E-Commerce-Kunden machen ihre Kaufentscheidung zunehmend davon abhängig, inwieweit sich Händler und Logistikdienstleister um Nachhaltigkeit bemühen. Das belegt die neue Studie des Logistik-Softwareanbieters Descartes Systems Group. Demnach braucht es ein Umdenken bei den Händlern: Nachhaltiges Handeln sollte keine Option, sondern fest verankert sein.
(Quelle: Glittering Humanity – stock.adobe.com)
An der Studie „Nachhaltigkeit bei der Zustellung: Kunden erwarten mehr!“ haben im April 2023 per Online-Umfrage insgesamt 8.000 Verbraucher aus neun europäischen Ländern, Kanada und der USA teilgenommen, darunter 1.000 Deutsche. Ziel der Untersuchung war, (E-Commerce-)Händlern und Logistikunternehmen eine Orientierung zu bieten, inwieweit ihre Nachhaltigkeitsbemühungen die Kaufentscheidung der Kunden beeinflussen und wie sie sich aufstellen müssen, um den Anforderungen aus dem neuen Nachhaltigkeitsbewusstsein gerecht zu werden.
60 Prozent der Befragten achten auf nachhaltige Versandoptionen
Im Vergleich zur Studie aus dem Jahr 2022 fällt vor allem eines auf: Immer mehr Menschen achten beim (Online-)Shopping auf nachhaltige Aspekte der Produkte und Lieferoptionen oder setzen sie gar voraus, bevor sie einen Kauf in Betracht ziehen. Weniger als die Hälfte der Befragten dagegen denkt, dass Händler und Logistiker in Sachen umweltverträglicher Auslieferung bereits gute Arbeit leisten. (s. Abbildung 1)
Die Ergebnisse der Studie „Nachhaltigkeit bei der Zustellung: Kunden erwarten mehr!“
(Descartes Systems (Germany) GmbH)
45 Prozent der deutschen Studienteilnehmer treffen ihre Kaufentscheidungen nach eigener Aussage regelmäßig oder sogar immer auf Grundlage der Umweltauswirkungen des Produkts oder Unternehmens und achten dabei (55 Prozent) auf nachhaltige Produkt- und/oder Liefereigenschaften. Sie erwarten von den Herstellern, Händlern und Dienstleistern, nicht nur nachhaltige Optionen anzubieten, sondern mindestens, diese auch zu empfehlen. Die Hälfte der Befragten ist der Meinung, die Umweltverträglichkeit sei bei der Lieferung mindestens genauso wichtig wie der Komfort. Im besten Fall definieren sich die Unternehmen über die Nachhaltigkeitsaspekte ganz neu. Es besteht also deutlicher Optimierungsbedarf, wenn die Kundenbindung sowie ein guter Ruf in der Branche in Zukunft aufrechterhalten werden sollen. Denn fast 60 Prozent aller Befragten der globalen Studie kündigen an, bei Unzufriedenheit Maßnahmen zu ergreifen; dazu gehören negative Kommentare und schlechte Online-Bewertungen, die Meidung des Händlers für künftige Käufe oder gar gezieltes Abraten vom Kauf beim jeweiligen Unternehmen im Familien- und Bekanntenkreis.
Je jünger, desto konsequenter bei der Maßnahmenergreifung
Interessant für die Bedienung unterschiedlicher Zielgruppen ist, dass bei der Studie starke Abweichungen der Aussagen je nach Alter erkennbar sind. So greifen 80 Prozent der Menschen zwischen 18 und 34 Jahren nach eigener Aussage zu drastischen Mitteln – wie unter anderem der Vermeidung von Händlern mit mangelnden ökologischen Lieferoptionen. Knapp 60 Prozent der Befragten im Alter ab 55 Jahren ziehen keine Konsequenzen in Form solcher Handlungen. (s. Abbildung 2)
(Descartes Systems (Germany) GmbH)
Nachhaltigkeitsbewusstsein 2022 vs. 2023
Nicht nur steigen laut der Studie – insbesondere bei den jüngeren Konsumenten – die Erwartungen an Händler und Logistiker, aktiv zur Senkung der Emissionen beizutragen. Der Jahresvergleich zeigt zudem eine erhöhte Bereitschaft ihrerseits, mehr Geld für nachhaltigere Lieferungen zu bezahlen, länger auf ein Paket zu warten, es im Paketshop abzuholen oder sogar nur einmal wöchentlich beliefert zu werden.
Tendenz steigend
Im Vergleich zu den Ergebnissen aus dem Jahr 2022 hat sich das Bewusstsein der Verbraucher in der aktuellen Studie in Bezug auf die Nachhaltigkeitsbemühungen der Händler nochmal verschärft. Emissionsarme Lieferoptionen beeinflussen zunehmend die Kaufentscheidung und obwohl das Jahr 2023 für viele Verbraucher wirtschaftlich herausfordernder ist als 2022, haben die Befragten den Wunsch nach ökologischen Lieferoptionen nicht beiseitegeschoben. Rund die Hälfte der deutschen Teilnehmenden (und 59 Prozent aller Befragten) zum Beispiel wäre damit einverstanden, ihre Bestellungen einmal in der Woche zusammengefasst in einer Lieferung zu bekommen, statt jedes Paket einzeln und so schnell wie möglich.
Nachhaltigkeitsbewusstsein: Bereit für die Wende
Für E-Commerce-Händler lässt sich daher mit Nachdruck die Empfehlung aussprechen, den Wunsch nach Nachhaltigkeit ihrer Kunden ernst zu nehmen und ihnen entgegenzukommen, ebenfalls Bereitschaft für Veränderungen im Lieferverhalten zu zeigen und ihren Fokus auf umweltbewusste Entscheidungen zu schärfen. Wenn es um die Zustellart an sich geht, glauben 58 Prozent der Befragten aus Deutschland, dass die Nutzung von Elektrofahrzeugen für ihre Lieferungen in fünf Jahren sehr wichtig sein wird. Dass sie heute schon sehr relevant sind, sagen nur 28 Prozent. Sie erwarten also einen deutlichen Wandel in puncto Zustellung auf der letzten Meile. Im Übrigen weichen bei der Frage nach der Nutzung elektrisierter Lieferfahrzeuge auch die globalen Ergebnisse kaum von denen aus Deutschland ab. Viele der umweltfreundlichen Optionen für die Lieferung nach Hause können sogar die Lieferkosten senken, indem beispielsweise Bestellungen zusammengefasst und die Ladungskapazitäten besser ausgenutzt werden.
Stand: 16.12.2025
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Für die Händler sind die Ergebnisse der Descartes Nachhaltigkeitsstudie von 2023 ein weiterer Beleg dafür, dass die umweltverträgliche Zustellung aufgrund von erhöhtem Nachhaltigkeitsbewusstsein keine Herausforderung, sondern eine Chance – inzwischen vielleicht sogar ein „Must-have“ – ist.
(Descartes Systems (Germany) GmbH)
Der Autor Dirk Haschke ist Vice President & General Manager, E-Commerce bei der Descartes Systems (Germany) GmbH und verantwortet die strategischen und operativen Entscheidungen des E-Commerce Warenwirtschafts- und Logistikspezialisten.