Experten-Talk DeepSeek: „Der Versuchung widerstehen“

Von Heiner Sieger 9 min Lesedauer

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Wir haben Security-Experten nach einer ersten Einschätzung gefragt, was DeepSeek für die Cybersecurity bedeuten kann, und wie Unternehmen mit einer möglichen Gefährdung durch das Tool umgehen sollen.

(Bild:  maurice norbert / Adobe Stock)
(Bild: maurice norbert / Adobe Stock)

Bogdan Botezatu, Director of Threat Research and Reporting bei Bitdefender

„Open Source ist nicht das Problem der IT-Sicherheit von DeepSeek. Je mehr der Kreis, der einen Code begutachtet – umso besser für die Bewertung der Sicherheit einer Anwendung. Im Gegenteil: Meiner Meinung nach schafft es zunehmende Rückversicherung, wenn man sich von der Verfügbarkeit von DeepSeek als Modell und Plattform ein Bild machen kann – ganz im Gegensatz zu anderen Blackbox-Diensten der künstlichen Intelligenz.

Bogdan Botezatu, Director of Threat Research and Reporting bei Bitdefender.(Bild:  Bitdefender)
Bogdan Botezatu, Director of Threat Research and Reporting bei Bitdefender.
(Bild: Bitdefender)

Das wirkliche Sicherheitsproblem ist die Frage, wo DeepSeek die Prompts speichert. Oft umfassen diese Prompts auch Daten und Dateien mit sensiblen, privaten oder vertraulichen Informationen oder auch intellektuelles Eigentum. Solche Speicherorte können unter Umständen nicht konform mit Datenschutzgesetzen – wie etwa der DSGVO – sein. Außerdem liegen nur wenige Informationen vor, wer innerhalb der Organisation Zugang zu den Prompts und Daten hat oder wie diese Daten für das Training der KI genutzt werden.

Das wirkliche Sicherheitsproblem ist die Frage, wo DeepSeek die Prompts speichert. Oft umfassen diese Prompts auch Daten und Dateien mit sensiblen, privaten oder vertraulichen Informationen oder auch intellektuelles Eigentum.

Bogdan Botezatu, Director of Threat Research and Reporting bei Bitdefender

Darüber hinaus und ganz aktuell ist nun auch bekannt, dass Sicherheitsforscher sich Zugriff auf eine DeepSeek-Database verschaffen konnten, die Nutzerprompts, interne Daten und API-Schlüssel offenlegt. Wir empfehlen auch bei DeepSeek wie immer, dass Nutzer die Hinweise zum Datenschutz lesen. So können sie verstehen, wie ihre Daten verarbeitet, geteilt oder anderweitig genutzt werden. Wenn beruflich genutzt, muss ein Zugang zu Large Language-Modellen (LLM) wie DeepSeek von den IT-Sicherheitsverantwortlichen im Unternehmen genehmigt werden.

Zusätzliche Sicherheit verschafft der bei DeepSeek mögliche Download und das rein lokale Implementieren bei einem Nutzer. Dabei muss er aber auch über die ausreichenden Hardware-Ressourcen verfügen, um die Anforderungen des Modells zu erfüllen. Das stellt sicher, dass keine Daten außerhalb des Netzwerks der Organisation oder des Nutzers gespeichert oder versendet werden.“

Guido Grillenmeier, Principal Technologist EMEA bei Semperis

Künstliche Intelligenz ist in vielerlei Hinsicht bahnbrechend. Die jüngste Veröffentlichung des großen Sprachmodells (LLM) von DeepSeek AI hat gezeigt, dass leistungsstarke und effiziente KI-Modelle nicht nur amerikanischen Tech-Giganten, die oft auf NVIDIA-Grafikprozessoren angewiesen sind, vorbehalten sind. DeepSeek hat auch ohne die Leistung von NVIDIA eine bemerkenswerte Leistung erzielt und damit den Markt erheblich gestört.

Guido Grillenmeier, Principal Technologist EMEA bei Semperis.(Bild:  Semperis)
Guido Grillenmeier, Principal Technologist EMEA bei Semperis.
(Bild: Semperis)

Der schnelle Erfolg von DeepSeek, das innerhalb einer Woche nach seiner offiziellen Ankündigung ChatGPT bei den App-Downloads überholt hat, unterstreicht den Wettbewerbscharakter von KI-Tools und die oft unkritische Annahme durch die Verbraucher. Während der Wettbewerb die Innovation vorantreiben kann, gibt die Tatsache, dass LLMs auf von Nutzern zur Verfügung gestellten Inhalten trainiert werden, in Kombination mit den chinesischen Eigentümern von DeepSeek und den Serverstandorten in China, Anlass zur Sorge. Benutzer verwenden KI-Tools bereitwillig für Aufgaben wie Umformulierungen, Berechnungen und Codierung, oft ohne die Auswirkungen auf die Datensicherheit zu berücksichtigen.

Das Fehlen strenger Datenschutzgesetze in China könnte unvorhergesehene Folgen für die Nutzer haben. Der mögliche Missbrauch von Daten und das Risiko von Cyberangriffen sind ein großes Problem. Daher ist Vorsicht geboten. Idealerweise sollten die Nutzer der Versuchung widerstehen, dieses neueste KI-Tool einzusetzen, bis robustere Datenschutzmaßnahmen eingeführt sind.“

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