22.04.2022 – Kategorie: Handel

Zahlungsverkehr: Herausforderungen für den Einzelhandel durch die Digitalisierung

Die neue Studie „Umgang mit Zahlungssystemen heute und in der Zukunft“ von Payone untersucht die digitale Transformation und den Strukturwandel des Einzelhandels sowie die Auswirkungen auf zukünftige Geschäftsmodelle.

Payone, ein Gemeinschaftsunternehmen von Worldline, Anbieter von Dienstleistungen für den Zahlungsverkehr, und der DSV-Gruppe, hat in der Händlerumfrage „Umgang mit Zahlungssystemen heute und in der Zukunft“ die Folgen von digitaler Transformation und Strukturwandel im Einzelhandel untersucht. Außerdem wurden die Auswirkungen auf zukünftige Ausprägungen der jeweiligen Geschäftsmodelle in den nächsten zehn Jahren nachgegangen. Befragt wurden 340 Händler in Deutschland, über alle Branchen und Firmengrößen hinweg.

Die digitale Transformation und geändertes Konsumentenverhalten stellen an Händler nicht nur hohe Anforderungen, um sich bei neuen Verfahren für den Zahlungsverkehr zukunftsträchtig aufzustellen. Sie impliziert auch Aufgeschlossenheit und Umdenken in Bezug auf Gestaltung sowie Erscheinungsbild des klassischen Ladengeschäftes. Wie die Umfrage zeigt, haben die Händler sehr unterschiedliche Einschätzungen bezüglich der Transformationsschritte ihres Geschäftes.

Zahlungsverkehr: Kassentresen und -personal wird aussterben

74 Prozent der befragten Händler sind der Auffassung, dass das stationäre Geschäft auch in mehr als zehn Jahren weiter seine Daseinsberechtigung hat und nicht komplett vom Onlinehandel verdrängt werden wird. Allerdings sind 50 Prozent der Befragten überzeugt, dass der klassische Kassentresen zukünftig nicht mehr zum gewohnten Erscheinungsbild eines Ladengeschäftes gehören wird. Weitere 51 Prozent vertreten darüber hinaus die Meinung, dass Kassenpersonal nach und nach obsolet wird. Dagegen können sich immerhin 49 Prozent vorstellen, ihr Ladengeschäft gänzlich unbemannt und alleinig via Automaten zu betreiben. Für 70 Prozent der befragten Händler ist es auch in zehn Jahren unvorstellbar, ein stationäres Geschäft ohne jegliche Kundenberater erfolgreich zu führen.

In Bezug auf Optionen beim Zahlungsverkehr beobachten schon heute 15 Prozent der Händler, dass Vor-Ort-Käufe vermehrt mobil beziehungsweise online im Geschäft bezahlt werden. 22 Prozent gehen davon aus, dass dieser Trend bis 2025 zunehmen wird. Eine Einschätzung, die die zunehmende Verschmelzung von stationären und E-Commerce-Welten auch beim Bezahlen bestätigt.

Zahlungsverkehr Payone
Mit dem richtigen Zahlungsarten-Mix den Umsatz fördern. (Grafik: Payone)

Zahlungsverkehr – Liquidität vor Ratenkaufmodellen

Nicht nur Sortiment, Beratung und Professionalität im Umgang mit Kundenwünschen machen den Einkauf für den Verbraucher zu einem perfekten Erlebnis und lassen ihn bestenfalls zu einem treuen Kunden werden. Zunehmend ist das „Zünglein an der Waage“ die Art der individuell präferierten Bezahlmethode. Hätten die befragten Händler die Möglichkeit, den digitalen Zahlungsverkehr selbst zusammenzustellen, haben bei 62 Prozent der Schutz des Käufers bzw. seiner Daten oberste Priorität. 56 Prozent würden die Echtzeit-Überweisung in ihren Zahlungsverkehr integrieren.

48 Prozent sehen die unbedingte Notwendigkeit einer paritätisch einsetzbaren Lösung am Point of Sale sowie im Online-Geschäft. Da Liquidität für das Gros der befragten Händler hohe Priorität hat, ist auch nur für zwölf Prozent die Option Später Bezahlen (Pay Later) interessant. Elf Prozent betrachten das Angebot des Ratenkaufs (Buy now) als wichtig für die Umsatz- und Geschäftsentwicklung. Bei aller Fokussierung auf Dienstleistung und Service am Kunden steht in diesem Zusammenhang der Schutz des eigenen Business beziehungsweise die Absicherung des Personals, das die Zahlung entgegennimmt, mit 83 Prozent ganz oben auf der „Händler-Hit-Liste“.

Zahlungsverkehr
Optimierung des Zahlungsartenangebots. (Grafik: Payone)

Marktplätze: Wegbereiter neuer Möglichkeiten

Wie unterschiedlich die Perspektiven der befragten Händler ausfallen, zeigt sich eindrucksvoll in der Abfrage des Stichworts „Marktplätze“, also Plattformen, auf denen Händler alleine oder im Verbund hauptsächlich physische Produkte sowie Dienstleistungen und Services anbieten. Diese gewinnen zunehmend an Bedeutung für den Onlinehandel, entwickeln sich hochdynamisch und wachsen schneller als der klassische E-Commerce. Daher geben acht Prozent der Befragten an, dass ihr Geschäft sich bereits heute zu einem Online-Marktplatz oder in einem Zusammenschluss mit anderen Händlern zu einem Mitglied einer Shop-in-Shop-Lösung gewandelt hat. Weitere zwölf Prozent glauben daran, dass dies in den nächsten drei Jahren der Fall sein wird. 16 Prozent sind der Meinung, dass beide Szenarien bis 2030 Wirklichkeit werden könnten. Die Hälfte (50 Prozent) dagegen halten eine solche Transformation weder heute noch in der Zukunft für realistisch.

Umsatzsteigerungen – Online-Marktplätze versus Direktverkauf

Diese Einschätzungen korrelieren mit dem Meinungsbild auf die Nachfrage nach möglicher höherer Umsatzgenerierung auf Marktplätzen oder Marktplatzverbünden gegenüber gängigem Direktverkauf. 15 Prozent sind der Ansicht, dass dies bereits heute der Fall ist. Zwölf Prozent der Händler gehen davon aus, dass sich diese Tendenz erst bis einschließlich 2025 abzeichnen wird. 18 Prozent sehen diese Entwicklung erst in den Jahren 2026 bis 2030. 38 Prozent sind der Auffassung, dass Online-Marktplätze in Bezug auf Umsatzgenerierung und -steigerung dem Direkthandel im direkten Vergleich niemals ebenbürtig sein werden.

Risikomanagement beim Zahlungsverkehr entscheidend

Divers war die Meinung in Bezug auf die Transformation des eigenen Geschäftsmodells in Richtung Online-Marktplätze. Aufgeschlossen zeigten sich die beteiligten Händler in der Frage, den Zahlungsverkehr vollständig zu digitalisieren. In einer Prioritätenskala von 1 bis 4 stand für 43 Prozent der Befragten das Risikomanagement (Bestimmung von Zahlungsarten- und Konditionen, Kauf auf Rechnung, Skonti, Minimierung des Ausfallrisikos) an erster Stelle.

Gefolgt von buchhalterischem Management, dem 39 Prozent das höchste Gewicht im Rahmen digitaler Vollautomatisierung einräumten. Das automatisierte und von Dienstleistern gesteuerte Bargeldhandling landete mit 22 Prozent auf Platz drei. Der Wunsch nach Digitalisierung von Reklamationsprozessen und Rückbuchungen von Zahlungen (Chargebacks) hatte für zwölf Prozent der Befragten die höchste Dringlichkeitsstufe. Und erreichte damit Platz vier des Rankings.

Payone
Verkäufer unterschätzen den Service beim Bezahlen – mit Zusatzservices maßgeschneiderte Zahlungsarten zusammenstellen. (Grafik: Payone)

Ungenutztes Potenzial von Daten im Zahlungsverkehr

Händlern fehlt es oftmals an den fundamentalen Informationen, um nachhaltigen Aufbau ihrer Kundenbeziehungen oder Neukundengewinnung zu betreiben. Die Auswertung der Transaktionsdaten im elektronischen Zahlungsverkehr kann unter Umständen hilfreiche Aufschlüsse über den jeweiligen Kundenstamm, -treue und Einkaufsverhalten bieten. Befragt nach den wichtigsten Primärdaten, die sie gerne aus den Zahlungsverkehrsdatenquellen ableiten würden, stand die Ermittlung von Anzahl der Stamm- und Neukunden und deren Aktivität mit 70 Prozent mit großem Abstand vor Markentreue (45 Prozent) und Kaufkraft (42 Prozent) an erster Stelle.

Jeweils 40 Prozent der Händler würden gerne mehr bezüglich Kundenansprache und -gewinnung sowie Kundentypen und Zielgruppen in Erfahrung bringen. Erst dann folgen mit 32 Prozent der Wunsch nach Analyse der Warenkörbe und Ermittlung eines Marktdurchschnitt-Vergleichs von Umsatz, Kaufabbrüchen und Umsatzerfolgen mit 25 Prozent. Nur 24 Prozent bekundeten Interesse an der Eruierung von Kundenkonten und damit in Beziehung stehender Guthaben.

Payone ist ein Joint Venture von Worldline, Anbieter von Dienstleistungen für den Zahlungsverkehr, sowie der DSV-Gruppe, Kompetenzcenter Payment der Sparkassen-Finanzgruppe. Der Payment-Anbieter unterstützt Händler und Dienstleister in Deutschland und Österreich. bei den Herausforderungen rund um den Zahlungsverkehr und bargeldloses Bezahlen. Als Full-Service-Zahlungsdienstleister ermöglicht Payone digitale Bezahlprozesse, die schnell, einfach und zuverlässig funktionieren. Zudem helfen die zukunftsweisenden Omnichannel-Konzepte Händlern dabei, ihren Kunden kanalübergreifende Einkaufserlebnisse zu bieten. Dabei wird das Ziel verfolgt, ein integriertes Payment über alle Touchpoints hinweg zu ermöglichen. (sg)

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Aufmacherbild: Nattakorn – Adobe Stock


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