Zukunftsphilosophie: Der Handel – Neues Gesicht braucht neuen Namen

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing
Share on whatsapp
Share on email
Share on print
himmelreich_achim_komp

Es heißt ja, dass unsere Taten durch unsere Gedanken und unser Denken von unserer Sprache bestimmt sind. Wenn dem so ist, dann sollten Einzel- und Großhändler eigentlich gänzlich auf den Begriff „Handel“ verzichten – vor allem in Bezug auf ihre Geschäftsmodelle und ihr Selbstverständnis. Das Gabler Wirtschaftslexikon schlägt uns folgende Definition vor: Der „Handel übernimmt die Aufgabe, räumliche, zeitliche, qualitative und quantitative Spannungen zwischen der Produktion und der Konsumtion auszugleichen.“

Anders ausgedrückt bedeutet das nichts weniger, als dass der Handel zu einem Zeitpunkt und an einem Ort etwas kauft, was er später und woanders wieder verkauft. Das machte die Einkaufs- und Sortimentspolitik über Jahrzehnte hinweg zur entscheidenden Kernkompetenz der dominierenden Händler. Der erfolgreichste Händler der Gegenwart lässt sich von dieser funktionalen Bestimmung allerdings nicht beirren: Er denkt und agiert auf eine andere Art und Weise. Als datengetriebener Technologiekonzern beschäftigt sich Amazon in erster Linie mit Customer Insights. Eine Disziplin, die für alle Konsumgüterunternehmen immer mehr zum unausweichlichen Fokuspunkt wird und der gesamten Branche ein neues Gesicht verleiht, sagt auch die Consumer-Insights-Studie von Capgemini Consulting.

In absehbarer Zukunft wird keiner mehr Werbebeilagen studieren, um entdeckte Schnäppchen im lokalen Laden zu ergattern, sondern immer und überall und von jedem Gerät nur noch situative Transaktionen tätigen – und zwar bei dem Dienst, der über die besten persönlichen und kontextuellen Informationen verfügt. Verkauf und Versand der Produkte verkommen dann zum reinen Derivat der eigentlichen Tätigkeit. Und wem es gelingt, als ganz persönlicher Einkaufsassistent unmittelbar am Kunden zu sein, der geht den Weg ins Eldorado.

Halten wir uns jetzt vor Augen, wie viel der klassische deutsche Filialist tatsächlich von seinen Kunden weiß und vergleichen das mit dem eben beschriebenen Szenario, dann offenbart sich die ganze Tragweite der künftigen Dynamik. Und weil Umdenken eben auch ganz fundamental durch sprachlichen Wandel bedingt ist, sollten wir unseren Händlern vielleicht einen neuen Namen geben. Der alte scheint nicht mehr zeitgemäß zu sein.

Autor: Achim Himmelreich (im Bild) blickt auf eine mehr als 20-jährige Beraterkarriere zurück. Bevor er zu Capgemini kam, war er unter anderem Partner bei der Managementberatung Mücke, Sturm & Company. Der Schwerpunkt seiner Tätigkeit ist Digitalstrategie und digitale Transformation. Die umwälzenden Veränderungen durch die digitale Revolution hat er von Anfang an begleitet und in zahlreichen Projekten die Etablierung neuer Geschäftsmodelle vorangetrieben. Bei Capgemini kümmert er sich um die digitale Transformation, insbesondere in den Sektoren Consumer Products und Retail. Er ist Vizepräsident des Bundesverbandes der Digitalen Wirtschaft (BVDW), gefragter Speaker und Autor zahlreicher Fachartikel.

(jm)

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn
Share on xing
XING
Share on whatsapp
WhatsApp
Share on email
E-Mail
Share on print
Drucken

Ihre Meinung zum Artikel

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei

Andere Leser haben sich auch für die folgenden Artikel interessiert

Werbung

Entdecken Sie weitere Magazine

Schön, dass Sie sich auch für weitere Fachmagazine unseres Verlages interessieren.

Unsere Fachtitel beleuchten viele Aspekte der Digitalen Transformation entlang der Wertschöpfungskette und sprechen damit unterschiedliche Leserzielgruppen an.