22.12.2022 – Kategorie: Handel

Zukunft des stationären Handels: Neue Konzepte braucht das Land

Während der Online-Handel boomt, veröden viele Innenstädte. Nicht erst seit Beginn der Corona-Pandemie ist der Online-Handel ein Wettbewerber des lokalen Handels. Nach zwei Jahren mit Lockdown und vielen Einschränkungen hat sich die Situation noch verschärft. Ideen, wie sich der Handel zukünftig erfolgreich aufstellen kann, gibt es genug.

Die Zukunft des stationären Handels: In vielen Klein- und Mittelstädten, so auch im westfälischen Ahaus, kennzeichnen Leerstände den Wandel der Innenstadt. In­ha­bergeführte Betriebe finden keinen Nachfolger mehr, die Filialisten und großen Ketten bevorzugen für ihre Wachstumsstrategie die großen Städte oder das In­ternet. Fehlende Shopping-Angebote führen zu weniger Kunden, das hat zur Folge, dass nach und nach auch die Gastronomiebetriebe aus den Zentren verschwinden. Zudem begrenzt der Ladenschluss die Möglichkeiten für ein Einkaufserlebnis. Aber Ahaus ist nicht so wie andere mittelgroße Städte. In der „Digitalstadt“ verbindet die digitale Plattform „chayns“ Handel, Kultur und Gastronomie.

aufHaus ohne Personal

Ende 2020 stand ein großes Kaufhaus in zentraler Innenstadt-Lage in Ahaus vor dem Aus. Nachdem der Inhaber in Rente ging und kein Nachfolger gefunden wurde, wurde das Bekleidungshaus geschlossen. Eine Perspektive fehlte, doch waren die Ahauser Wirtschaftsförderung, die Stadtverwaltung und das Stadtmarketing mit der Situation – ein großer Leerstand direkt am Eingang der Fußgängerzone – nicht zufrieden. Sie suchten nach kreativen neuen Nutzungsmöglichkeiten und fanden sie in der digitalen Plattform. Mitte 2021 wurde aus dem Leerstand das aufHaus, ein neues Konzept, das Online-Handel und stationären Handel zusammenführt. 

Im aufHaus finden unterschiedliche Händler, Künstler und Handwerker die Möglichkeit ihre Waren, Kunstwerke und Produkte auf eigenen Flächen und Regalen auszustellen. Alle ausgestellten Produkte sind mit QR-Codes versehen, die beim Scannen das Produkt im Online-Shop des Händlers aufrufen. Preise und Produktinformationen stehen den Kunden nur online zur Verfügung, auch gekauft werden kann nur online, im Shop. Da vor Ort weder Beratung noch Verkauf stattfinden, kommt das aufHaus fast komplett ohne Personal aus. Und auch eine Kasse mit Bargeld gibt es nicht. Allein ein Security Mitarbeiter schaut hier nach dem Rechten.

Zukunft des stationären Handels: Der begehbare Online-Marktplatz

Auf 1.200 qm und drei Etagen finden die Besucher eine Kombination aus Ausstellung, Kaufhaus, Marktplatz und Treffpunkt. Primär geht es hier nicht ums Kaufen, sondern um Inspiration, das Sammeln von Ideen, die Suche nach Anregungen und die Belebung der Innenstadt. Die Aussteller sind aufgefordert, ihre Warenpräsentation regelmäßig zu wechseln, um immer wieder etwas Neues zu bieten. Die Besucher kaufen online, wenn sie möchten, nachdem sie angefasst, ausprobiert oder begutachtet haben. Und das geht rund um die Uhr, denn wenn der typische Einzelhandel längst geschlossen hat, hat das aufHaus noch offen. An sieben Tagen in der Woche und 365 Tagen im Jahr. So zieht das Konzept Menschen in die Stadt. Nämlich zu Zeiten, in denen sie bislang zuhause auf dem Sofa saßen und online einkauften.

Verschiedene Händler als Aussteller

Die Waren stammen von vielen Einzelhändlern aus der Innenstadt oder von Flächenmärkten am Stadtrand, von Künstlern, kleinen Herstellern und Produzenten direkt aus der Nähe. Aber auch von den Menschen selbst, die sehr gut erhaltene Produkte im aufHaus anbieten können. Sie alle bringen ihre Produkte mit wenigen Klicks in einen Online-Shop und stellen sie dann im aufHaus aus. So entsteht ein lokaler Marktplatz mit Verbindung in die Online-Welt, auf dem jeder alles an­bieten kann. In verschiedenen Themenbereichen finden die Besucher Angebote aus den Bereichen Elektronik, Wohnen, Kunst, Mobilität, Garten oder Freizeit. 

Das Smartphone als Schlüssel in der Zukunft des stationären Handels

Das eigene Smartphone ist für die Besucher im aufHaus das dritte Auge und der Schlüssel für alles, denn durch das Scannen von QR-Codes öffnet sich ihnen der Zugang, zeigen sich die Wegweiser und lassen sich Preise und Zusatzinformationen zu den Artikeln abrufen. Direkt mit dem Smartphone können die ausgestellten Produkte auch gekauft und bezahlt werden. Die Plattform „chayns“ stellt die einzelnen Onlineshops der Aussteller bereit. Sie kümmert sich auch um die gesamte Zahlungsabwicklung, liefert einen schnellen QR-Code-Scanner und ermöglicht eine Zugangskontrolle am Eingang.

Begehbarer Online-Shop in Hamburg

Das digitale Konzept, wie auch die einfache Umsetzung haben bereits viele Besucher inspiriert. Einer davon ist die Agentur Future Candy, die gerade ihren eigenen begehbaren Online-Shop mit chayns in einem großen Kaufhaus direkt am Hamburger Hauptbahnhof umsetzt. Zurück zu Ahaus. In der Digitalstadt gibt es eine Vielzahl an digitalen Angeboten in Handel, Gastronomie und Kultur, die von Bürgern und Besuchern per Smartphone genutzt werden. Eine zentrale IDöffnet Türen, sorgt für Speisen und Getränke, liefert Informationen und macht das Shoppen zu einem Erlebnis.

Die Autorin: Hanna Faßelt ist bei Tobit.Software für die Kommunikation und den Ausbau der digitalen plattformbasierten Handelskonzepte zuständig.

Zukunft des stationären Handels
Bild: Tobit.Software

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