Experten-Talk Digitale Vernetzung: Ist Automatisierung der Schlüssel zu weiterem Wachstum?

Ein Gastbeitrag von Carolina Heyder 13 min Lesedauer

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Die aktuelle Konjunktur und die geopolitische Lage stellen Online-Händler vor bedeutende Herausforderungen. Wir haben daher Branchen-Experten die zentrale Frage zum Thema digitale Vernetzung gestellt: „Was empfehlen Sie Unternehmen, die ihre Supply Chain vernetzt, widerstandsfähig und gleichzeitig nachhaltig gestalten wollen?“.

(Bild:  Denis – stock.adobe.com)
(Bild: Denis – stock.adobe.com)

Prof. Dr. Alexander Pflaum 
ist Leiter Arbeitsgruppe für Supply Chain Services des Fraunhofer IIS.

Bildquelle: Fraunhofer IIS / Glasow

Unsere globalen Versorgungsketten sind hauptsächlich linear aufgestellt und auf Effizienz und Wachstum getrimmt. Das hat Folgen: Auf Störungen können solche Ketten nur langsam reagieren und natürliche Ressourcen werden überpro­portional verbraucht. Hinzu kommt, dass oftmals die physischen Produkte im Fokus der Hersteller stehen, Services sind weniger Teil ihrer Geschäftsmodelle. Genau dort gilt es anzusetzen: Entscheidungen in Unternehmen müssen Resilienz- und Nachhaltigkeitsziele viel stärker als bisher berücksich­tigen, und die Geschäftsmodelle sollten auf Produkt-Service-Systeme ausgeweitet werden. Dabei schließen sich Ökologie und Ökonomie gegenseitig nicht aus – im Gegenteil. Nur wenn es gelingt, Versorgungsketten nachhaltiger und Supply Chains offener, flexibler und marktorientierter zu organisieren, können Unternehmen langfristig erfolgreich agieren. Dafür sollten sie an zwei Stellen ansetzen.

Daten nutzen für Prozesstransparenz

Daten können zu mehr Prozesstransparenz beitragen. Digitale Plattformen in der Cloud machen Daten mehr oder weniger in Echtzeit auch über Unternehmensgrenzen hinweg verfügbar. Damit kann Wertschöpfung auf ihren Nachhaltigkeitsaspekt hin bewertet und mit Werkzeugen aus Data Science und KI verbessert werden.

Digitale Vernetzung: Circular Supply Chain Management

Der gesamte Lebenszyklus eines Produkts muss mit dem Ziel eines geschlossenen Kreislaufs und vollständiger Wiederverwertung in den Blick genommen werden. Eingebettete Systeme ermöglichen smarte vernetzte Produkte und liefern die Basis für datenbasierten Kreislaufwirtschaftslösungen, die wiederum über entsprechende Plattformen in der Cloud an­geboten werden können. Aus den traditionell offenen und pipelineartigen Versorgungsketten von einst werden damit geschlossene Kreislaufsysteme.

Digitale VernetzungMoritz Weisbrodt
ist Founder und CEO von Alaiko.

Bildquelle: Alaiko

Durch Automatisierung und integrierte Technologien meistern Unternehmen Herausforderungen entlang der Supply Chain und legen gleichzeitig die Grundlage für künftiges Wachstum.

Herausforderungen durch digitale Vernetzung meistern

Auf Automatisierung setzen: Eine durchgängige Automa­tisierung der Logistik macht den Unterschied: Der Einsatz von Robotik und intelligenten, tech-getriebenen Prozessen steigert die Effizienz im Lager, reduziert Fehler und senkt die Betriebskosten. Dazu gehören z.B. die Lagerung und Kommissionierung mit Hilfe von Robotern, intelligente Technologien wie Pick-by-Light oder Dialoge, die am Packplatz durch die Prozesse leiten sowie eine Automatisierung möglichst vieler repetitiver Aufgaben mittels Software. So wird die Lieferkette gestrafft und ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Herausforderungen erhöht.

Integrierte Technologien nutzen: Es reicht nicht, auf viele verschiedene Technologien und Systeme zu setzen – sie müssen auch miteinander kommunizieren können. Eine zentralisierte Plattform ermöglicht die nahtlose Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten. So sorgt ein einheitliches, vernetztes technisches Ökosystem entlang der gesamten Lieferkette für Transparenz in Echtzeit und nahtlosen Informationsfluss. Datenbasierte Entscheidungsfindung: vorantreiben Datengestützte Entscheidungen optimieren Prozesse, identifizieren Verbesserungspotenzial und ermöglichen eine proaktive Reaktion auf Marktveränderungen. Der Einsatz von tief in die Logistik integrierter Software hilft, die Nachfrage besser zu prognostizieren, das Bestandsmanagement zu op­timieren und das Risiko von Überverkäufen oder Fehlbeständen zu minimieren. Das erhöht sowohl die Widerstandsfähigkeit als auch die Nachhaltigkeit, Verschwendung wird minimiert und die Gesamteffizienz verbessert.

Digitale VernetzungDennis Kunz 
ist Director Marketing der EPG.

Bildquelle: EPG

Eine zentrale Rolle spielt die Vernetzung der gesamten Supply Chain. Supply Chain Execution Suites (SES) sammeln und analysieren Daten aus verschiedenen Prozessen wie Lagerhaltung, Transport und Produktion. Durch die ganzheitliche Vernetzung ist es möglich, Daten aggregiert darzustellen – beispielsweise in sogenannten Supply Chain Control-Towern. Entscheidungsträger erhalten auf einem Dashboard einen Überblick über alle Abläufe. Durch eine präzise Datenanalyse entsteht die Möglichkeit, Engpässe oder ineffiziente Bereiche sofort zu identifi­zieren und Ressourcen besser zu verwalten. Dies führt zu einer Optimierung der Betriebsabläufe, einer Reduzierung von Bottlenecks und zu einer effizienteren Lieferkette.

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Widerstandsfähigkeit durch Flexibilität

Die Widerstandsfähigkeit der Lieferketten wird vor allem durch die Möglichkeit, flexibel auf Veränderungen zu reagieren, ­gestärkt. Ein SES ermöglicht eine schnellere Anpassung an Marktschwankungen oder andere unvorhergesehene Ereignisse. Durch Echtzeitdaten und intelligente Automatisierung können Unternehmen alternative Lieferquellen finden, Produktionsprozesse umstrukturieren und Lieferungen optimieren – und somit Ausfälle minimieren.

Nachhaltigkeit ist ein weiterer wichtiger Aspekt, den SES fördern. Durch die Optimierung von Transportrouten, etwa durch intelligente Routenplanungs-Algorithmen, sind Unternehmen in der Lage, ihren CO2-Ausstoß zu reduzieren und gleichzeitig Kosten zu sparen. Aber auch im Lager verhindert beispielsweise ein optimiertes Bestandsmanagement die Verschwendung von Ressourcen.

SES ermöglichen es Unternehmen somit, ihre Lieferketten zu einem strategischen Vorteil zu entwickeln. Die ganzheitliche Vernetzung erhöht die Widerstandsfähigkeit gegenüber Störungen und fördert gleichzeitig nachhaltige Arbeitsweisen – entscheidende Punkte, um in einer sich ständig verändernden globalen Wirtschaft wettbewerbsfähig zu bleiben.

Digitale VernetzungMichael Hoffmann 
ist Geschäftsleiter DACH bei RELEX Solutions.

Bildquelle: RELEX Solutions

Um die Vernetzung zu ermöglichen, ist es von großem Vorteil möglichst wenige Schnittstellen zu haben. Das trifft sowohl auf die Menschen und Abteilungen als auch auf die Systemlandschaft zu. Kann die Supply Chain mit einem Tool abgedeckt werden, dass alle Knoten miteinander verknüpfen und die Warenströme prognostizieren, planen und steuern kann, reicht bei dieser Voraussetzung auch ein Team von wenigen Menschen aus, dass dieses System für die Unternehmensbelange nutzt. Trotz moderner Techniken und KI lautet meine Empfehlung dieser Tage umso mehr: Investiert in Datenanalysten. Systeme können heute sehr viel mehr als noch vor Jahren, aber gleichzeitig sind auch die Anforderungen und der Marktdruck gewachsen. 

Ohne Menschen keine effektive digitale Vernetzung

Ohne Menschen, die die Daten lesen und die notwendigen Änderungen am System durchführen, wird es schwierig, eine im Vergleich zu Marktbegleitern widerstandsfähige SC aufbauen zu können. Die Nachhaltigkeit kann meines Erachtens durch stetige Iteration und Verbesserung erzielt werden. Die heutigen Systeme lernen viel selbständig und moderne Tools geben gar exakte Rückmeldungen bzw. Hinweise, wo denn etwas schiefgelaufen ist, was wiederum direkt genutzt werden kann, um das System an dieser Stelle für die Zukunft nachzujustieren. Durch dieses Feedback und Verbesserungs-Schleifen liefern die Systeme sehr schnell exzellente und immer besser werdende Ergebnisse, die man in der SC ablesen kann. Auch hier sind die zuvor erwähnten Datenanalysten/Spezialisten gefragt, wie ein Toningenieur, der das umfangreiche Mischpult auf die jeweilige Hallenakustik einstellen muss.

Jonas Krumland 
ist CEO und Gründer von Logward.

Bildquelle: Logward

Digitale Vernetzung ist der Schlüssel für transparente Lieferketten, die in Echtzeit auf Herausforderungen reagieren können. Dazu müssen Supply-Chain-Prozesse über eine zentrale Plattform abgebildet und gesteuert werden. So können Engpässe frühzeitig erkannt und vermieden, Ressourcen optimal eingesetzt und die Effizienz gesteigert werden. Plattformen unsere ermöglichen Logistikern einen umfassenden Überblick sowie schnelle Gegensteuerung per Klick, anstatt zeitkritische Informationen mühsam auszutauschen. Prozesse lassen sich am besten optimieren, wenn sich neue Technologien nahtlos in die individuellen Arbeitsweisen und die Lieferkette einfügen. Mitarbeiter müssen die Tools souverän beherrschen, um flexibel auf Marktanforderungen zu reagieren.

Faktor Mensch

Ein effektives Change-Management ist entscheidend und erhöht die Erfolgsrate von entsprechenden Projekten. Die Mitarbeiter spielen hierbei eine Schlüsselrolle. In den Veränderungsprozess einbezogene Mitarbeiter sind eher bereit, aktiv zur Verbesserung beizutragen. No-Code-Lösungen wie unsere setzen hier an: Sie reduzieren den Change-Management-Aufwand, indem sie sich leicht an bestehende Prozesse anpassen lassen, und ermöglichen eine direkte Nutzung durch Fachabteilungen ohne tiefgreifende Programmierkenntnisse. Diese Mitarbeiterbeteiligung und -Agilität minimiert mehrere Risikofaktoren bei Digitalisierungsinitiativen.

Die Zukunft der SC braucht die digitale Vernetzung und die richtige Balance zwischen Menschen und Technologie. Nur so können Unternehmen eine erfolgreiche und nachhaltige Lieferkette sicherstellen.

Digitale VernetzungThomas Spieker 
ist Geschäftsführer und Vice President Sales EMEA bei der Shippeo Deutschland

Bildquelle: Shippeo

Unternehmen, die ihre Supply Chains resilient und nachhaltig aufstellen wollen, benötigen Transparenz. Sie müssen zuverlässig und in Echtzeit wissen, wo sich welche Waren befinden und wann sie ihr Ziel erreichen. Reicht das für mehr Resilienz? Reicht Resilienz? Widerstandsfähigkeit bedeutet, nach einer Störung den Status Quo Ante wieder herzustellen. Kurz nach der Pandemie war das ausreichend. Die Anforderungen an Supply Chains sind jedoch gewachsen.

Vielmehr müssen Supply Chain Manager und das ganze Ökosystem aus Störungen lernen und Lieferketten fortlaufend optimieren, um ein wiederholtes Auftreten von Disruptionen auszuschließen. Das Ziel ist sind antifragile Supply Chains. Sie nutzen Störungen, um sich selbst zu verbessern.

Auf resilient folgt antifragil

Dabei lösen antifragile Lieferketten Störungen nicht nur, sie betrachten diese als Lernmöglichkeiten. Sie nutzen Unsicherheiten für Verbesserungen und wandeln Störungen in Stärken um. Durch Echtzeit-Anpassung und vorausschauende Optimierung auf Basis von Visibility-Plattformen, lassen sich Ri­siken proaktiv identifizieren. Der Schlüssel hierzu sind Daten. Mit ihnen werden Supply Chains widerstandsfähiger, während antifragile Lieferketten einen Schritt weitergehen und mehr aus den vorhandenen Daten machen. Mögliche Störungen werden nicht bloß vorhergesagt. Szenarien, in denen Disruptionen entstehen, treten gar nicht erst ein.

Daher setzen immer mehr Unternehmen auf datengetriebene Visibility-Plattformen, beispielsweise unsere, die Insights liefern und Analysefunktionen zur Verfügung stellen. Dadurch lassen sich Prozesse fortlaufend anpassen und optimieren. Die eigenen Lieferketten werden resilient, aber vor allem antifragil. Darüber hinaus ergeben sich zwangsläufig Vernetzung samt Nachhaltigkeit, denn eine Supply Chain, die sich ständig optimiert, ist vernetzt und sorgt für einen niedrigeren CO2-Ausstoß im Transport. Transparenz ist dabei nur der Anfang.

David Strauss
ist VP Strategic Partner & Enterprise Solutions bei e2open.

Bildquelle: e2open

Die meisten Unternehmen verfügen bereits über die notwendigen Software-Lösungen, um ihre Supply Chain vernetzt und resilient zu gestalten. Auch die dafür nötigen Prozesse sind bereits etabliert. Das eigentliche Problem liegt meist nicht in der digitalen Transformation, sondern sitzt vor dem Bildschirm: Konnektivität und die dadurch entstehende Widerstandsfähigkeit gelingen nur, wenn die Abteilungen im Unternehmen aktiv und auf Augenhöhe zusammenarbeiten. „Vernetzt“ bezieht sich hier sowohl auf die Technologie als auch auf die menschliche Komponente. Das heißt, dass sich die Herangehensweise an Probleme und Herausforderungen ändern muss.

Silos aufbrechen für die digitale Vernetzung

Die für eine vernetzte Supply Chain notwendigen Daten existieren in den meisten Unternehmen bereits – nur sind sie in unterschiedlichen Abteilungen versteckt. Erst wenn Silos aufgebrochen werden und Daten abteilungsübergreifend er­hoben, ausgewertet und verarbeitet werden, kann ein Unternehmen langfristig erfolgreich und vor allem widerstandsfähig sein. Damit die Supply Chain davon profitiert, ist eine unternehmensinterne Zusammenarbeit auf Augenhöhe und mit koordinierten Zielen erforderlich, und aber auch eine mit den Partnern und Zulieferern.

Nur eine vernetzte SC, die alle notwendigen Echtzeitdaten und Prognosen bereitstellt, ist eine widerstandsfähige Supply Chain. Denn sie gibt gleichzeitig Auskunft darüber, woher genau die einzelnen Bestandteile eines Produktes kommen, welche Partner entlang der Supply Chain involviert sind und wo es Optimierungspotenzial gibt.

Eine nachhaltige SC erfordert Daten – und ist daher die Folge einer vernetzten Supply Chain. Bevor Unternehmen also in kostspielige Softwarelösungen investieren, sollten sie erstmal ihre Unternehmenskultur überprüfen und Wege finden, die Vernetzung zwischen einzelnen Menschen und Teams zu garantieren.

Digitale VernetzungTorsten Albrecht
ist VP und Head of Industry & Services DACH bei NTT DATA.

Bildquelle: NTT DATA

Um Lieferketten resilient und nachhaltig zu gestalten, müssen sie durchgängig vernetzt sein. Denn damit Waren- und Zahlungsströme fließen, brauchen alle Beteiligten einen reibungslosen Datenaustausch. Sprich: Von den Lieferanten der Lieferanten bis zu den Kunden und deren Kunden müssen sie flexibel, skalierbar und in verschiedene Richtungen kommunizieren können.

Lösungsansätze sind Event Driven Architectures und Data Spaces. Damit sind Statusinformationen zu Aufträgen jederzeit abrufbar und mehr noch: Wenn eine Lieferung auszufallen droht, können die benötigten Kapazitäten automatisch einem anderen Partner übertragen oder Produktionspläne geändert werden.

Event-Driven-Architecture automatisiert Warenströme

Dabei erfolgen sämtliche Anpassungen in den angeschlossenen Buchungs- und Steuerungssystemen der Prozessbeteiligten automatisch. Das technologische Prinzip dahinter ist ein sogenannter Broker, über den die vielen unterschiedlichen IT-Systeme automatisch alle Daten erhalten, die für sie relevant sind. Dieses Prinzip ermöglicht flexible Skalierbarkeit und Interoperabilität.

Data Spaces gewährleisten Datensouveränität und Compliance

Der zweite wichtige Bestandteil einer resilienten, nachhaltigen Lieferkette sind Data Spaces. Daten in einem Data Space sind charakterisiert durch eine technische und semantische Beschreibung sowie die unveränderliche Angabe der Eigentümerschaft. So erfüllen sie die Compliance-Anforderung der Datensouveränität. In Form von Smart Contracts können sie darüber hinaus Bedingungen enthalten, unter denen sie aufgerufen und bearbeitet werden dürfen. So lassen sich Nachhaltigkeitskriterien wie faire Arbeitsbedingungen beim Hersteller oder der CO2-Fußabdruck eines Produktes unveränderlich codieren und mit Geschäftspartnern entlang der SC bequem und verlässlich teilen.

Stephan Meyer 
ist selbstständiger Unternehmensberater und Geschäftsführer der LOGIVISOR Institute GmbH.

Bildquelle: LOGIVISOR Institute

Unternehmen stehen oft vor der Frage, ob sie für das logistische Fulfillment einen Logistikprofi suchen oder ob sie die Lagerlogistik doch selbst abwickeln sollen. Die Antwort darauf hängt vor allem von folgenden Faktoren ab: Umfang der Logistik, z.B. Flächen, Personalbedarf; Stabilität der (logistischen) Prozesse und Reifegrad der Organisation für ein Outsourcing.

Da Logistikdienstleister umfassende Erfahrung in der Konzeption, Realisierung und dem Betrieb großer Logistikabwicklungen haben, können sie eine sichere Lösung zu sein. Insbesondere dann, wenn man in der eigenen Organisation keine Mitarbeiter mit praktischer Logistik-DNA, dafür aber umfangreiche Logistikanforderungen hat.

„Uns reicht etwas nahe am Standard“

Outsourcing ist kein Selbstläufer. Gerade in der Kontraktlogistik kommt es auf die Steuerung des Dienstleisters an. Es geht nicht nur um Kontrolle, sondern darum, bereits in der Konzeptionsphase die gleiche Sprache zu sprechen und die eigene Erwartungshaltung in eine belastbare Konzeptionsgrundlage für den Dienstleister zu übersetzen. „Uns reicht etwas nahe am Standard“ ist zwar ein häufig proklamierter Satz, der aber in der Realität eine Illusion bleibt.

Fulfillment-Prozesse richtig einschätzen

Wichtig ist, zwei zentrale Fragen zu klären: Wie stark und wie häufig müssen die Fulfillment-Prozesse angepasst werden? Wie schnell und direkt sind Änderungen im Kerngeschäft auch in der Logistik „durchzusteuern“? Wenn sich viele Änderungen mit kurzem Vorlauf ankündigen, aber unmittelbare Auswirkungen auf das Logistik-Fulfillment haben, dann kann ein Eigenbetrieb die beste Lösung sein. Gerade Lagerlogistik-Lösungen in der Größenordnung von bis zu 100 Mitarbeiter sind für Industrie- und Handelsunternehmen gut beherrschbar, wenn man sich erfahrene Berater an Bord holt.

Digitale VernetzungAndreas Stöckl
ist VP Sales Zentraleuropa bei Exotec.

Bildquelle: Exotec

Für die Gestaltung einer Supply Chain gilt das, was das Orakel von Delphi schon im antiken Griechenland den Ratsuchenden mit auf den Weg gegeben hat: Erkenne dich selbst. Soll heißen: erst die Analyse! Wo stehst du, was willst du verbessern? Wo „hakt“ es bei den Lagerprozessen? Dann die Frage: Was ist dein Ziel? Auf welche zukünftigen Szenarien will sich das Unternehmen einstellen? Und dann erst folgt die Empfehlung.

Erst die Analyse, dann die Empfehlung

Das Stichwort Vernetzung führt zu einem ebenso neural­gischen wie elementaren Punkt im Robotiklager – dem Warehouse Execution System. Das WES sollte mehr können, als nur die „eigenen“ Roboter steuern. Für effiziente und gut aufeinander abgestimmte Prozesse ist es im Idealfall mit allen anderen Lagergeräten wie Fördertechnik, Kartonaufrichter und Etikettiersystem vernetzt. Mehr noch: Die Vernetzung sollte sich nicht auf das einzelne Lager beschränken. Die standort- und kundenübergreifende Standardisierung von Softwarekomponenten unterstützt den kontinuierlichen Verbesserungsprozess. So hebt man Optimierungspotenziale und schafft letztlich eine leistungsfähigere und robustere Supply Chain. Auch bei der Parametrierung bieten standardisierte Softwarebausteine einen erheblichen Vorteil: War früher für jegliche Anpassung ein hochspezialisierter Programmierer erforderlich, bedarf es dazu heute nur noch in seltenen Fällen einer Fachexpertise.

Leichte Roboter verbrauchen weniger Energie als schwere Fördersysteme

Wie überall gehört Nachhaltigkeit auch bei der Errichtung von Robotiklagern zu den großen Themen. Da geht es beispielsweise um Stromeinsparung: Leichte Kommissionierroboter, die sich nur auftragsbezogen bewegen, verbrauchen deutlich weniger Energie als ein Fördersystem im Dauerbetrieb. Nachhaltig heißt auch: Wie bei E-Autos können Kommissionierroboter durch Rekuperation Antriebsenergie zurückgewinnen. Auch darauf sollte man achten.

Gunnar Gburek 
ist Head of Business Affairs bei TIMOCOM.

Bildquelle: TIMOCOM

Die Gestaltung einer vernetzten, widerstandsfähigen und nachhaltigen Supply Chain ist unerlässlich und erfordert von den Unternehmen eine umfassende strategische Herangehensweise. Ein entscheidender Schritt ist die Digitalisierung und Vernetzung der gesamten Lieferkette. Die Implementierung von Steuerungssystemen, die auf künstlicher Intelligenz basieren, ermöglichen eine Echtzeitüberwachung entlang der Supply Chain und eine verbesserte Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure. Eine gründliche Risikoanalyse hilft dabei, po­tenzielle Risiken in der Lieferkette zu identifizieren und entsprechende Notfallpläne zu entwickeln. Denn nur dann lässt sich die Supply Chain aufrechterhalten, wenn wirklich etwas passiert ist. Langfristige Lieferantenbeziehungen müssen dann möglicherweise durch kurzfristige Alternativen ersetzt werden. Dies schafft eine widerstandsfähige Lieferkette, ermöglicht eine bessere Kontrolle über die Verfügbarkeit der Produkte und fördert die Partnerschaft innerhalb der Supply Chain.

Transparente Partnerschaft als Erfolgskriterium für die digitale Vernetzung

Es ist entscheidend, besonders in der Kommunikation sowohl innerhalb des eigenen Unternehmens als auch mit Lieferanten und Kunden flexibel und agil zu sein. Nur wer sein eigenes Handeln transparent macht, kann mit seinen Partnern kollaborativ zusammenarbeiten. Dabei können unabhängige Plattformen und Netzwerke eine neutrale Rolle spielen und alle Beteiligten gleichermaßen unterstützen.

Um die SC nachhaltig zu gestalten ist vor allem eine kontinuierliche Verbesserung und Infragestellung aktueller Prozesse von enormer Bedeutung, sowohl im ökonomischen als auch im ökologischen Sinne. Weil eine permanente Optimierung durch die digitale Vernetzung zu einer besseren Auslastung verfügbarer Ressourcen und Kapazitäten führt.