Lieferung am nächsten Tag, kontaktlose Übergabe und Lebensmittel per Klick – mit Beginn der Pandemie stiegen die Erwartungen der Verbraucher an den Onlinehandel. Innerhalb Deutschlands oftmals unproblematisch, doch wie sieht es grenzüberschreitend aus?
(Quelle: mowitsch - Adobe Stock)
Seit Beginn der Pandemie stürmen europaweit Menschen aller Altersklasse die Online-Shops und legen Zahnbürsten, Duschgel, die neue Mikrowelle, Bettwäsche, eine neue Kaffeemaschine, aber auch Mehl und Hefe für das selbstgemachte Brot in den digitalen Warenkorb. Viele Kunden merken dabei gar nicht, dass ihre bestellten Produkte nicht immer aus dem Inland kommen – einige stammen von Verkäufern aus Großbritannien, Spanien Frankreich und auch Deutschland.
Wertvoll sind die alltäglichen Produkte
Es waren vor allem die Produkte des täglichen Bedarfs, die von den Käufern online in den vergangenen Monaten stärker nachgefragt und auch über die Landesgrenzen hinweg eingekauft wurden – darunter Möbel, Dekoration, Produkte aus der Do-it-yourself-Sparte (DIY), Garten- und Sportprodukte und sogar Toilettenpapier und Handseife. Für Onlinehändler sind das positive Nachrichten, doch mit der gesteigerten Nachfrage wächst auch der Wettbewerb und so hat beispielsweise der französische Kunde bei dem Kauf eines neuen Duschkopfs die Qual der Wahl, sich zwischen Händlern aus Deutschland, Spanien oder Italien entscheiden zu müssen.
Genauso wie umgekehrt. Viele Verkäufer, die für ihren paneuropäischen Vertrieb bis dato ein lokales Fulfillment und eine Lagerung im eigenen Land betrieben haben, sind im Laufe der Coronakrise auf einen Partner mit europäischem Netzwerk umgestiegen. Sie haben dadurch sowohl von günstigeren Lieferkosten als auch verkürzten Lieferzeiten profitiert. Letztere ist während der Pandemie deutlich stärker in den Fokus der Kunden gerückt und für sie ein entscheidendes Kaufkriterium geworden. Deutsche Onlinehändler, die ihre Produkte also in Frankreich lagern und direkt von dort verschicken, haben durch die kürzeren Versandwege deutliche Vorteile gegenüber denjenigen, die noch auf die Lagerhaltung in Deutschland setzen.
Ein Drittel der Franzosen kauft grenzüberschreitend
Vor der Pandemie haben 33 Prozent der Franzosen mindestens einmal im Monat grenzüberschreitend eingekauft. Besonders gerne shoppen sie laut Marktforschungsinstitut Kantar Kleidung (38 Prozent), Schuhe (23 Prozent) und Sportkleidung (20 Prozent). Auch wenn die Cross-border-Einkäufe während Corona in Frankreich etwas zurückgegangen sind, geben noch knapp ein Drittel der Franzosen an, aufgrund dem Wunsch nach Vergleichsangeboten, über die Landesgrenze hinweg einzukaufen.
Auch Marktplatz Cdiscount beliefert 27 Länder in Europa und erlebte in den vergangenen Monaten eine hohe Anfrage nach Cross-border-Produkten. Um die ausländischen Händler bestmöglich zu unterstützen, hat das Unternehmen neue Logistikzentren in ganz Europa aufgebaut. Grenzüberschreitender Handel wird so für Händler einfacher: Sie müssen einzelne Waren nicht mehr selbstständig über mehrere Ländergrenzen verschicken – was während der Pandemie durch die intensiven Grenzkontrollen oft zeitaufwendiger war – sondern können ganze Warenbestände in der Nähe einlagern und von professionellen Fulfillment- und Logistik-Lösungen profitieren. Für die Kunden wird der Handel immer grenzenloser und es ist bald kaum noch zu unterscheiden, ob ein Produkt aus dem In- oder aus dem Ausland kommt.
(Nutzen Onlinehändler die Fulfillment-Angebote von Marktplätzen, müssen sie sich keine Gedanken um die Lagerung und Lieferung ihrer Produkte machen – ein großer Vorteil in Zeiten einer Pandemie. Bild: Cdiscount)
Grenzüberschreitender Handel: Nachhaltige Produkte und Verpackungen
So gut wie alle Altersklassen haben ihren Weg in den Onlinehandel gefunden. Das hat auch dem Cross-border-Handel einen Schub gegeben. Denn Käufer, unabhängig von Alter und Geschlecht, treffen ihre Kaufentscheidung kaum noch nach dem Standort der Produkte, sondern wählen sie stattdessen nach Preis oder Qualität aus. Die Corona-Pandemie hat außerdem dafür gesorgt, dass sich die Verbraucher mehr Gedanken über den Schutz der Umwelt machen und zunehmend ressourcenschonende Produkte und Lieferung auswählen.
Vielen Kunden wurde durch das vermehrte Bestellen im Onlinehandel, erst so richtig das enorme Verpackungsmüll-Aufkommen bewusst. Zudem fällt vor allem im grenzüberschreitenden Handel oft der Blick auf die langen Transporte und den CO2-Ausstoß. Um dem entgegenzuwirken, sollten Händler recyclebare Verpackungen anbieten.
Cdiscount testet hierfür unter anderem wiederverwertbare High-Tech-Pakete in Zusammenarbeit mit Living Packets (siehe e-commerce magazin 02/20, Seite 12). Das Start-up hat ein Mehrwegpaket entwickelt, das bis zu 1.000 Mal wiederverwendet werden kann.
Händler sollten vorbereitet sein: Grenzüberschreitender Handel wird immer bedeutender
Und auch Second-Hand-Produkte profitieren vom Wunsch der Verbraucher nach Nachhaltigkeit und finden immer mehr Anhänger. In Deutschland bietet About You bereits seit einigen Monaten gebrauchte Artikel an. Das deutsche Unternehmen Vinted, ehemals Kleiderkreisel, verkauft Kunden gebrauchte Modeartikel unter anderem aus Frankreich.
Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die großen, internationalen Marktplätze grenzüberschreitend verstärkt mit gebrauchten Produkten handeln – Onlinehändler sollten daher vorbereitet sein.
Stand: 16.12.2025
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