18.04.2012 – Kategorie: IT, Management, eCommerce

Wie mobil ist das iPad wirklich?

Es vergeht wohl kaum ein Tag ohne eine Studie, die dem mobilen Markt einen Boom bescheinigt. Die Wachstumsprognosen zur mobilen Internetnutzung stützen sich dabei häufig auf die zunehmende Verbreitung neuester Generationen an mobilen Endgeräten. Tatsächlich besitzen laut einer aktuellen Studie von TNS Infratest mittlerweile knapp 24 Prozent der Deutschen ein Smartphone und bereits fünf Prozent einen Tablet Computer, wobei sich die Anzahl der Tablets in den nächsten 12 Monaten verdoppeln soll. Und gerade Tablets wie das Apple iPad werden überproportional häufig zum Surfen genutzt.


Auf den ersten Blick sind die Schlussfolgerungen der Studien zum Wachstum des mobilen Internets deswegen durchaus logisch. Allerdings bleibt ein Aspekt völlig unberücksichtigt: von wo aus die Tablet-Nutzer auf das Internet zugreifen. Genau das hat Etracker, ein Anbieter von Produkten und Dienstleistungen zur Optimierung von Websites und Online-Marketingmaßnahmen, jetzt in einer Erhebung untersucht. Diese wurde auf Basis der Etracker Benchgroups durchgeführt, an denen über 10.000 etracker Kunden anonymisiert teilnehmen. Das eindeutige Ergebnis: mobil gesurft wird vom iPad kaum.


Der Analyse-Spezialist Etracker hat Anfang diesen Jahres die Daten sämtlicher Benchgroup-Teilnehmer in Hinblick auf die Zugriffszahlen von Endgeräten untersucht, die als „mobil“ klassifiziert werden. Das Ergebnis: Während der dreiwöchigen Erhebung generierte das iPad lediglich 6,2 Prozent der Zugriffe mobil. Dagegen erfolgten 93,8 Prozent der Zugriffe per iPad von einem stationären Internetanschluss aus. Das iPad als mobiles Endgerät zu klassifizieren, ist angesichts dieser Zahlen eher fragwürdig. Damit relativieren sich auch viele Studien zum mobilen Markt, da bereits 44 Prozent der Internetzugriffe mobiler Endgeräte von iPads generiert werden.


Offenbar führen eingeschränkte Analysemöglichkeiten vieler Studienautoren – und die daraus resultierende fehlende Differenzierung zwischen stationär genutzten Tablets und wirklich mobil eingesetzten Endgeräten – dazu, dass allzu häufig falsche Schlussfolgerungen gezogen werden. Das betrifft Prognosen zur mobilen Internetnutzung ebenso wie Einschätzungen zu Mobile Commerce oder Mobile Advertising. In Studien wie dem jüngsten deutschen Connected Devices Report von Nielsen wird Tablet PCs eine deutlich größere Werbewirkung bescheinigt als Smartphones. Daraus Rückschlüsse auf die Werbewirkung des gesamten mobilen Marktes zu ziehen, ist angesichts der festgestellten primär stationären Nutzung von Tablets jedoch nicht ganz richtig. Vielmehr ähnelt die Internetnutzung mit einem Tablet eher der mit einem stationären PC als der mit einem mobilen Smartphone. Als direkter Absatzkanal wird der mobile Markt daher derzeit noch falsch eingeschätzt. Wer seine mobilen Websites in Hinblick auf den Abverkauf optimieren möchte, sollte also weniger den reisenden Manager mit Smartphone vor Augen haben, als den iPad-Surfer auf dem heimischen Sofa.


 


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