Bitcoin, Diem, Ethereum, E-Euro: Digitale Währungen beherrschen die Schlagzeilen derzeit stärker als ihr physisches Pendant, das Bargeld. Werden sie schon bald auch den Handel beherrschen? Nein. Der E-Commerce darf sie trotzdem nicht ignorieren.
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Kryptowährungen als Zahlungsmittel? Händler in Deutschland haben es leicht: die Währung ist der Euro. Parallelwährungen in nennenswertem Umfang gibt es nicht. In einem wirtschaftlich stabilen Land mit starker Währung besteht auch kein Bedarf daran. Die Akzeptanz weiterer Währungen würde Händler nur belasten, denn Zahlungen außerhalb des Euros benötigen Fremdwährungskonten und tragen ein Kurs- und Kostenrisiko. Die Mehrwertsteuer muss in Euro abgeführt werden, auch die meisten Lieferanten liefern nur gegen Landeswährung.
Kryptowährungen als Zahlungsmittel: Chancen und Risiken
Genau diese Aspekte sind es, die den Einsatz weiterer Währungen erschweren. Bei aller Begeisterung für das technische Konzept von Bitcoins wird oft vergessen, dass es sich dabei nicht nur um eine weitere Zahlart für den Online-Checkout handelt. Zahlungen in Kryptowährung müssen genauso in Euro-Buchgeld verwandelt werden wie Scheine und Münzen im stationären Handel – solange nicht ein paralleles Netzwerk von Bitcoin-Akzeptanzstellen besteht.
Und Händler tun gut daran, diesen Umtausch schnell vorzunehmen. Denn der Bitcoin zeichnet sich durch eine hohe Volatilität aus. Kein seriöser Unternehmer würde seine Einnahmen der Gefahr aussetzen, dass sie nächste Woche 20 Prozent weniger wert sind, auch nicht, wenn sie mehr wert sein könnten. Hier setzen andere Konzepte an, die näher an den bestehenden Währungen angesiedelt sind. Am wichtigsten in unserem Wirtschaftsraum sind die Überlegungen der EZB zur Schaffung eines digitalen Zwillings, des E-Euros. Innovationen wie Bitcoin oder Diem, das Digitalwährungsprojekt von Facebook, haben Zentralbanken weltweit zum Handeln gezwungen.
E-Euro gekoppelt an bestehende Währungen
Die Vorteile dieser digitalen Zentralbankwährungen werden von eingefleischten Krypto-Jüngern zwar als Nachteile betrachtet, doch die Realität spricht eine deutliche Sprache: die Kopplung an bestehende Währungen – und deren Regulierungen – sorgen für Vertrauen und erleichtern die Akzeptanz. Der E-Euro, jederzeit 1:1 tauschbar in Zentralbankwährung, bietet keine Grundlage für Spekulation und hat das gesamte Vertrauen im Rücken, das auch der analoge Euro genießt. Praktisch gesehen wird die digitale Währung in Wallets aufbewahrt, also in Apps, die speziell für den Zahlungsaustausch vorgesehen sind. Wie sie miteinander kommunizieren und wie die Übertragung des zu zahlenden Betrags erfolgt, hängt stark von der Konstruktion und Distribution der digitalen Variante ab. Die EZB hat bereits durchblicken lassen, dass sie keinesfalls vorhat, die Geschäftsbanken zu umgehen und den E-Euro direkt an die Konsumenten auszuliefern, obwohl dies möglich wäre. Sicher möchte sie auch keinen direkten Kontakt zu Hunderten Millionen Kunden aufbauen und unterhalten.
Würde die Geldschöpfung nicht mehr durch die Geschäftsbanken geschehen – bereits das eine Revolution – so wären sie zumindest an der Aufbewahrung beteiligt. Somit wäre das Wallet für den digitalen Euro kaum mehr als eine Banking-App, wie sie schon heute praktisch jede Bank anbietet. Einen Vorteil dieser Aufgabenteilung sollten Kunden nicht unterschätzen: das Bankkonto als Backup schützt vor dem Schicksal zahlreicher Krypto-Eigentümer. Auf rund 115 Milliarden Euro wird der Wert von Bitcoins geschätzt, die in Wallets mit vergessenen Zugangsdaten lagern.
Mit einer Beteiligung der Banken bei der Einführung von Kryptowährungen als Zahlungsmittel ließe sich ein weiterer, für Händler wie Kunden wichtiger Aspekt lösen: die Rolle des Vermittlers bei Uneinigkeiten. Der Idealfall ist eine Transaktion mit perfekter Lieferung und glücklichem Kunden. Die Praxis zeigt: Rückabwicklungen und Streitigkeiten sind ein relevanter Faktor. Eine Transaktion in digitaler Währung von Wallet zu Wallet überträgt den Gegenwert sofort. Eine Zahlungsgarantie für den Handel ist nicht notwendig, da das Zahlungsmittel direkt übertragen und gebucht wird. Gut für den Shop, schlecht für den Kunden: bei einer Reklamation oder ausbleibenden Lieferung ist er auf den Goodwill des Händlers angewiesen.
Um eine Balance auf beiden Seiten herzustellen, wird ein Vermittler benötigt, der eine Rückabwicklung bewerten und ausführen kann, wie es die Kreditkarte mit dem Chargeback heute schon ermöglicht. Kann das Geld im Zeitalter der digitalen Währungen direkt übertragen werden, so stellen Services wie das Konto-Backup oder eine Schlichtung bei Konflikten neue Geschäftsfelder für Banken, aber auch FinTechs dar.
Stand: 16.12.2025
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Neue Einsatzgebiete für Kryptowährungen als Zahlungsmittel
Weitergedacht lassen die Möglichkeiten digitalen Geldes ganz neue Einsatzgebiete zu: da ein digitaler Euro programmierbar sein kann, lässt er sich ideal an digitale Geschäftsmodelle anbinden. Dazu zählen beispielsweise Smart Contracts, die in Abhängigkeit von bestimmten Parametern automatisch in Kraft treten und ebenso automatisiert Geldtransfers auslösen. Verbrauchsabhängige Zahlungen – eine Musteranwendung im Internet of Things – lassen sich mit einem digitalen Zahlungsmittel ideal spiegeln.
Der digitale Euro wird kommen, und er wird für den Handel relevant sein. Doch er kommt langsam: Spitzenvertreter der EZB haben durchblicken lassen, dass zunächst eine Begrenzung auf 3.000 Euro pro Kopf denkbar wäre. Gehen wir davon aus, dass auch für das digitale Konto Geldwäsche- und KYC-Prüfungen Pflicht werden, so sind größere Betrugsszenarien doch noch am leichtesten durch kleine Beträge zu vermeiden.
Ein ungewohntes Gefühl, wenn künftig eine Transaktion fehlschlagen könnte, nicht weil der Absender zu wenig, sondern der Empfänger zu viel Geld hat. Aber vielleicht ein guter Einstieg, denn bei aller Begeisterung für Kryptowährungen als Asset muss das digitale Geld seine Alltagstauglichkeit erst unter Beweis stellen.
Der Autor Ralf Gladis ist Mitgründer und Geschäftsführer des internationalen Payment Service Providers Computop – the payment people.