Während das Finanzwesen immer stärker auf den Einsatz von KI zusteuert, geht es dabei bisher vor allem um Geschwindigkeit, Skalierbarkeit und ROI. Doch hinter dem Automatisierungs-Hype steckt eine viel dringlichere Herausforderung: Governance. Ohne sie droht KI zu einer Blackbox von Compliance-Lücken zu werden.
Die nächste Generation von Finanzverantwortlichen wird KI-Tools nicht nur einsetzen, sondern auch Kontrollsysteme entwickeln, die diese Technologien vertrauenswürdig, transparent und überprüfbar machen. Von der Einrichtung von Validierungsprotokollen bis hin zu klar definierten menschlichen Freigabeentscheidungen – Governance ist die Infrastruktur, die CFOs brauchen, um KI sicher und glaubwürdig zu skalieren. Die neuen GPAI-Regeln der EU werden vorhersehbare Richtlinien für seriöse Entwickler schaffen, die ihre KI-Modelle zielgerichtet angepasst und frühzeitig in zweckgebundene KI investiert haben.
Der EU-AI-Act macht unverzichtbare Eigenschaften wie Erklärbarkeit, Überprüfbarkeit und Datenschutz zu Marktstandards. Dieser Artikel untersucht, warum ein „Governance-First“-Ansatz in regulierten Branchen der einzige Weg ist. Er liefert den praktischen Rahmen, um Kontrollmechanismen für KI im Finanzwesen aufzubauen und erklärt, warum frühzeitige Investitionen in Governance nicht bremsen, sondern sogar für mehr Geschwindigkeit sorgen.
Die Vertrauenslücke von KI im Finanzwesen
Die meisten CFOs stehen heute an einem Wendepunkt: Einerseits berichten 92 Prozent der Unternehmen von einem positiven ROI aus ihren KI-Pilotprojekten. Andererseits skalieren lediglich vier Prozent dieser Initiativen tatsächlich unternehmensweit. Diese Differenz hat nichts mit Technologie zu tun. Es geht um Vertrauen. KI kann nur dann ein zentraler Bestandteil im Finanzwesen werden, wenn sie erklärbar, überprüfbar und mit den regulatorischen Standards vereinbar ist. Ohne solche Richtlinien besteht die Gefahr, dass jede automatisierte Prognose, jeder Anomalie-Hinweis oder jede Ausgabenklassifizierung zu einer Blackbox wird. Mit ihnen jedoch wird KI zu einem steuerbaren, strategischen Vorteil.
Dadurch verändert sich aber auch die Rolle des CFO. Statt wie früher das Kapital zu verwalten, übernimmt der CFO heutzutage die Rolle des Algorithmen-Verwalters. Das bedeutet nicht, dass er plötzlich programmieren muss. Es bedeutet, dass er den Verantwortungsrahmen übernimmt, wie KI im Finanzwesen eingesetzt wird. Er muss sich fragen: Welche Daten trainieren die Modelle, welche Annahmen stecken in den Prognosen, wer segnet die Entscheidungen der Maschinen ab, und lassen sich die Ergebnisse gegenüber Aufsichtsbehörden oder Wirtschaftsprüfern nachvollziehbar erklären? Im Zeitalter der KI ist der CFO deshalb nicht mehr nur Finanzverantwortlicher, sondern ein echter Systemarchitekt von Vertrauen.
Finanzwesen: Regulierung als Beschleunigungsfaktor
Regulierung wird oft als Hemmnis für Innovation angesehen. In Wirklichkeit ist aber das Gegenteil der Fall. Der EU-AI-Act und die neuen GPAI-Regeln sind keine Hürden, sondern Blaupausen: Sie schaffen Klarheit und Vorhersehbarkeit in einem Bereich, der bisher von Hype und Undurchsichtigkeit geprägt war.
Mit der gesetzlichen Verankerung von Governance-Standards haben CFOs sowohl die Pflicht als auch die Chance, sich einen Vorsprung zu verschaffen. Wer von Anfang an Erklärbarkeit, Überprüfbarkeit und Fairness in seine KI-Systeme integriert, bleibt nicht nur regelkonform, sondern kommt schneller voran, kann besser skalieren und gewinnt so das Vertrauen von Vorständen, Aufsichtsbehörden und Märkten.
Europa zeigt, wie dies im großen Maßstab funktionieren kann: Die GPAI-Regeln verwandeln Vertrauen in eine Designvorgabe. Compliance wird zu einer Funktion, auf die sich Kunden verlassen können, und nicht zur Belastung. Ein einziger EU-Konformitätsnachweis öffnet nun 27 Märkte und ersetzt das Flickwerk nationaler Regelungen. Und Investoren, die garantierte Sicherheit wollen, belohnen diese Klarheit. Das europäische Modell behindert Innovation nicht; es macht Zuverlässigkeit zu seinem Vorteil und beweist, dass Kapital Sicherheit folgt und nicht Nachlässigkeit.
Merkmale des Konzepts einer zielgerichtet angepassten KI
Das Konzept der zielgerichtet angepassten KI fasst diesen Wandel gut zusammen, nämlich ein zweckmäßiges Design, menschenzentrierte Architektur und eingebettete Governance:
Zweckmäßiges Design bedeutet, große Modelle in klar definierten Finance-Agents mit minimalen Zugriffsrechten zu verpacken.
Menschenzentrierte Architektur bedeutet, dass CFOs die Kontrolle behalten, wobei die KI Einsichten liefert und der Mensch ihre Entscheidungen genehmigt.
Eingebettete Governance bedeutet, dass jeder Dateninput, jeder Entscheidungsweg und jedes Ergebnis den Prüfungsanforderungen zugeordnet werden, sodass sie vom ersten Tag an zur Überprüfung durch Aufsichtsbehörden oder Kunden bereit sind.
Das GPAI-Regelwerk ist damit keine Einschränkung, sondern ein Beschleunigungsfaktor für alle Akteure, die frühzeitig in zweckmäßige, geregelte KI investiert haben. Die Konsequenzen unzureichender Governance zeichnen sich ebenfalls bereits ab: Eine fehlerhaft klassifizierte Ausgabe, die die Quartalsberichte verfälscht, ein Risikomodell, das verborgene Verzerrungen enthält, eine autonome Zahlung, die außerhalb geltender Richtlinien genehmigt wird. Das sind keine technischen Fehler – das sind unternehmerische Versäumnisse. Und wenn sie unter Verwendung von KI auftreten, sind sie zudem schwerer zu erkennen, schwieriger zu erklären und komplexer zu beheben.
Stand: 16.12.2025
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Warum Governance der Schlüssel zum Erfolg ist
CFOs müssen nicht auf perfekte Tools warten, um loslegen zu können. Aber sie müssen kontrollierbare Tools einfordern. In einer Welt voller undurchsichtiger Algorithmen und zunehmender regulatorischer Kontrollen ist das stärkste Argument eines Finanzverantwortlichen nicht, dass seine KI funktioniert, sondern dass sie vertrauenswürdig ist.
Die Gewinner dieser nächsten Phase des Finanzwesens werden nicht die sein, die am schnellsten handeln, sondern jene mit Selbstbewusstsein, die eine KI aufbauen, die erklärbar und überprüfbar ist, alles im Einklang sowohl mit dem Wortlaut als auch den Regulierungsanforderungen. Governance ist kein Hemmnis für die Einführung von KI im Finanzwesen Sie ist das Steuer.
Johannes Zimmermann ist Marketing Director DACH bei Payhawk. Das Unternehmen ist Anbieter einer Finance-Orchestration-Plattform, die das Ausgabenmanagement mit intelligenter Automatisierung und Echtzeit-Zahlungen vereint.