In den vergangenen Jahrzehnten haben technologische Fortschritte und wirtschaftliche Umbrüche die Lieferketten geprägt. Während Großveranstaltungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit lokalen Lieferanten organisiert wurden, stand bei den Olympischen Spiele in Paris eine nahezu digitalisierte und globalisierte Lieferkette im Mittelpunkt.
(Bild: j-mel/Adobe Stock)
Von lokaler Einfachheit zu globaler Komplexität
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Lieferketten bei Großveranstaltungen auf lokale und regionale Lieferbeziehungen angewiesen. Die Beschaffung von Lebensmitteln, Sportausrüstung und anderen notwendigen Gütern erfolgte in der Regel aus der näheren Umgebung und wurde manuell über Papierdokumente verwaltet. Diese Vorgehensweise, die für die damalige Zeit angemessen war, basierte vornehmlich auf Gemeinschaftsbeziehungen und informellen Netzwerken. Sie war jedoch auch stark von Wetterbedingungen und lokalen Unsicherheiten abhängig.
Mit der zunehmenden Urbanisierung und dem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur begannen sich die Austauschprozesse über lokale Grenzen hinaus auszudehnen. Kleine lokale Unternehmen mussten sich an den steigenden Wettbewerb anpassen und sich in größere logistische Netzwerke integrieren, um überleben zu können. Dieser Wandel von lokaler Einfachheit zu globaler Komplexität markierte einen entscheidenden Wendepunkt, an dem Effizienz und Schnelligkeit zu den wichtigsten Kriterien im Lieferkettenmanagement wurden.
Technologische Fortschritte während des Zweiten Weltkriegs leiteten eine neue Ära ein. Innovationen im Bereich Transport und Logistik, angetrieben durch militärische Bedürfnisse, veränderten die Lieferketten grundlegend. Die Einführung der ersten Computer in den 1960er Jahren revolutionierte das Management von Beständen und Materialflüssen, was zu einer höheren Effizienz und besseren Koordination führte.
Globalisierung und Automatisierung der Lieferketten
In den folgenden Jahrzehnten weiteten Organisationen weltweit ihre Lieferketten über den gesamten Globus aus. Die 1980er und 1990er Jahre brachten dann standardisierte Kommunikationstechnologien wie EDI (Electronic Data Interchange) und Barcodes hervor, mit denen Organisationen ihre Produkte besser verwalten und rückverfolgen konnten.
Die Auslagerung der Produktion in Länder mit niedrigen Lohnkosten, insbesondere in Asien, wurde zur gängigen Praxis und verwandelte die Lieferketten in komplexe und integrierte globale Netzwerke. Das Internet revolutionierte den Informationsaustausch, während „Just-in-Time“-Produktionsmethoden die Bestände reduzierten und die Effizienz verbesserten. ERP-Systeme und Prozessautomatisierung, die Organisationen in den 2000er Jahren einführten, optimierten die logistischen Abläufe weiter und machten die Lieferketten schneller, präziser und vernetzter.
Diese Integration ermöglichte beispiellose Koordination und Reaktionsfähigkeit. Sie brachte aber auch neue Verwundbarkeiten mit sich, die von Organisationen eine fortschrittlichere Risikomanagement-Strategie erforderten. Vergangene Großveranstaltungen wie die Olympischen Spiele 1988 in Seoul, die FIFA-Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich und die Olympischen Spiele 2008 in Peking verdeutlichen diese Transformation. Diese internationalen Wettkämpfe zeigten die Komplexität moderner Lieferketten, indem die Veranstalter Ausrüstungen und Nahrungsmittel aus aller Welt zusammenführten, um den Bedürfnissen von Athleten und Zuschauern gerecht zu werden.
Auf dem Weg zu einer widerstandsfähigen Lieferkette
Heute hat die Komplexität globaler Lieferketten ihren Höhepunkt erreicht – und sie geht mit großen Herausforderungen einher. Zuletzt machte die COVID-19-Pandemie deutlich, wie anfällig globale Lieferketten sein können. Um eine Resilienz gegenüber globalen Störungen zu gewährleisten, sind Unternehmen nun dabei, die Vorteile lokaler und regionaler Beschaffung wiederzuentdecken.
Das zeigte sich auch bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris: Die Veranstaltung erforderte eine hochentwickelte logistische Koordination und integrierte die neuesten Technologien, um ein reibungsloses und nachhaltiges Erlebnis zu gewährleisten. IoT-Systeme ermöglichten die Echtzeitüberwachung von Beständen und Ausrüstungen, während Lebensmittel hauptsächlich lokal bezogen werden, um den CO2-Fußabdruck zu reduzieren – ein erklärtes Ziel der Veranstalter. Die Stadien verwendeten außerdem umweltfreundliche Materialien und nachhaltige Praktiken, die einen wachsenden Trend zu verantwortungsvolleren Lieferketten widerspiegeln.
Die weitere Entwicklung der Lieferketten
Die Entwicklung der Lieferketten, von der lokalen Einfachheit zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis hin zur technologischen Raffinesse der Olympischen Spiele 2024, verdeutlicht einen tiefgreifenden Wandel. Jede Phase dieser Entwicklung war geprägt von Innovationen und globalen Herausforderungen, die die Art und Weise, wie Organisationen Güter produzieren, bewegen und konsumieren, geprägt haben.
Heute symbolisierten die Olympischen Spiele in Paris den Höhepunkt dieser Transformation, indem sie Technologie, Nachhaltigkeit und Resilienz integrierten – mit dem Ziel, allen Beteiligten ein außergewöhnliches Erlebnis zu bieten. Fest steht aber auch: Mit Blick auf die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles und darüber hinaus müssen Organisationen ihre Lieferketten weiterhin weiterentwickeln, um den wachsenden Anforderungen einer zunehmend vernetzten und umweltbewussten Welt gerecht zu werden.
Stand: 16.12.2025
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Martin Bilstein ist Regional Vice President für die DACH-Region bei Kinaxis. Er verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung im Aufbau und in der Leitung von Geschäfts- und Vertriebsorganisationen in der Softwarebranche – zuletzt bei Syncron, Infor und IBM. Bei seiner Arbeit legt er den Fokus auf operative Exzellenz, Kundenerfolg, Wachstum und Unternehmenskultur. Angetrieben wird er dabei von der Motivation, mit der Entwicklung von Prozessen und Interaktionen das Leben der Menschen zu verbessern.