Marketingstrategie Community Commerce: Wie Algorithmen die Vermarktung verändern

Ein Gastbeitrag von Philip Papendieck 5 min Lesedauer

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Algorithmen spielen beim Community Commerce eine Schlüsselrolle bei der Neudefinition der Beziehung zwischen Marken und Konsumenten. Ihre Fähigkeit, authentische Verbindungen zu fördern und Inhalte genau auf die Interessen der Nutzer zuzuschneiden, verändert die Art und Weise, wie Produkte und Dienstleistungen vermarktet werden.

(Bild:  Parradee/Adobe Stock)
(Bild: Parradee/Adobe Stock)

Die Generation Z und seit einiger Zeit auch die Generation Alpha sind auf der Suche nach Authentizität und einem persönlichen Bezug zu Marken. So ist es entscheidend, dass Unternehmen nicht nur Produkte verkaufen, sondern auch nahbar sind. Dass Marken sich mehr wie Content-Creatoren verhalten und das TikTok-Mantra „Act like a creator not like a brand“ annehmen, zeigt, wie wichtig die direkte und menschliche Interaktion mit der Community geworden ist. Tools wie Broadcast Channels fördern solche Interaktionen und sind ein Zeichen dafür, dass Marken zunehmend den Wert erkennen, der in authentischen Verbindungen zu ihrer Zielgruppe liegt. Der Übergang vom traditionellen E-Commerce zum Community Commerce ist nicht nur eine Reaktion auf die sich verändernden Bedürfnisse der Verbraucher, sondern auch ein Schritt hin zu einer inklusiven und interaktiven Form des digitalen Handels. 

Die Neudefinition von Verkaufserfolg und Kundenzufriedenheit

Gerade im Zeitalter des Community Commerce spielen Algorithmen eine entscheidende Rolle bei der Präsentation und dem Verkauf von Produkten und Dienstleistungen. Ihre Genauigkeit beim Targeting von Werbung ist entscheidend für den Erfolg im digitalen Handel. Der Algorithmus von TikTok ist zum Beispiel Vorreiter bei der Messung der Zuschauerbindung – ein Schlüsselindikator, der die Performance einzelner Assets bestimmt.

Anders als traditionelle Ansätze, die sich hauptsächlich auf demografische Daten stützen, fokussieren sich moderne Algorithmen wie dieser zunehmend auf die Inhalte selbst und die Interessen der Nutzer. Alter oder Familienstand verlieren an Relevanz, stattdessen rücken Interessengruppen in den Mittelpunkt von Marketingstrategien. Diese Verschiebung führt dazu, dass Werbung, die exakt auf die Vorlieben und Bedürfnisse der Nutzer abgestimmt ist, nicht nur die Wahrscheinlichkeit eines Kaufs erhöht, sondern auch die Kundenzufriedenheit steigert. Zufriedene Kunden sind wiederum eher bereit, langfristige Beziehungen zu Marken aufzubauen, was in der heutigen, stark von Love Brands geprägten Wirtschaft von unschätzbarem Wert ist.

Community Commerce: Strategien für das richtige Engagement

Erfolgreiche Unternehmen im digitalen Zeitalter müssen sich den algorithmischen Veränderungen anpassen. Algorithmen, die Engagement und Watchtime priorisieren, verlangen nach entsprechenden Inhalten. Um das Engagement der Nutzer zu fördern, sind strategische Ansätze wie proaktives Community Management, das Einbauen von Hooks am Anfang der Videos oder das Aufgreifen von Nischentrends von großer Bedeutung. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Algorithmen positiv zu beeinflussen, indem sie eben genau die Indikatoren triggern, die vom Algorithmus als positiv und relevant eingestuft werden. Marken müssen ihre Communities also genau verstehen und die Nischen gezielt besetzen. Dieses tiefe Verständnis ihrer Zuschauer und die Fähigkeit, spezifische Interessensgebiete zu dominieren, sind die Basis, auf der Unternehmen ihre Präsenz in den sozialen Medien erfolgreich ausbauen und festigen können. 

Die unsichtbare Macht hinter dem Kauf

Durch die Anzeige personalisierter Inhalte, die auf den Vorlieben und dem bisherigen Engagement der Community basieren, schaffen es Algorithmen im Community Commerce, die Aufmerksamkeit gezielt auf Produkte und Dienstleistungen zu lenken, die von individuellem Interesse sind. Darüber hinaus fördern sie durch die Priorisierung von Inhalten mit hohem Engagement das Gruppenverhalten und setzen Trendwellen in Gang. Such- und Empfehlungsalgorithmen erhöhen die Sichtbarkeit von Produkten auf Basis des Nutzerverhaltens in der Vergangenheit, während Influencer Marketing durch die Priorisierung reichweitenstarker Inhalte die Markenwahrnehmung und das Kaufverhalten beeinflusst. Zudem ermöglicht das A/B-Testing tiefe Einblicke in das Nutzerverhalten und die kontinuierliche Optimierung der Werbeanzeigen den Plattformen, die Effektivität ihrer Marketingstrategien zu maximieren. So formen diese algorithmischen Strategien nicht nur die digitale Erfahrung der Konsumenten, sondern auch ihre Kaufentscheidungen im realen Leben. 

Algorithmen beeinflussen jedoch nicht nur das Konsumentenverhalten, sondern sind auch aktiv an der Entstehung neuer Trends und Konsumentenpräferenzen beteiligt. Eine Strategie ist dabei die Erzeugung von FOMO (Fear of Missing Out). Durch die Verknappung, zeitliche Begrenzung oder auch nur limitierte Empfänger von Angeboten oder besonders beliebten Produkten schaffen sie ein Gefühl der Dringlichkeit, das Nutzer dazu animiert, schnell zu handeln, um keine Gelegenheit zu verpassen oder auch zu einem bestimmten Kreis dazuzugehören. Indem ähnliche Inhalte häufiger angezeigt werden, erhöhen Algorithmen die Sichtbarkeit und Marktpräsenz ausgewählter Marken oder Produkte, was letztlich zu einer verstärkten Nachfrage und Verfestigung bestimmter Trends führen kann. Diese Mechanismen tragen entscheidend dazu bei, dass neue Verbrauchertrends nicht nur schneller entstehen, sondern sich auch längerfristig etablieren und somit ein wichtiges Ziel erfüllen können: in den Köpfen der Nutzer zu verweilen.

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Herausforderungen und Risiken im Community Commerce

Während Algorithmen darauf abzielen, Inhalte möglichst genau auf die Präferenzen der Community abzustimmen, führen sie paradoxerweise zu einer Erhöhung der Verweildauer auf den Plattformen. Der Faktor Zeit ist dabei eine kritische Größe: Je mehr Zeit Menschen in sozialen Netzwerken verbringen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Verhalten nicht nur durch Inhalte, sondern auch durch gezielte Werbung beeinflusst wird. Diese Entwicklung unterstreicht die Notwendigkeit eines bewussten Umgangs mit Social Media. Die Plattformen haben auf diese Problematik bereits mit optionalen Funktionen zur Begrenzung der Verweildauer reagiert. 

Die Bedeutung von Social-Media-Algorithmen im Community Commerce ist unbestritten und wird auch in Zukunft eine große Rolle spielen. Inhalte, die eine hohe Interaktion fördern, ermöglichen den Marken den Aufbau einer lebendigen und engagierten Community. Beiträge, die rege kommentiert und geteilt werden, erreichen eine breitere Nutzerschaft, was wiederum die Markensichtbarkeit und das organische Wachstum fördert. Zusätzlich sorgt die dynamische Anpassung von Inhalten dafür, dass Nutzer stets mit Beiträgen konfrontiert werden, die ihren aktuellen Interessen entsprechen und somit Engagement und Konversionen maximieren. In der dynamischen Welt des Community Commerce, in der sich Vorlieben und Trends schnell ändern können, erweisen sich Algorithmen als unverzichtbare Werkzeuge, um den Puls der Community zu erfassen und zu halten. Diese intelligente Steuerung der Content-Bereitstellung bildet das Rückgrat für den Aufbau und die Pflege von Communities, die nicht nur über Produkte und Dienstleistungen diskutieren, sondern diese auch aktiv weiterempfehlen.

Community CommercePhilip Papendieck
ist Co-Founder und Geschäftsführer der Intermate Group. Als Vorreiter im Bereich Influencer-Marketing hat er mit der 2015 gegründeten Intermate eine Agentur für Influencer-Marketing aufgebaut. Komplexe Kampagnen werden in einer eigenen Creative-Unit konzipiert und Influencer-Aktivierungen auf allen sozialen Plattformen umgesetzt, wobei eine selbst entwickelte Technologie zum Einsatz kommt.

Bildquelle: Intermate