Interview

Zahlungssouveränität: So vermeidet der E-Commerce Abhängigkeiten

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Online-Funktionen für die Girocard und Wero als Paypal-Konkurrent

Sie haben das Giro-Kartensystem angesprochen. Ein Girocard hat fast jeder im Portemonnaie und sie genießt ein hohes Vertrauen. Wie könnte eine Online-Funktion für die Girocard aussehen?

Barnabás Ferenczi: Die Girocard ist einerseits ein etabliertes Zahlungssystem und besitzt eine hohe Akzeptanz. Andererseits fehlen immer noch wichtige Features wie eine standardisierte, also flächendeckende, Issuer-unabhängige, Online-Funktionalität. Das erklärt, warum die Girocard zwar an Transaktionsvolumen wächst, aber seit Jahren gegen die internationalen Schemes an Marktanteil verliert.  

Ein Nachteil der Girocard: Viele Banken setzen mittlerweile eher auf kostenlose Debit-Kreditkarten von Visa oder Mastercard – mit denen man problemlos online zahlen kann. Eine Girocard kostet immer öfters extra… Ist vielleicht auch schon das Ende der Girocard absehbar?

Barnabás Ferenczi: Neobanken und manche Retail Banken setzen tatsächlich eher auf internationale Karten-Schemes, zum Teil aus internationalen Skalierungsgründen. Die Girocard ist weiterhin wettbewerbsfähig, weil sie bei Kundinnen und Kunden großes Vertrauen genießt und flächendeckend akzeptiert wird. Für Händler sind Girocard-Transaktionen günstiger. Und Banken könnten die Girocard als ein vorhandenes Asset betrachten, deren Marktwert durch Modernisierung deutlich steigen könnte.  

Die europäische Zahlungsinitiative (EPI) möchte nun mit Wero gegen den Platzhirschen Paypal antreten. Welche Chancen hat Wero Ihrer Meinung nach? Deutschlands Banken starteten mit Paydirekt und Giropay schon mehrmals solche Versuche – aber mit nur mäßigem Erfolg…

Barnabás Ferenczi: Wero ist mit seinem europäischen Ansatz zunehmend erfolgreich, und es kommen immer mehr Banken, PSPs und Nutzer hinzu. Die Erreichung einer solchen Schwelle ist für die Marktdurchdringung ja entscheidend. Entscheidend ist auch die flächendeckende Integration in Banken-Apps und die schnelle Akzeptanz bei Händlern, sowie eine “Incentivierung“ der Nutzer.

Wero bietet zum Beispiel schon Instant Payments in Echtzeit rund um die Uhr. Und Online-Bezahlung mit der Wero-Wallet auch zwischen Privatpersonen (Peer-to-Peer).

Neue Zahlungsmittel sind immer dann erfolgreich, wenn sie einen Mehrwert sowohl für Nutzer als auch für Händler bringen, und zwar besser, umfänglicher – oder mit einem lokaleren Ansatz – als andere Lösungen.

Barnabás Ferenczi, Head of Strategy for Financial Platforms bei G+D

Die Frage ist auch, ob die Kunden das Thema Zahlungssouveränität auch so kritisch sehen – und mit Paypal & Co. vielleicht ganz zufrieden sind. Wie lassen sich Verbraucher etwa von Wero überzeugen?

Barnabás Ferenczi: Neue Zahlungsmittel sind immer dann erfolgreich, wenn sie einen Mehrwert sowohl für Nutzer als auch für Händler bringen, und zwar besser, umfänglicher – oder mit einem lokaleren Ansatz – als andere Lösungen. Das haben wir in Ländern wie Spanien, Belgien, Niederlande oder in Nordeuropa gesehen, wo lokale banken-basierte Digital Wallets den Alltag dominieren.

Allzu viele Händler haben bislang auch nicht ihre Unterstützung von Wero angekündigt…

Barnabás Ferenczi: Dazu müssten Sie wahrscheinlich eher einen Händlerverbund fragen.

Kommen wir noch einmal zur Zahlungssouveränität zurück. Wenn wir ein wenig über den Tellerrand blicken: Wie machen das andere europäische Länder? Gibt es neben Frankreich da schon konkrete Beispiele für eigene, lokale Zahlungsmethoden?

Barnabás Ferenczi: Neben Giro bei uns haben Länder wie Frankreich mit Cartes Bancaires, Portugal mit MBWay, die Schweiz mit Twint oder Australien durch AP+ jeweils nationale Lösungen etabliert – technologisch modern, und sicher. Außerdem gibt es in Asien und Südamerika innovative Systeme, allerdings eher mit einem auf die Nutzer zugeschnittenen Low-Tech-Ansatz. Hier gelten große Märkte wie Indien mit UPI und Brasilien mit PIX als Vorreiter. 

Für den europäischen Raum ist hier natürlich auch der Digitale Euro als gemeinsame offizielle Währung zu nennen.

Zahlungs-SouveränitätKonstantin Pfliegl
ist leitender Redakteur für das e-commerce Magazin und Digital Business. Er verfügt über mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung als Journalist für verschiedene Print- und Online-Medien.

Bildquelle: Foto Marquart, Tutzing

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