Online-Betrug: Warum deutsche Verbraucher kleinere Onlinehändler meiden

Verantwortlicher Redakteur:in: Heiner Sieger 3 min Lesedauer

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Laut einer Umfrage von F-Secure sind im Jahr 2022 15 Millionen deutsche Verbraucher Opfer eines Online-Scams geworden. Fast zwei Drittel vermeiden es, bei kleineren Händlern einzukaufen, weil sie Online-Betrug befürchten.

(Quelle:  NicoElNino - Adobe Stock)
(Quelle: NicoElNino - Adobe Stock)
  • Neue Umfrage von F-Secure: 15 Millionen deutsche Verbraucher sind 2022 Opfer eines Online-Scams geworden, was einem potenziellen Verlust von 1,3 Milliarden Euro entspricht.

  • 64 Prozent der Deutschen vermeiden es, bei kleineren Händlern einzukaufen, weil sie Angst vor Online-Betrug haben.

  • Zugleich erleben Online-Käufer auf den großen Online-Plattformen doppelt so viele Betrugsfälle wie bei kleinen Händlern.

Kleineren und unabhängigen Onlinehändlern entgeht viel Geschäft, weil ihnen die Verbraucher nicht vertrauen. Und dies obwohl auf den großen Plattformen wie Amazon oder eBay deutlich mehr Betrugsfälle vorkommen. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts Censuswide im Auftrag von F-Secure. Insgesamt war im letzten Jahr mehr als jeder fünfte Deutsche (21 Prozent) von einem Online-Betrug betroffen. Dabei verlor fast jeder zweite betroffene Online-Käufer nach eigenen Angaben mehr als 115 Euro. Das summiert sich zu einem Gesamtverlust von 1,3 Milliarden Euro. 780 Millionen Euro entfielen davon auf die Weihnachtszeit des Jahres 2022.

Von Online-Betrug sind Händler jeder Größe betroffen

Die Folgen der Verunsicherung der Verbraucher durch betrügerische Machenschaften müssen laut der Umfrage wohl vor allem die kleineren Einzelhändler tragen. 64 Prozent der Befragten geben an, dass sie sich beim Einkaufen bewusst gegen den kleinen Onlinehändler entschieden haben. Aus Sorge um ihre Sicherheit. Die Realität ist jedoch, dass Online-Betrug bei Händlern jeder Größe vorkommen kann – große Plattformen sind dabei sogar am meisten betroffen. So geben 38 Prozent der betroffenen Befragten an, auf großen Plattformen betrogen worden zu sein. Bei kleinen Händlern ist dies nur 20 Prozent passiert. Dennoch ziehen viele Deutsche daraus den Schluss, dass sie auf großen Plattformen sicher seien.

38 Prozent der Verbraucher beschließen nach einem Betrugsvorfall nur noch bei großen, seriösen Händlern einzukaufen. Dabei hilft auch eine gute Preispolitik den kleineren Händlern nicht. 72 Prozent der Befragten verzichten auf gute Angebote, da sie ihnen nicht vertrauen. Dabei stehen in der allgemeinen Wahrnehmung gerade die kleinen Online-Shops für kreative, nachhaltige, regionale und faire Produkte.

Image-Problem von kleineren Onlinehändlern

Felix Blank, Cybersecurity-Experte bei F-Secure, erklärt: „Kleine Onlineshops haben ein Image-Problem. Die Verbraucher halten sie für unsicher und kaufen deshalb unteranderem lieber bei den großen Plattformen. Und dies obwohl sie dort nach eigenem Bekunden öfter Opfer von Online-Betrug geworden sind. Wirtschaftlich gesehen ist das ein riesiger Nachteil, denn wenn 64 Prozent der Deutschen kleine, unabhängige Onlineshops meiden, dann geht diesen Unternehmen das potenzielle Geschäft mit über 50 Millionen Deutschen verloren“.

Bereits etablierte Gütesiegel, die es Verbrauchern erleichtern sollen, vertrauenswürdige Online-Händler zu erkennen, spielen ebenfalls keine große Rolle. Für fast die Hälfte der Deutschen (43 Prozent) haben diese nämlich keinen Einfluss auf die empfundene Glaubwürdigkeit des Händlers.  Es gibt nun jedoch spezielle Dienste, die Online-Shops ausdrücklich daraufhin prüfen, ob es sich um Fake-Angebote handelt. Einer davon ist der neue Online-Shopping-Checker von F-Secure. Felix Blank verspricht: „Nach der sorgfältigen Prüfung der Website kann man mit gutem Gewissen auch die kleinen, regionalen Onlineshops unterstützen und dort online bestellen.“

Mit dem Online-Shopping-Checker können Käufer die URL eines beliebigen Online-Shops testen, um dessen Legitimität zu bestätigen. Das kostenlose Tool erkennt die Zuverlässigkeit des Shops und zeigt die Vertrauenswürdigkeit an, bevor ein Kauf getätigt wird. Die Technologie ist auch in F-Secure Total als Teil der Browsing-Schutzfunktionen enthalten, die zusätzlich Safe Browsing, Banking Protection und Ad Blocker umfasst.

Zur Methodik der Studie

Die Verbraucherbefragung wurde von Censuswide im Auftrag von F-Secure unter einer Stichprobe von 1.000 Verbrauchern ab 16 Jahren in Deutschland durchgeführt. Die Daten wurden zwischen dem 11.10.2023 und dem 23.10.2023 erhoben. Censuswide ist Mitglied der Market Research Society und befolgt den MRS-Verhaltenskodex, der auf den ESOMAR-Grundsätzen basiert. Die Stichprobe ist in Bezug auf Alter und Geschlecht national repräsentativ. Bei den Hochrechnungen auf der Grundlage des Geldbetrags, der zu Weihnachten (drei Prozent) oder in den letzten 12 Monaten (fünf Prozent) durch Online-Betrug verloren ging, wurden zur Validierung der Ergebnisse Ausreißer herausgenommen. (sg)

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