Logistiksysteme Humanoide Roboter: Automatisierung in der Logistik auf zwei Beinen

Verantwortliche:r Redakteur:in: Stefan Girschner 3 min Lesedauer

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Fachkräftemangel, geopolitische Unsicherheiten und globale Lieferketten zwingen Unternehmen, effizienter und resilienter zu werden. Wo klassische Automatisierung an ihre Grenzen stößt, gelten humanoide Roboter als alternative Technologie. Das Fraunhofer-Institut IML hat ihr Potenzial für die Logistikbranche untersucht.

(Bild:  © Gorodenkoff/stock.adobe.com)
(Bild: © Gorodenkoff/stock.adobe.com)

Die Anforderungen an Logistiksysteme sind heute so vielfältig, dass weder der Mensch noch klassische Automatisierungslösungen allein alle Herausforderungen bewältigen können. Um die Lücke zu schließen, gelten humanoide Roboter als flexible, generalistische Automatisierungseinheiten, die sich nahtlos in bestehende Prozesse integrieren. Doch wie sind der aktuelle Stand und die Perspektive der Robotik in der Logistikbranche? Das hat jetzt die Studie „Automatisierung auf zwei Beinen? Humanoide Roboter in der Logistik“ des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik IML untersucht. Mit ihrem branchenspezifischen Fokus und der Verbindung von Marktanalyse, Expertenperspektiven und strategischen Empfehlungen erweitert sie bisherige Erkenntnisse in diesem Feld.

Humanoide Roboter mit Transformationspotenzial für die Logistik

Die Marktanalyse identifizierte rund 80 unterschiedliche Systeme, die sich in Mobilität, Sensorik und Software unterscheiden und macht einen stark fragmentierten, überwiegend von außereuropäischen Anbietern geprägten Markt deutlich. Insgesamt stehe die humanoide Robotik noch am Anfang ihrer Entwicklung, biete jedoch langfristig ein erhebliches Transformationspotenzial für die Logistik, so die Studienautoren. 

„Form folgt Funktion! Humanoide Roboter sind als flexible Mehrzweckroboter zu verstehen, die in für Menschen gemachten Umgebungen agieren können. Die Entwicklung der dafür notwendigen Fähigkeiten ist ein Ziel, das wir im Rahmen der Hightech-Agenda des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt umsetzen möchten“, erklärt Prof. Alice Kirchheim, Institutsleiterin am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML.

Was ein humanoider Roboter benötigt

Humanoide Roboter benötigen integrierte Fähigkeiten, um Prozesse in der Logistik ganzheitlich unterstützen zu können. Humanoide Robotik umfasst ein breites Spektrum von vollständig menschenähnlichen Robotern bis zu spezialisierten modularen Systemen. Je nach Anwendungsfall können technische Konzepte wie mobile Plattformen oder spezialisierte Greifer praktischer und wirtschaftlicher sein als komplexe humanoide Lösungen. Zu den wichtigsten technologischen Fähigkeiten humanoider Roboter gehören:

  • Wahrnehmung mittels Sensorik zur Erfassung der Umgebung, relevanter Objekte und Menschen

  • Greifen mit gliedrigen Händen für eine vielseitige Handhabung heterogener Objekte

  • Fortbewegung auf zwei Beinen zur Mobilität in menschzentrierten Arbeitsumgebungen

  • Interaktion mit der Umgebung zur anpassungsfähigen Zusammenarbeit mit dem Menschen

Produktiver Einsatz der Roboter innerhalb der nächsten zehn Jahre

Die neue Studie des Fraunhofer IML untersucht systematisch das Potenzial humanoider Roboter für die Logistik.(Bild:  Fraunhofer IML)
Die neue Studie des Fraunhofer IML untersucht systematisch das Potenzial humanoider Roboter für die Logistik.
(Bild: Fraunhofer IML)

Die Studie zeigt, dass die Logistikbranche humanoide Roboter mit großem Interesse sieht, aber auch mit einer realistischen Einschätzung des aktuellen Entwicklungsstands. Rund drei Viertel der befragten Unternehmen erwarten einen produktiven Einsatz innerhalb der nächsten zehn Jahre. Aus Sicht der Unternehmen sollen humanoide Roboter nicht den Menschen ersetzen, sondern als flexible, generalistische Automatisierungseinheiten für bestehende Arbeitsumgebungen dienen.

Prof. Alice Kirchheim ist überzeugt: „Die Zeit zu handeln ist jetzt: Betreiber, Integratoren und Hersteller intelligenter Automatisierungslösungen in der Logistik sind gefragt, Testfelder aufzubauen und offene Standards und Partnerschaften voranzutreiben. Gleichzeitig muss Europa stärker in die Entwicklung autonomer Systeme investieren, um seine Technologiesouveränität sicherzustellen.“ Vor dem Hintergrund eines derzeit stark von außereuropäischen Anbietern geprägten Markts empfehlen die Forschenden zudem, Sicherheitsstandards für den Mensch-Roboter-Mischbetrieb zu entwickeln und die Digitalisierung logistischer Prozesse konsequent auszubauen.

Humanoide Roboter benötigen eine völlig andere Intelligenz. Sie müssen sich dynamisch orientieren, Entscheidungen treffen und sich ständig an wechselnde Umgebungen und Aufgaben anpassen. Ihre Software basiert auf KI-gestützten Architekturen, die unterschiedliche Fähigkeiten miteinander verbinden – Wahrnehmung, Greifen, Navigation und Interaktion.

Prof. Dr. Alice Kirchheim, Fraunhofer IML

Die an der Studie beteiligten Forscher und Forscherinnen des Fraunhofer IML präsentieren die Ergebnisse der Studie „Automatisierung auf zwei Beinen? Humanoide Roboter in der Logistik“ vom 24. bis 26. März 2026 auf der LogiMAT in Stuttgart in Halle 1 am Stand 1K61.

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