständischen Unternehmen nimmt aktuell zu, da die Menschen gezwungen sind, mit weniger Mitteln mehr zu leisten.“ Nach Angaben der EU-Kommission sind 99 Prozent aller europäischen Unternehmen mittelständisch und beschäftigen insgesamt fast 75 Millionen Menschen. Bei einem derartigen Marktpotenzial sollten die Web-2.0-Anbieter keine Probleme mit dem Einsatz ihrer Lösungen im Sektor der mittelständischen Unternehmen haben.

Zu den immer häufiger genutzten Web-2.0-Lösungen zählen die so genannten Social-Networking-Websites wie Facebook und Twitter oder auch Blogger und WordPress. Bis vor kurzem vorrangig mit Verbraucheranwendungen in Verbindung gebracht, kommen sie neuerdings zunehmend auch in professionelleren Bereichen zur Anwendung.

„Social-Networking-Websites werden sogar an ganz unerwarteten Stellen genutzt. So betreibt zum Beispiel der schwedische Staat bei Second Life, der bekanntesten virtuellen Realität im Internet, eine virtuelle Botschaft, über die er die schwedische Kultur und ein positives Image des Landes verbreitet“, berichtet Petruczynik. „Auch das polnische Ministerium für Inneres und Verwaltung hat bei Second Life einen Raum installiert. Dort erfährt man, was im Ministerium geschieht, und kann sogar dem Minister Fragen stellen.“

Wie groß; der Markt tatsächlich ist, ist schwer einzuschätzen, da man sich bisher noch nicht auf eine einheitliche Definition von Web 2.0 einigen konnte. Da es sich dabei jedoch eher um eine Reihe von Technologien und Ideen handelt, die die Entwicklung vorhandener Produkte und Dienstleistungen vorantreiben, ist nicht damit zu rechnen, dass sich Web 2.0 zu einem komplett eigenständigen Markt entwickelt. Zudem wird das vollständige Potenzial von Web 2.0 erst jetzt erkennbar, da die Konzepte und Technologien langsam Anwendung in Herstellung, Kundendienst, Produktentwicklung und Vertrieb finden. So werden duch Web 2.0 beispielsweise innovative Arten der Mitarbeiterinteraktion ermöglicht, die zum Zusammenhalt des Unternehmens und zur Einbindung der Mitarbeiter beitragen. Auch Telependler können jenseits des formellen E-Mail-Flusses schnell und mühelos zusammenarbeiten.

Trotz der offensichtlichen Vorteile zögern manche Unternehmen, sich voll auf die Web-2.0-Tools einzulassen. Die Popularität des firmeninternen Intranets sowie Sicherheitsbedenken und die Sorge um das Bekanntwerden vertraulicher Informationen sind nur einige Hürden, mit denen der europäische Web-2.0-Markt zu kämpfen hat. Was die Sicherheit betrifft, so birgt Ajax (Asynchronous JavaScript and XML) – eine von Web-2.0-Programmierern verwendete Programmiermethode – gewisse Risiken, die im schlimmsten Fall dazu führen können, dass Viren auf den Computer gelangen oder das Konto geplündert wird.

Darüber hinaus wird der Einsatz von Web 2.0 durch die von den Unternehmen propagierte „Kultur der Geschäftigkeit“ gebremst: Sieht man die Mitarbeiter nicht die ganze Zeit arbeiten, entsteht schnell der Eindruck, sie seien ineffizient und unprofessionell. Dabei lassen sich viele Aufgaben durch Nutzung von Lösungen wie Blogs und Social-Networking-Websites wie Twitter oder LinkedIn schnell und einfach erledigen.

„In Europa herrscht das verbreitete Missverständnis, dass sich echte Leistung daran messen lässt, wie viel Kilo Papier jemand produziert und einem Kunden aushändigt“, erklärt Petruczynik. „Diese Einstellung behindert den Einsatz von Web-2.0-Lösungen, weil hier mehr Endprodukte in Form von Wikis oder Blogs geliefert werden.“ Tendenziell sei Europa sowieso relativ konservativ bei der Einführung neuer Lösungen, weshalb das Web 2.0 hier bisher weniger genutzt werde als beispielsweise in den USA.

„Unternehmen, die Web-2.0-Lösungen einsetzen möchten, empfehlen wir, klare und einfache Leitlinien zu implementieren sowie zu beschreiben, wie man soziale Medien richtig nutzt. So lassen sich Sicherheitsrisiken und die Weitergabe vertraulicher Informationen vermeiden und eine Unternehmenskultur schaffen, die Offenheit und Zusammenarbeit fördert. Auß;erdem sollten die Mitarbeiter darin geschult werden, wie sie die Web-2.0-Tools so nutzen können, dass sie noch produktiver und effizienter werden“, schließ;t Petruczynik. „Gleichzeitig sind die Web-2.0-Anbieter gefordert, unterstützende Grundsätze zu formulieren, eine nahtlose Integration mit den vorhandenen fortgeschrittenen Tools der Unternehmenskommunikation zu liefern und eine Reihe von Web-2.0-Technologien à la carte anzubieten.“

Info: http://www.conferencing.frost.com/

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