Kriminalität Online-Betrug: So schützen sich Händler vor unehrlichen Verbrauchern

Ein Gastbeitrag von Martin Sweeny 4 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Der Betrug durch Verbraucher nimmt in Deutschland rasant zu. 36 Prozent der Online-Shopper verhalten sich unehrlich, so das Ergebnis einer aktuellen Studie. Abhilfe schafft ein besseres datengestütztes Verständnis des eigenen Geschäfts.

(Bild: Schepers_Photography – stock.adobe.com)
(Bild: Schepers_Photography – stock.adobe.com)

Mehr als ein Drittel der Internetkäufer in Deutschland hat in den vergangenen zwölf Monaten einen Online-Betrug begangen. Dies ist eines der zentralen Ergebnisse unserer Studie „The dark side of online shopping – the rise of friendly fraud“, die Einstellungen, Motivationen, Werte und Hintergründe einer wachsenden Zahl von Verbrauchern untersucht, die sich der Kriminalität im E-Commerce zuwenden.

Ravelin befragte mehr 6.000 Erwachsene in Deutschland, Frankreich und Großbritannien (2000 in jedem Land) und fand heraus, dass eine große Anzahl von Verbrauchern aller ­Altersgruppen regelmäßig Online-Betrug begeht. Demnach haben 36 Prozent der Online-Käufer in Deutschland zugeben, dass sie Artikel nach Gebrauch zurückgeben, Sonderangebote ausnutzen und Rückgaberegelungen missbrauchen. 

In Frankreich ist es fast die Hälfte (47 Prozent) und in Großbritannien sind es 39 Prozent. Überraschenderweise sind die über 45-Jährigen die schlimmsten Betrüger. 39 Prozent der Befragten, die im vergangenen Jahr einen Online-Betrug begangen haben, stammen aus dieser Altersgruppe, verglichen mit 17 Prozent der 18- bis 24-Jährigen, 25 Prozent der 25- bis 34-Jährigen und 20 Prozent der 35- bis 44-Jährigen. 

Einstellung zu Online-Betrug 

Laut der Umfrage sehen 36 Prozent der Befragten nichts Falsches darin, Schlupflöcher oder Lücken in der Rückgabe Bedingungen in Veträgen, und auch andere Bedingungen auszunutzen. Mehr als ein Viertel (27 Prozent) ist außerdem der Meinung, dass diese Art von Verhalten ein Verbrechen ohne Opfer ist, das sich gegen Marken richtet, die die Preise überhöhen (18 Prozent).

Finanzielle Vorteile

Online-Betrug scheint sich für viele zu lohnen. Durch unehrliches Verhalten haben 20 Prozent der Betrüger im vergangenen Jahr mehr als 500 Euro gewonnen, während 37 Prozent angaben, 100 Euro oder mehr gewonnen zu haben. 31  Prozent der Personen, die 2023 einen Betrug begangen haben, sind der Meinung, dass ihr finanzieller Vorteil den finanziellen Verlust des Unternehmens überwiegt. 

Neben denjenigen, die aktiv am Online-Betrug mit Verbrauchern beteiligt sind, gibt es noch viele andere, die in Versuchung geraten sind oder wieder in Versuchung geraten: 32 Prozent der Befragten ziehen ebenfalls in Betracht, in Zukunft betrügerische Handlungen zu begehen. 

Die Verbraucher finden verschiedene Wege, zu betrügen und das System auszutricksen. Meistens versuchen sie, Sonderangebote, Rückgaben oder Rückerstattungen auszunutzen, um mehr zu bekommen, als ihnen zusteht, ohne dafür zu bezahlen. Einige wenige drängen auf Betrug im Zusammenhang mit Zweitzahlungen, d. h. sie tätigen Online-Einkäufe mit den Kartendaten einer anderen Person ohne deren Erlaubnis.

Online-Betrug: Auswirkungen auf Unternehmen

Die Zunahme des Verbraucherbetrugs hat erhebliche finan­zielle Auswirkungen auf den elektronischen Handel in Europa. Bis 2025 wird der Betrug die Händler rund 50 Millionen Euro kosten, und diese Zahl wird weiter steigen. Diese Art von ­be­trügerischen Aktivitäten erreichen zudem oft dann ihren ­Höhepunkt, wenn die Verbraucher am meisten ausgeben, was bedeutet, dass die Händler während des Schlussverkaufs und saisonaler Einzelhandelsschübe wie dem „Black Friday“ besonders wachsam sein müssen.

Die Mehrheit der Befragten findet es übrigens leicht, mit einem Online-Betrug davonzukommen. Das lässt darauf schließen, dass die Händler nicht genug tun, um sich selbst zu schützen oder die Verbraucher davon abzuhalten, in einen Betrug verwickelt zu werden. Dabei ist vielen Händlern durchaus bewußt, dass sie ein Problem mit ihren eigenen Kunden haben, die Betrug begehen. Aber das Ausmaß, in dem dies geschieht, war bis jetzt noch nicht klar. 

E-Commerce-Händler müssen wachsam sein und alle Betrugsquellen im Auge behalten. Der beste Weg, dies zu erreichen, ist ein tieferes datengestütztes Verständnis des eigenen Geschäfts, das durch Automatisierung unterstützt wird. Einzelhändler und E-Commerce-Anbieter müssen ein Gleichgewicht finden zwischen der Notwendigkeit, Betrug zu bekämpfen und den Kunden ein einfaches und sicheres Einkaufserlebnis zu bieten. Die richtige Automatisierung kann Händlern dabei helfen, die richtige Balance für ihr Geschäft zu finden.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Online-Betrug: Beispiele für Verbraucherbetrug

  • Online-Betrug durch nicht erhaltene Ware: Fälschliche Behauptung, die bestellte Ware sei nie angekommen. Der Kunde könnte dann eine Rückerstattung oder die Lieferung eines neuen Artikels verlangen und die überzäh­ligen Waren weiterverkaufen oder sie behalten.

  • Fehlerhafter oder beschädigter Artikel: Ein Kunde kann bei seiner Bank einen Antrag auf Rückbuchung oder beim Händler einen Antrag auf Erstattung stellen und den Zustand der Ware bei der Ankunft falsch angeben.  Er fordert dann einen neuen Artikel an und behält oder verkauft den alten Artikel, der in Wirklichkeit in gutem Zustand war.

  • Wardrobing/Free-renting: Der Kauf eines Artikels mit der Absicht, ihn nach ein- oder zweimaligem Gebrauch zurückzugeben – z. B. die Rückgabe eines neuen Kleides, nachdem man es zu einer Hochzeit ge­tragen hat.

  • Gefälschte Rückgaben: Der Versuch, andere – in der Regel minderwertige – Artikel als die gekauften zurückzugeben. Der Händler genehmigt die Erstattung oft, bevor er den Inhalt des Pakets überprüft hat.

Martin Sweeney
ist CEO von Ravelin, einem Anbieter für Betrugsprävention.

Bildquelle: Martin Sweeney