Online-Lebensmittelhändler Knuspr ist in Deutschland auf Expansionskurs. Das Konzept kommt hierzulande prächtig an – im September soll ein neuer Standort in Hamburg eröffnen.
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Jan Gerlach, Commercial Director von Knuspr erklärt im Gespräch mit Chefredakteurin, Christiane Manow-Le Ruyet, wie der Newcomer in Sachen Lebensmittellieferung den Mitbewerbern und Krisen trotzt.
Boom bei der Lebensmittellieferung
Knuspr ist auf Wachstumskurs in Deutschland – was ist das Erfolgsgeheimnis und wie unterscheidet sich der Online-Lebensmittel-Händler von anderen Anbietern im Markt?
Jan Gerlach: Neben der schnellen Lieferung und dem unkomplizierten Service heben wir uns insbesondere durch die Sortimentsauswahl vom Wettbewerb ab: Unser umfangreiches Portfolio vereint die breite Produktpalette der Vollsortimenter mit der hohen Qualität und Frische eines Bauernmarkts: Obst und Gemüse, Fleisch und Fisch sowie Molkerei- und Bäckereiprodukte, die wir größtenteils ohne Umwege direkt vor Ort von lokalen Erzeugern beziehen, in einer Reihe mit attraktiven Marken wie Marks & Spencer Food, Feinkost Käfer und Alnatura.
Dieser einzigartige Mix aus Supermarkt und Hofladen bedient die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Produkten und ist in dieser Form bei keinem anderen Händler zu finden. Doch nicht nur das: Ein regulärer Supermarkt hat ca. 1.000 Kunden am Tag und Warenkörbe von durchschnittlich nicht einmal 20 Euro im Schnitt. Wir können in einem Logistikzentrum bis zu 10.000 Kunden bedienen – mit Warenkörben von durchschnittlich über 80 Euro.
Was sind Ihrer Meinung nach die besonderen Marktmale im deutschen Lebensmittelmarkt, in dem auch Big Player wie etwa Rewe und Edeka aktiv sind?
Gerlach: Der deutsche Lebensmittelmarkt zeichnet sich zunächst durch eine besonders hohe Dichte an stationären Lebensmittelhändlern aus. Darüber hinaus ist der Online-Anteil in Sachen Lebensmitteleinkauf noch relativ gering im internationalen Vergleich. Das ist aus unserer Sicht jedoch kein Nachteil, sondern ganz im Gegenteil eine riesige Chance. Denn der Trend geht auch hierzulande eindeutig in Richtung online und Lebensmittellieferung. Die Nachfrageseite unterscheidet sich sehr im Vergleich zu unseren europäischen Nachbarn. Denn in Deutschland ist der Bedarf an Bio-Produkten von hoher Qualität aus der Region viel höher. Und eben jener Bedarf wird von den „Big Playern”, wie Sie sagen, nur unzureichend gedeckt – obwohl alle dieses Thema für sich reklamieren, wohlgemerkt. Bei uns stammt mehr als 30 Prozent des Sortiments von regionalen Anbietern, wie Metzgereien und Bäckereien, wir sind daher zuversichtlich, dass wir langfristig erfolgreich sein werden.
(Bild: Knuspr)
Trend nach oben: Aber der Preis bleibt gleich
Deutsche Kunden sind dafür bekannt, sehr preissensitiv zu sein – macht sich das auch bei Ihnen bemerkbar?
Gerlach: Ja, aber das steht für uns nicht im Widerspruch zu höchster regionaler Qualität. Beide Wünsche zu vereinbaren ist durchaus möglich. Bei Knuspr bieten wir übrigens Standardartikel mit den gleichen Preisen wie im regulären Supermarkt an, mit unseren Eigenmarken-Produkten haben wir hervorragende Qualität im Preiseinstiegssegment und besonders stolz sind wir auf unsere hochqualitativen regionalen Produkte. So haben unsere Kunden alle Möglichkeiten in einem Format.
Die Pandemie hat dem Online-Lebensmittelmarkt in Deutschland einen Megaschub gegeben. Wird diese Entwicklung Ihrer Meinung nach angesichts der momentanen Krisen anhalten?
Gerlach: Ja, wir gehen fest davon aus, dass der Trend anhalten wird. Das Potential ist gewaltig. Die Modebranche hat unabhängig von einer Pandemie eine ähnliche Entwicklung durchgemacht – kaum jemand konnte sich vor zehn Jahren vorstellen, online ohne direkte Anprobe Kleidung zu kaufen – heute eine Selbstverständlichkeit. Das erwarten wir auch im Lebensmittelbereich.
Merken Sie bei Knuspr, dass die Kunden durch die aktuellen Krisen verhaltener einkaufen?
Gerlach: Wir können aktuell keine großen Änderungen im Kaufverhalten unserer Kunden vernehmen. Unsere Kunden legen weiterhin größten Wert auf eine bequeme und schnelle Lieferung von qualitativ hochwertigen, regionalen Lebensmitteln - die Nachfrage hier ist ungebrochen hoch.
Stand: 16.12.2025
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(Bild: Knuspr)
Lebensmittellieferung vs. Quick-Commerce
Neben dem Online-Lebensmittelhandel hat auch das Quick-Commerce-Lebensmittelgeschäft gewaltig an Fahrt aufgenommen. Sehen Sie dies als zusätzliche Konkurrenz an?
Gerlach: Die Quick Commerce Anbieter sehen wir nicht als direkte Konkurrenz, denn wir bieten eine viel größere Auswahl, inklusive preisgünstiger Exklusivmarken. Die Schnell-Lieferanten sind so etwas wie der Laden um die Ecke für Kunden, die etwas vergessen haben und schnell noch einen Artikel brauchen. Bei uns hingegen bekommen die Kunden alles für den kompletten Wocheneinkauf – neben allen benötigten Produkten aus dem Supermarkt auch feldfrische Lebensmittel aus der Gegend. Auf einen Klick, zum fairen Preis und innerhalb von drei Stunden geliefert. Die Unterschiede zeigen sich auch im Warenkorbwert – bei uns beträgt dieser im Schnitt 80 €.
Wie geht Knuspr mit den gestiegenen Lebensmittelpreisen um? Ist damit zu rechnen, dass sich unter anderem dadurch das Wachstum im Online-Lebensmittelmarkt abschwächen wird?
Gerlach: Das erwarten wir überhaupt nicht. Als Online-Anbieter haben wir hier deutliche Vorzüge: Wir beobachten die Wettbewerbspreise genau und achten darauf, immer mit allen Preisen auf Wettbewerbsniveau zu sein.
Wie gehen Sie mit den gestiegenen Energiepreisen um? Können Sie diese amortisieren oder sehen Sie sich gezwungen sie langfristig an Ihre Kunden weiterzugeben?
Gerlach: Unsere eigenen Energiekosten sind relativ zum Warenwert gering und haben keinen direkten Einfluss auf die Preise. Wir setzen im Unterschied zu Mitbewerbern auch nicht auf eine Vielzahl von Logistik-Zentren sondern aktuell auf eines pro Liefergebiet, wodurch wir ebenfalls Energie sparen. Einige Lieferanten mussten jedoch ihre Preise erhöhen, was dann auch wir in unserer Kalkulation berücksichtigen müssen.
(Bild: Knuspr)
Lieferkettenprobleme clever gelöst
Auch die Instabilität der Lieferketten belastet die Branche, da manche Produkte nur schwer erhältlich und wenn dann nur zu einem hohen Preis erhältlich sind. Wie versuchen Sie das aufzufangen? Welche Alternativen bieten Sie Ihren Kunden?
Gerlach: Das lässt sich vielleicht am konkreten Beispiel Sonnenblumenöl veranschaulichen. Hier haben wir gemeinsam mit der Rohlik Gruppe, unserer Muttergesellschaft, einen Lieferanten gefunden und können nun gesammelt in größeren Mengen importieren. Dadurch können wir die Verfügbarkeit gewährleisten - zu wettbewerbsgerechten Preisen.
Wie wird sich Ihrer Meinung nach der Online-Lebensmittelmarkt in den kommenden zwölf Monaten weiterentwickeln?
Gerlach: Wir rechnen weiterhin mit einem starken Wachstum bei der Lebensmittellieferung, was wir bei Knuspr mitunter durch unsere Expansion in neue Städte mittragen. So werden wir in Hamburg im September einen weiteren Standort eröffnen. Doch auch neue Mitbewerber werden dafür Sorge tragen, dass der Online-Anteil beim Lebensmitteleinkauf immer weiter ansteigt.