Das Online-Geschäft erlebt seit Jahren einen ungebrochenen Wachstumsschub. Bis 2027 werden im E-Commerce weltweit Umsätze von fast acht Billionen Dollar erwartet, ein Anstieg von 37 Prozent gegenüber 2023. Für Unternehmen eröffnet sich dadurch enormes Wachstumspotenzial. Allerdings müssen hierbei indirekte Steuern berücksichtigt werden.
(Bild: Miha Creative/Adobe Stock)
Die Vorteile des grenzüberschreitenden Handels lassen sich nutzen, um Geschäftstätigkeiten global auszuweiten und das Einkaufserlebnis mithilfe leistungsstarker Kundenanalysen im E-Commerce gezielt zu erweitern und zusätzliche Produkte anzubieten. Doch Wachstum bedeutet auch zunehmende Komplexität. Eine besonders große Herausforderung für Akteure im Online-Handel sind indirekte Steuern: Um jederzeit in jedem Land ohne Einschränkungen verkaufen zu können, müssen Unternehmen in der Lage sein, alle relevanten Steuern zuverlässig zu berechnen und den Vorschriften verschiedener Länder-Gerichtsbarkeiten weltweit zu entsprechen – ohne dabei das nahtlose Kundenerlebnis zu beeinträchtigen.
Läuft das Management der indirekten Steuern bei grenzüberschreitenden Verkäufen nicht reibungslos im Hintergrund ab, kann es Verzögerungen und Probleme für Steuerabteilungen verursachen. Während die OECD an einem kooperativen Ansatz für die internationale Steuerregelung arbeitet, haben viele Länder eigene Maßnahmen ergriffen, um ihre Steuereinnahmen aus bestimmten digitalen Aktivitäten zu schützen. Ein Ansatz hierfür ist die Einführung von Steuern auf digitale Dienstleistungen (Digital Services Taxes, DSTs).
Herausforderungen durch indirekte Steuern
Digital Services Taxes sind Abgaben auf Bruttoeinnahmen aus digitalen Dienstleistungen. Sie gewährleisten, dass Unternehmen ihren gerechten Anteil an Steuern in den Ländern zahlen, in denen sie tätig sind, auch wenn sie dort keine physische Präsenz haben. So führte das Vereinigte Königreich eine DST von zwei Prozent auf die Umsätze von Suchmaschinen, Social-Media-Plattformen und Online-Marktplätzen ein, die im Land operieren. Sie gilt für Unternehmen mit weltweiten Umsätzen von über 500 Millionen GBP und Umsätzen in UK von mehr als 25 Millionen GBP. Das enorme Tempo der Veränderungen bringt zusätzliche Komplexität mit sich. Um den Regeln für indirekte Steuern im E-Commerce gerecht zu werden, stehen Unternehmen vor folgenden Herausforderungen:
Sie müssen sich in jedem Land registrieren, in dem sie Online-Verkäufe tätigen.
Sie müssen die Steuervorschriften des Landes berücksichtigen, in das die Waren versendet werden.
Sie sind mit komplexeren steuerlichen Anforderungen des jeweiligen Landes konfrontiert, zum Beispiel bei Rechnungsstellung und Rücksendungen.
Marktplätze entscheiden, ob sie als „deemed supplier“ gelten.
Expansion über digitale Kanäle als Wachstumschance
Mit den internationalen Transaktionen und Umsätzen steigen auch die steuerlichen Herausforderungen. Viele Unternehmen überwinden die dadurch entstehenden Hindernisse, indem sie sich auf das Kundenerlebnis konzentrieren. Laut dem Bericht „Frictionless E-Commerce and Global Growth“ von Vertex haben 68 Prozent der Unternehmen in den letzten zwei Jahren mit mehr internationalen Kunden geschäftlich zu tun.
Aufgrund dieses Booms sehen 59 Prozent der Befragten die Expansion über digitale Kanäle als eine zentrale Wachstumschance, wobei die Hälfte ihren Fokus auf E-Commerce verstärkt. 68 Prozent der Teilnehmer betrachten den reibungslosen Handel als eine strategische Priorität für nachhaltigen Erfolg. Gleichzeitig erkennen sie die Notwendigkeit, die uneinheitlichen internationalen Steuervorschriften zu überwinden.
Wie gelingt ihnen das? Bei der Umfrage von Vertex stimmten die Befragten überein, dass umfassende Fähigkeiten im Bereich der indirekten Steuerverwaltung entscheidend für erfolgreiches Wachstum sind. Etwa zwei Drittel der Unternehmen gaben an, dass die Konsolidierung und Optimierung von Steuerverwaltungs-Technologien in den folgenden vier Bereichen für ihre Online-Verkaufsinitiativen von großer Bedeutung sind:
Verwaltung von in- und ausländischen Steuern auf derselben Plattform
Verwaltung von Off- und Online-Verkäufen auf derselben Plattform
Verwaltung der indirekten Steuer für sowohl physische als auch digitale Produkte in einem einzigen Online-Warenkorb
Verwaltung von US-Verkaufssteuern und VAT/GST in einem System.
Indirekte Steuern: Verbesserung der Systemintegration
Diese technischen Fähigkeiten sind entscheidend, um reibungslosen E-Commerce über Grenzen hinweg zu ermöglichen und Unternehmen beim Wachstum zu unterstützen. Viele der Befragten berichten, dass das Erreichen ihrer strategischen Ziele im Omni-channel und im reibungslosen E-Commerce Anpassungen an ihren Systemen, um indirekte Steuern zu verwalten, erfordern würde. Die wichtigsten Änderungen umfassen eine Verbesserung der Systemintegration, eine Steigerung der Genauigkeit bei Steuerberechnungen in Echtzeit und die Implementierung einer robusteren Steuer-Engine.
Stand: 16.12.2025
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Um weiterhin Umsatzwachstum zu erzielen, sind Unternehmen zunehmend bereit, in neue Vertriebskanäle zu diversifizieren. Jeder Aspekt des Geschäftswachstums und -wandels kann indirekte Steuerfolgen haben. Für den reibungslosen Online-Handel der Zukunft müssen Unternehmen schon heute die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die damit verbundenen Herausforderungen in jeder Phase zu meistern. Indirekte Steuern dürfen nicht als nachträglicher Gedanke behandelt werden. Sie sollten vielmehr eine strategische Priorität sein und in die globalen Geschäftsstrategien integriert werden, anstatt mit isolierten Lösungen für jedes akute Bedürfnis abgearbeitet zu werden.
Niall Kiernan ist Senior Director of Product für Europa und globales E-Commerce bei Vertex. Er ist zuständig für die Bereiche Online-Sales indirekte Steuern, von der Steuerberechnung bis hin zur Einreichung und Abführung. Zu seinen Aufgaben gehört es, das Business von Vertex bei der Definition und Umsetzung der Roadmaps für das E-Commerce-Portfolio zu unterstützen.