ECommerce Masterminds Podcast

Fokussiert zum Erfolg: Wachstums-Hacks für E-Commerce-Start-ups

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Die Rolle des Investors, Kennzahlen und gute Zusammenarbeit

Wie verstehst du die Rolle des Investors heute – und was macht aus deiner Sicht wirklich einen guten Investor aus?

Henrik Sabban: Für mich ist ein Investor jemand, der mehr bringt als ein dickes Bankkonto. Klar, ohne Geld geht‘s nicht. Aber der eigentliche Mehrwert steckt in Erfahrung, Netzwerk und der Bereitschaft, jederzeit einzuspringen, wenn es irgendwo hakt – und zwar ehrlich und auf Augenhöhe. Ein guter Investor ist schnell erreichbar, spricht auch unbequeme Dinge an, öffnet Türen zu Dienstleistern und Co-Investoren oder bringt einen externen Experten für ein bestimmtes Thema. Gerade im E-Commerce ist es wichtig, jemanden zu haben, der die Branche kennt, Sparring gibt und die richtigen Fragen stellt. Mir ist ein kurzer Draht enorm wichtig – und die Bereitschaft, nicht zu bevormunden, sondern zu ermöglichen.

Welche Kennzahlen sind für dich am wichtigsten, wenn du ein E-Commerce-Start-up bewertest?

Henrik Sabban: Die Paarung aus Wachstum und Profitabilität ist das A und O. Ein hoher Umsatz klingt gut, sagt aber gar nichts, wenn dahinter keine klare Marge und kein nachhaltiges Geschäftsmodell stehen. Dasselbe gilt für Kundenbindung: Uns interessieren Kennzahlen wie Customer Lifetime Value, Customer Acquisition Cost und die Retention Rate. Je besser du hier aufgestellt bist und je besser du diese Steuergrößen verstehst, desto besser kannst du wachsen. Was wir uns auch anschauen: Wie stabil sind die Prozesse, wie belastbar ist das Team? Wird Skalierung wirklich sauber umgesetzt? Und gibt es eine Kultur, die Fehler zugesteht und gleichzeitig schnelles Lernen ermöglicht? Umsatz alleine ist am Ende kein verlässlicher Indikator – das zeigt sich immer wieder.

GLOSSAR

Direct-to-Consumer (D2C): Geschäftsmodell, bei dem Marken ihre Produkte direkt an Endkunden verkaufen, häufig online ohne Zwischenhändler.

Customer Lifetime Value (CLV): Der prognostizierte Gesamtwert eines Kunden für ein Unternehmen in der gesamten Dauer der Kundenbeziehung.

Customer Acquisition Cost (CAC): Die Kosten, die aufgewendet werden müssen, um einen neuen Kunden zu gewinnen.

Customer Acquisition Cost (CAC): Die Kosten, die aufgewendet werden müssen, um einen neuen Kunden zu gewinnen.

Exit: Verkauf oder Überführung des Start-ups an einen Käufer oder Investor, oft zur Gewinnmitnahme oder strategischen Neuausrichtung.

Wie funktioniert aus deiner Sicht eine gute Zusammenarbeit zwischen Investor und Start-up im Alltag?

Henrik Sabban: Das ist für mich vor allem eine Frage der offenen Kommunikation. Es muss klar sein, dass die Gründer jederzeit auf uns zukommen können — sei es für Feedback, einen Kontakt oder eine schnelle Einschätzung bei operativen Themen. Genauso wichtig ist der Respekt vor der Autonomie des Gründerteams. Wir sind da, wenn unsere Unterstützung gebraucht wird, drängen uns aber nicht auf. Es gibt Teams, die wünschen sich vor allem Hilfe beim Set-up von Finanz- und Reporting-Strukturen, andere profitieren hierzu mehr von unserem Netzwerk in Bezug auf Dienstleister oder Internationalisierung. Manchmal ist es täglicher Austausch, manchmal eine strategische Diskussion alle paar Wochen — und genau das macht für mich ein gutes, vertrauensvolles Verhältnis aus.

Uns interessieren Kennzahlen wie Customer Lifetime Value, Customer Acquisition Cost und die Retention Rate. Je besser du hier aufgestellt bist und je besser du diese Steuergrößen verstehst, desto besser kannst du wachsen.

Henrik Sabban, Vice President der Good Brands AG

Gab es eine Lektion, die du all deinen Portfolio-Unternehmen mitgegeben hast?

Henrik Sabban: Wenn ich eins weitergeben kann: Fokus schlägt blinden Aktionismus. Gefühlt kommen in Start-ups ständig neue Ideen, Möglichkeiten und vermeintliche Chancen um die Ecke. Die erfolgreichsten Unternehmen bleiben aber stur auf ihrem Weg, treffen Entscheidungen auf klaren, datengetriebenen Grundlagen und lassen sich von Rückschlägen nicht aus der Bahn werfen. Es braucht Mut, Feedback zuzulassen, und Ausdauer. Nur so gelingt es, als Marke über Jahre relevant und erfolgreich zu bleiben.

Welchen Rat gibst du Gründern im E-Commerce?

Henrik Sabban: Konzentriere dich auf eine scharfe, glaubwürdige Geschichte, in der du wirklich authentisch bist. Investiere sehr früh und konsequent in dein Controlling und die Erfassung relevanter Daten. So weißt du immer, wie gut dein Geschäftsmodell funktioniert und wo Schwachstellen liegen. Suche dir echte Sparringspartner. Bleib offen, lerne von anderen, gib nicht auf, wenn es mal nicht läuft. Du musst nicht jedes Problem direkt selbst lösen können – aber du musst wissen, wo du Hilfe findest. Und: Bleib dran. Unternehmerischer Erfolg ist immer eher ein Marathon als ein Sprint.

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