Der E-Commerce gewinnt bei Konsumenten immer mehr an Beliebtheit. So erfreulich das für Onlinehändler ist, nimmt es sie auch in die Verantwortung: Innenstädte, die unter zunehmenden Lieferverkehr ächzen, nicht antreffbare und damit frustrierte Paketempfänger, gestresste Zusteller und hohe Emissionen sind nur einige der Folgen.
(Quelle: photoschmidt - Adobe Stock)
Nachhaltige Lösungen existieren bereits und es liegt an den Händlern, sich ihrer Verantwortung zu stellen und die Umweltbilanz ihrer Sendungen zu verbessern. Die Entlastung der Verkehrsinfrastruktur, bessere Luft in den Innenstädten und weniger Lärmbelastung sind positive Nebeneffekte, die allen zugutekommen.
Unsere Städte sind nicht auf den Paket-Boom ausgelegt
Ob auf dem Land oder in der Stadt: Die größten Herausforderungen der Paketzustellung stellt “die letzte Meile” vom Verteilzentrum zu den Empfängern dar. Zustellfahrzeuge, die in der zweiten Reihe oder auf Radwegen parken, gehören längst zum Straßenbild in den meisten deutschen Großstädten. Gerade jetzt, wo viele wieder öfter im Büro statt im Homeoffice arbeiten, sind Empfänger aber häufig nicht anzutreffen. Paketboten sind gezwungen, Sendungen entweder bei Nachbarn abzugeben oder sie wieder ins Zustellfahrzeug zu laden und ersatzweise bei einem Paketshop zuzustellen.
Schwerer wiegt der zweite Fall, bei dem unter hohem Ressourcenaufwand Pakete hin- und hergefahren werden. Der zusätzliche Verkehr hat reale Auswirkungen auf die Lebensqualität in Städten und bietet ein großes Einsparungspotenzial für Zustellkosten, Energie, Schadstoffe und Flächennutzung. Kurz gesagt: Die Infrastruktur unserer Städte ist nicht auf den Paketboom der letzten Jahre ausgelegt und der Lieferung an die Haustür ist wenig mit dem Ziel vereinbar, CO₂-Emissionen zu minimieren.
Klimabewusstsein ist bei den Konsumenten bereits angekommen
Nachhaltigkeit gehört für viele Konsumenten bereits zu einem entscheidenden Faktor für ein gutes Shopping-Erlebnis: Einer Umfrage von IPC zufolge wünschen sich 61 Prozent der Online-Käufer nachhaltige Liefermöglichkeiten. Für Onlinehändler ist dies also nicht nur eine moralische Verpflichtung, sondern eine Möglichkeit, sich vom Wettbewerb zu differenzieren und ein besseres Kundenerlebnis zu schaffen.
Doch was können Händler konkret tun? Hier gibt es zwei hauptsächliche Stellschrauben: erstens die nachhaltige Lieferung bis an die Haustür oder zweitens die Reduzierung der Haustürzustellungen.
Nachhaltige Lieferungen und die letzte Meile
Da das Nachhaltigkeitsproblem des Paketversands längst bekannt ist, gibt es bereits vielfältige Lösungsansätze. Die etablierten Zustelldienste bieten u.a. die Option der flexiblen Zustellzeitfenster oder die Möglichkeit der Live-Paketverfolgung, was zu einer höheren Zustellquote führen soll. Zudem bieten sie die Option, CO₂-Ausstöße zu kompensieren. Die Emissionen werden dadurch jedoch nicht ungeschehen gemacht, außerdem bleibt bei diesen Lösungsansätzen das Problem des erhöhten Verkehrsaufkommens.
Insgesamt ist die Branche noch stark von fossilen Brennstoffen abhängig. Obwohl sich die großen KEP-Dienstleister ambitionierte Ziele setzen, um den ökologischen Fußabdruck zu verkleinern, stagnieren die Initiativen teilweise. Als DHL Ende 2021 die Produktionsrechte an den Streetscootern verkaufte, kam das dem Eingeständnis gleich, dass die Nachfrage an elektrischen Zustellfahrzeugen dieser Art deutlich geringer ist als ursprünglich prognostiziert.
Innovative Ansätze für nachhaltige Lieferoptionen kommen vorwiegend von Start-ups. Darunter fallen CO₂-neutrale Versandlösungen für den E-Commerce. Mitunter setzen diese auf die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln, der Schiene, E-Lastenräder oder sogar auf die Auslieferung zu Fuß.
Geht es auch ohne "die letzte Meile”?
Eine Alternative zur nachhaltigen Lieferung besteht in der Umgehung der letzten Meile, wie etwa das während der Lockdowns popularisierte Click & Collect. Hierdurch wird das Problem jedoch hauptsächlich auf den privaten Individualverkehr verlagert. Einen weitaus größeren Effekt hat jedoch die Bünderlung der Paketströme auf der letzten Meile durch die Zustellung an Pick-Up-Points, wie automatisierten Paketstationen, oder Paketshops, also Geschäften, die als Kooperationspartner der Zusteller fungieren und Pakete annehmen. Diese Angebote werden jedoch sehr zögerlich angenommen, weil sie von den meisten Kunden als unbequem wahrgenommen werden.
Die Kooperationspartner, häufig Kioske, betreiben das Paketgeschäft verständlicherweise nur als zusätzliche Einnahmequelle, die Kundschaft in ihre Läden bringen soll. Ob bei den Öffnungszeiten, beim Kundenservice oder der Abdeckung: Für Kund:innenen ist diese Lösung meist alles andere als ein optimales Erlebnis. Für die Zustelller wiederum ist der Aufbau eines dichten Netzwerkes von eigenen Partnergeschäften eine große Herausforderung. Die Geschäfte nehmen bislang häufig nur die Sendungen eines einzigen Vertragspartners an.
Stand: 16.12.2025
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Die ideale Lösung sind Pick-Up-Points, die Sendungen aller Zusteller annehmen, und in laufweite der Kund:innen liegen. Genau diese Idee verfolgen wir bei PaketConcierge. Kund:innen können eine einzige Anlaufstelle für alle ihre Sendungen in ihrer unmittelbarer Nähe wählen. Paketdienste profitieren davon, da sie den nächstgelegenen Paketshop anfahren können und dabei gebündelt Pakete mehrerer Kunden auf einmal zustellen. So kann in erheblichem Maße Kraftstoff eingespart und damit der Emissionsausstoß verringert werden. Dieser Ansatz vereint Nachhaltigkeit und, durch die Möglichkeit alle Pakete über eine App verwalten zu können, die notwendige Convenience für den Empfänger.
(Gregor Herdmann ist Founder & Co-CEO PaketConcierge. Bild: PaketConcierge)
Onlinehändler in der Pflicht
Das Thema Nachhaltigkeit ist in der Logistikbranche angekommen und wird von den Konsumenten zunehmend eingefordert. Gerade die letzte Meile bietet hier ein erhebliches Potenzial. Für E-Commerce bietet dieser Wandel auch große Chancen als Teil der Lösung wahrgenommen zu werden und nicht länger als Teil des Problems. Vielfältige Möglichkeiten gibt es bereits: Statt auf gesetzliche Verpflichtungen zu warten, sollten Onlinehändler proaktiv nachhaltige Lösungen implementieren und fördern, um so mit einem guten Beispiel voranzugehen.
(Matthias Friese ist Managing Partner Xpress Ventures. Bild: Xpress Ventures)