Der heiße Shopping-Trend aus China nimmt jetzt bei uns Fahrt auf: Live Shopping macht Marken und Produkte auch im Onlinehandel erlebbar. Händler können so einen neuen Verkaufskanal erschließen, um gezielt die Kundenbindung zu stärken und die Umsätze zu steigern.
(Quelle: I AM NIKOM/shutterstock)
Live Shopping Software in der Praxis: Individuelle Beratung, Inspiration und Interaktion innerhalb der Community stärken die Shopping-Lust und somit die Kundenbindung – und liefern einen Boost in Conversion Rates. Gleichzeitig werden durch die Produkterlebnisse und Echtzeitberatung die Retourenquoten deutlich gesenkt.
Live Shopping Software: Was sich dahinter verbirgt
Live Shopping, auch bekannt als „Shoptainment“, ist ein aufstrebender Trend im E-Commerce, der ursprünglich aus China stammt und dort mittlerweile rund zwanzig Prozent des gesamten E-Commerce-Umsatzes ausmacht. Dabei können Zuschauer sich während themenspezifischer Liveshows Produkte ansehen, sie dem Warenkorb hinzufügen und durch den eingebetteten Checkout-Prozess direkt im Stream kaufen. Auch in den westlichen Märkten setzen immer mehr Händler auf den neuen, interaktiven Verkaufskanal und adaptieren das Konzept für ihre Märkte und Zielgruppen. So erwarten Marktforscher von Coresight Research für die USA, dass sich die Umsätze mit Live Shopping bis 2026 mehr als verdoppeln werden – und sodann mehr als fünf Prozent des dortigen E-Commerce-Umsatzes ausmachen würden.
In Deutschland nutzen inzwischen sowohl große Marken als auch spezialisierte Händler das Format zur gezielten Kundenansprache sowie für Verkaufsaktionen und Community Building. Und der Trend in der Bevölkerung ist eindeutig: Laut einer Studie von Simon Kucher können sich zwei Drittel vorstellen, in Zukunft auf diese Weise einzukaufen.
Social Commerce im eigenen Webshop
Im Gegensatz zu China, wo Live Shopping hauptsächlich über Social-Media-Plattformen wie TikTok stattfindet, setzen europäische Unternehmen zumeist auf die direkte Integration von Live Shopping in ihre eigenen Webshops. Auf diese Weise können Artikelseiten und Landingpages aus dem Shop unkompliziert als Produktkacheln in den Stream eingebunden werden. So können Zuschauer sich während der Liveshow Produkte ansehen, Warenkörbe befüllen und bequem im Onlineshop bezahlen, während die Show parallel in einem Miniplayer weiterläuft. Kunden erleben ihren Einkauf also ohne Medienbrüche innerhalb des vertrauten Shops, während Händler Datensicherheit und Kontrolle gewährleisten.
Das Besondere am Live Shopping ist die Interaktion von Händlern, Marken und Influencern mit den Zuschauern via Live-Chat. Individuelle Beratung, Inspiration und Interaktion innerhalb der Community stärken die Shopping-Lust und somit die Kundenbindung – und liefern einen Boost in Conversion Rates. Gleichzeitig werden durch die Produkterlebnisse und Echtzeitberatung die Retourenquoten deutlich gesenkt. Darüber hinaus lassen sich vergangene Shows bequem als Shoppable Videos nachnutzen und schaffen als Teil einer Contentstrategie erneute Kaufanreize.
Erfolgsbeispiel: Live Shopping bei Otto
Otto hat bereits 2021 als einer der ersten Onlinehändler mit Live Shopping gestartet und die Aktivitäten seitdem kontinuierlich ausgebaut. Mit bis zu 60.000 Zuschauenden pro Sendung nutzt Otto Live Shopping als skalierbare und integrierte E-Commerce Lösung und kann das Format somit für weitere Marken, Plattform-Partner und non-endemische Werbetreibende von otto.de öffnen.
Warum der Hamburger Onlineshop auf das Format setzt, erklärt Sandra Barnstedt, Senior Campaign Managerin und Live Shopping Expertin bei Otto: „Die Live Shopping Shows bringen nachweisbar gute direkte Umsätze, aber eine reine Umsatzbetrachtung greift bei dem Thema zu kurz. Wir haben mittlerweile mehr als 17 Millionen Produkte im Shop und mit Live Shopping schaffen wir es, diese Produkte für unsere Kundinnen und Kunden zu kuratieren.“ Für die Kommunikation der Shows setzt das Unternehmen auf Zielgruppenansprache nach Interesse und Affinitäten: Vor den Live Shopping Shows spielt der Onlinehändler zielgruppenbasierte Push-Benachrichtigungen aus.
„Über die Interaktion mit der Moderatorin und den Produktexperten schaffen wir echte Nähe zwischen Marke und Kunden.“ Diese Interaktion lässt sich bei Otto auch anhand der Chatnachrichten ablesen: „Während der Live Shows gehen bis zu 4.000 Nachrichten ein – von Grüßen über Produktfragen bis hin zu Empfehlungen. Diese Interaktion belebt die Auseinandersetzung der Zuschauenden mit den gezeigten Produkten“, sagt Barnstedt.
Durch den kürzlich gelaunchten KI-basierten Chatbot im Live-Chat der Shows können die zahlreichen Anfragen auch automatisiert beantwortet werden: Zuschauer erhalten zügig die gewünschten Produktinformationen, während die Show-Moderation ausgewählte Fragen weiterhin live vor der Kamera beantworten kann.
Stand: 16.12.2025
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Preisgekrönte Live Shopping Software
Um Verkaufsevents optimal umzusetzen, nutzt Otto seit März 2023 die von IT-Dienstleister Otto Group Solution Provider (OSP) entwickelte Software Movex | Live Shopping. Die überzeugt sowohl mit Blick auf die Performance bei hohem Traffic als auch durch die gezielten Features zur Verkaufsförderung.
Auch die 20-köpfige Fachjury vom diesjährigen Best Retail Cases Award 2023 war vom Innovationsgrad der OSP-Lösung überzeugt: Im Bereich E-Commerce Tools wurde die Erfolgsstory der Software gemeinsam mit Otto mit dem ersten Platz gekürt – und erzielte dabei sogar die höchste Punktzahl über alle Kategorien des Wettbewerbs hinweg. OSP bietet die Software nicht nur an Unternehmen in der Otto Group an, sondern vermarktet sie auch an externe Firmen außerhalb des Konzerns.
Tipps zur Umsetzung im eigenen Unternehmen
Technisch lässt sich Live Shopping ohne Integrationsaufwand unkompliziert innerhalb kürzester Zeit in Webshops einbinden und bietet Händlern und Herstellern einen attraktiven Verkaufskanal zum Ausbau ihres E-Commerce. Doch oftmals zögern Unternehmen mit Blick auf mögliche Produktionskosten und Sorgen vor dem Stream in Echtzeit. Hier gilt: Der Schlüssel zum Erfolg sind authentische Shows passend zu Zielgruppe und Budget. Mit einem gut durchdachten Konzept ist zunächst nicht viel mehr als eine Handykamera und ein Mikrofon nötig.
Für die Präsenz vor der Kamera können motivierte Mitarbeiter oder auch erfahrene Influencer engagiert werden. Als Produktionsort bieten sich neben professionellen Studios auch der eigene Showroom oder Ladengeschäft an, die zudem die passende Atmosphäre und Wiedererkennungswert bieten. So können auf unterschiedliche Weise zielgruppengerechte Shows zur Stärkung von Markenimage und Verkaufsförderung entstehen.
(Bild: OSP)
Der Autor Deniz Dogan ist Experte für Digital und Video Commerce bei Otto Group Solution Provider (OSP).