Weniger Push, mehr Planbarkeit Influencer-Marketing 2026: Vom Hype zum Handwerk – was der E‑Commerce wirklich braucht

Von Konstantin Pfliegl 6 min Lesedauer

Das Influencer-Marketing im Jahr 2026 wird planbarer: Short-Video dominiert, Instagram konvertiert. Budgets wachsen mit System – doch der ROI bleibt Knackpunkt. Das sollten E-Commerce-Händler jetzt konkret tun.

(Bild:  © rh2010/stock.adobe.com)
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DARUM GEHT'S

Influencer-Marketing: Budgets steigen, aber kontrollierter und weniger impulsiv, Setups werden standardisiert, Messung wird präziser.

Messbarkeit: Engagement, Reichweite, Sales zählen – klarer ROI ist noch schwierig.

Formate und Plattformen: Short-Videos führten, gefolgt von Stories und User Generated Content (UGC). Bei Conversions ist Instagram die erste Wahl.

E-Commerce und Influencer: Konkrete To-Dos und Quick-Wins in 90 Tagen.

Junge Leute zeigen die aktuellsten Mode-Trends, Mütter preisen pädagogisch wertvolles Spielzeug an und Sportler mischen sich werbewirksam irgendwelche Fitnessdrinks zusammen – immer mehr Händler setzen beim Marketing auf Kooperationen mit Influencern oder Content Creator. Sie haben über Social Media einen besonderen Zugang zu bestimmten Zielgruppen und können damit für den Handel als wertvolle Marketing-Kanäle fungieren.

Influencer-Marketing 2026 ist weniger Raketenwissenschaft als Handwerk. Wer Reichweite und Verkäufe verlässlich verbinden will, setzt nicht auf den nächsten Hype, sondern auf wiederholbare Abläufe.

Konstantin Pfliegl, leitender Redakteur e-commerce magazin und DIGITAL BUSINESS

Influencer steigern das Vertrauen in beworbene Produkte, finden 44 Prozent der Handelsunternehmen in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kam eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom aus dem vergangenen Jahr. Doch tatsächlich machte der deutsche Handel von Influencer-Kooperationen 2025 noch kaum Gebrauch: Nur 13 Prozent der Händler arbeiteten bereits mit Influencern zusammen, weitere 9 Prozent haben zumindest darüber nachgedacht.

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Budgets mit Augenmaß

Nach Jahren des Aktionismus steht 2026 die Planbarkeit ganz oben, so der Report „The State of German Influencer Marketing“ von Mai Xpose360 und dem Bundesverband Influencer Marketing (BVIM). Budgets steigen, aber kontrollierter und weniger impulsiv, Setups werden standardisiert, Messung wird präziser – und Influencer-Marketing wird endgültig als Doppelkanal begriffen, der Markenwirkung und Performance gleichzeitig liefern muss. Für den E‑Commerce heißt das: weniger Feuerwerk, mehr Verlässlichkeit – und ein klarer Platz des Influencer-Kanals im Commerce-Stack.

Bei den Befragten – Influencer und Talent Manager sowie Brands und Agenturen – sehen 60 Prozent steigende Investitionen (55 Prozent leicht, 5 Prozent stark). Gleichzeitig spüren 85 Prozent wirtschaftlichen Druck auf die Budgetplanung (45 Prozent mittel, 40 Prozent stark). Große Sprünge in den Budgets dürften daher erste einmal seltener werden: Der Anteil starker Budgeterhöhungen sinkt von 18 auf 5 Prozent. Die Konsequenz: Statt Schnellschüssen zählen Planbarkeit, klare Setups und wiederholbare Abläufe.

Messen, was wirklich zählt

Gleichzeitig professionalisiert sich die Messung der einzelnen Kampagnen. Die Engagement-Rate ist mit 71 Prozent der meistgenannte KPI, gefolgt von Reach (60 Prozent) und Conversion beziehungsweise Sales (58 Prozent). Tracking-Links, Analytics-Tools und Gutscheincodes sind häufiger Standard. Dennoch bleibt die Kernfrage vieler Teams offen: Wie belege ich den ROI sauber – und was skaliert wirklich? Der Report benennt die Lücke klar: Daten sind da, aber sie beantworten noch nicht immer die entscheidende „Wirkungsfrage“.

Kooperationen im Influencer-Marketing: Von Einmalbuchung zu Beziehung

Kontinuität gewinnt an Bedeutung. Langfristige Partnerschaften werden nicht mehr als „Nice-to-have“ gesehen, sondern als Antwort auf Kostendruck und den Wunsch nach verlässlichen Ergebnissen. Der Blick auf die Laufzeiten zeigt aber auch die Realität: 42 Prozent der Kooperationen sind einmalig, 36 Prozent dauern drei bis sechs Monate. Genau hier liegt Potenzial für E‑Commerce-Teams: Ein kleiner, passgenauer Creator-Pool kennt Marke, Sortiment und Tonalität – und liefert Content in Serie.

Formate und Plattformen: Kurz, mobil, konvertierend

Die Formate für 2026 sind klar: Short-Video führt mit 90 Prozent, Stories folgen mit 74 Prozent. User Generated Content (UGC) liegt bei 32 Prozent. Die Botschaft für den Handel: Inhalte müssen mobil, vertikal und schnell sein – mit knackigem Hook, klarem Produktnutzen und eindeutiger Handlungsaufforderung. Ebenso wichtig: ein nahtloser Übergang auf Landing-Pages, die den Content-Stil fortführen.

Wenn es um die Conversions geht, dann ist Instagram die erste Wahl (91 Prozent), TikTok ist die Nummer zwei (53 Prozent), YouTube liegt bei 22 Prozent. Podcasts (13 Prozent) und Twitch (9 Prozent) spielen hingegen derzeit nur eine Nischenrollen.

Das sind Zahlen, die auch eine aktuelle Befragung des Bitkoms unterstreicht: Auch sie kommt zu dem Ergebnis, dass Instagram in Deutschland momentan dabei die meistgenutzte Plattform für Social Commerce ist: 15 Prozent der Internetnutzer kaufen dort direkt über die App oder über die Weiterleitung zu Onlineshops ein. Es folgen Facebook mit 14 Prozent und YouTube mit 11 Prozent. Dahinter liegen Tiktok (8 Prozent), Pinterest (4 Prozent) und Snapchat (3 Prozent).

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Geld, Reibung, Fairness

Die größten Hürden für Wachstum beim Influencer-Marketing sind ökonomisch und operativ: Kosten (80 Prozent), passender Creator-Fit (70 Prozent) und Messbarkeit/ROI (55 Prozent). 40 Prozent nennen zudem fehlende Ressourcen.

Auf Creator-Seite kommen weitere Pain Points dazu: zu wenig kreative Freiheit (60 Prozent), verspätete Bezahlung (53 Prozent), unklare Briefings (47 Prozent) und kurzfristige Deadlines (44 Prozent). Kurzum: Beide Seiten kämpfen oft mit unterschiedlichen Engpässen – Reibung ist vorprogrammiert, wenn Prozesse und Erwartungen nicht klar sind.

Trend im Influencer-Marketing: Stabilität schlägt Hype

Die Trendlage für 2026 ist aber deutlich: Authentizität und Transparenz führen (71 Prozent), langfristige Partnerschaften folgen (69 Prozent). Micro- und Nano-Creator gewinnen an Gewicht (43 Prozent), UGC-Kampagnen bleiben relevant (28 Prozent). Gleichzeitig ist das Umfeld anspruchsvoll: Marktsättigung (62 Prozent), steigende Kosten beziehungsweise Budgetdruck (58 Prozent) und Algorithmus-Änderungen (50 Prozent) gelten als größte Risiken. Der rote Faden: Vertrauen und Wiederholbarkeit schlagen kurzfristige Peaks.