Zahlungsmethoden Payment-Trends: Das sind die zukünftigen Entwicklungen

Das Gespräch führten Hella Fuhrmann und Heiner Sieger 4 min Lesedauer

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Hella Fuhrmann, Country-Managerin DACH bei der Finanztechnologie-Plattform Adyen, spricht im Interview über aktuelle und künftige Payment-Trends und -Entwicklungen.

(Bild:  freepik)
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Als Managerin einer Finanztechnologie-Plattform haben Sie einen guten Überblick, was im Payment-Bereich aktuell wichtig für den Geschäftserfolg in einem zunehmend schwierigeren Marktumfeld ist. Auf was kommt es gerade besonders an?

Hella Fuhrmann: Es nutzen immer mehr KMUs und Start-ups Plattformen für den Online-Vertrieb. Diesen Neueinsteigern muss klar sein, dass den Kunden eine Auswahl aus möglichst vielen Bezahlmöglichkeiten enorm wichtig ist, von Paypal über Rechnungskauf bis zu Apple Pay und Klarna. Jede Person muss tagtäglich online oder im Geschäft bezahlen. Dennoch haben nur die allerwenigsten eine Ahnung darüber, was alles in diesen Millisekunden des Bezahlprozesses geschieht. Es gibt allein i­nnerhalb von Europa so viele unterschiedliche Optionen beim Bezahlen und außerdem eine Vielzahl von Möglichkeiten, diese Prozesse zu optimieren. Dieses Wissen gepaart mit der Tech­nologie, die Adyen bereitstellt, macht unsere Lösung so wichtig für den E-Commerce. Denn wir sorgen dafür, dass das Geld auf dem Konto der Kunden landet.

Payment-Trends: Mit anfallenden Daten arbeiten

Sind die KMUs und Start-ups denn schon so weit, aus den dabei anfallenden Daten Ihr Geschäft weiterzuentwickeln?

Fuhrmann: Übergreifend erkennen immer mehr deutsche Unternehmen das Potenzial von Zahlungsdaten, wie unser Retail Report 2023 ergeben hat. Somit planen 29 Prozent der deutschen Einzelhändler im nächsten Jahr, in die Erfassung und Analyse von Zahlungsdaten zu investieren – ganze 45 Prozent mehr als im Vorjahr und über dem globalen Durchschnitt von 27 Prozent.

Das funktioniert aber nur, wenn ein Unternehmen seine Kunden versteht … daher wird eben Omnichannel immer wichtiger. Im Online-Shop einkaufen, im Store bezahlen, das ist laut unserem Retail Report 2023 für 63 Prozent der weltweiten Verbraucher wichtig. Die Daten aus dem stationären Shop mit dem Online-Shop zu verbinden, das machen in Deutschland aber erst rund 20 Prozent der Händler. Man versteht die Kunden auch besser, wenn man das Kaufverhalten besser analysieren kann. So ist für knapp 70 Prozent der Deutschen das Thema Klimaneutralität wichtig. 

Tatsächlich begrüßt die Mehrheit der Deutschen ein personalisiertes Einkaufserlebnis. Beispielsweise würden 54 Prozent die App eines Einzelhändlers herunterladen und 57 Prozent würden sich über personalisierte Rabatte freuen. Sicherheit ist ebenso ein zentrales Thema: 55 Prozent der Verbraucher weltweit brechen den Kauf ab, wenn ihre bevorzugte Zahlungsmethode nicht an­geboten wird. Beim Checkout können bis zu 20 Prozent und mehr Absprünge stattfinden, wenn mit dem Bezahlvorgang etwas nicht funktioniert.

Viele Verbraucher werden inzwischen Opfer von Betrügereien beim Bezahlvorgang. Wie gewährleisten Sie Ihren Kunden und deren Kunden Sicherheit?

Fuhrmann: In der Tat sind immer mehr Betrüger Online unterwegs. Diese Entwicklung hat sowohl für Einzelhändler als auch für Kunden kostspielige Folgen: 23 Prozent der Verbraucher weltweit sind im vergangenen Jahr Zahlungsbetrug zum Opfer gefallen, mit einem Durchschnittsverlust von 242 US-Dollar. Im gleichen Zeitraum verzeichneten 39 Prozent der von uns weltweit befragten Einzelhändler eine Zunahme der Betrugsversuche. 34 Prozent waren von Cyberattacken oder Datendiebstahl betroffen. Mit unserem Risikomanagementsystem Re­venue Protect analysieren wir mittels Machine Learning, was korrekter und was betrügerischer Zahlungsverkehr ist. Wir können sogar feststellen, wo online gestohlene Produkte hin verschickt werden.

Token-Technologie unter der Lupe 

Welche Rolle spielt die zunehmende Tokenisierung der Kreditkartendaten für das Thema Sicherheit?

Fuhrmann: Sicherheit hat für Unternehmen nach wie vor oberste Priorität. Doch muss dies heute nicht mehr auf Kosten des Kunden­erlebnisses gehen. Unser Unternehmen hat bereits mehr als zwei Milliarden aktive Network-Token ausgegeben. Dieser Meilenstein zeigt, dass Adyen Unternehmen den Weg hin zur Network-Tokenisierung ebnet, bei der normale Kartennummern in sichere, nicht-sensible Token umgewandelt werden. Bei der Network-Tokenisierung handelt es sich um eine neue Technologie, die derzeit noch nicht von allen Issuern unterstützt wird. Um diese Herausforderung zu lösen, bietet Adyen eine Optimierung von Network-Token an, die mithilfe von Machine Learning zwischen einem Network-Token und einer PAN-Zahlung wählt, um die Autorisierungsraten zu erhöhen. 

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Durch die Network-Tokenisierung konnten Unternehmen eine durchschnittliche Steigerung der Autorisierungsraten um drei Prozent verzeichnen, was jeweils einer Umsatzsteigerung von mehreren Millionen Euro pro Monat entspricht. Da die Verarbeitung von Network-Token weniger kostspielig ist als eine PAN-Kartenzahlung, können Unternehmen ihre Kosten senken und gleichzeitig die Genehmigungsraten für Transaktionen und den Umsatz steigern. Dies ist vor allem für Abonnement- oder Digitalunternehmen von Bedeutung, die ihren Kunden die Möglichkeit bieten, Kartendaten zu speichern, um den Online-Einkauf noch einfacher zu gestalten.

Demnach bringen Network-Token über den Sicherheitsaspekt hinaus noch mehr Vorteile?

Fuhrmann: Network-Token werden künftig etwa auch für die Kundenbindung eine zentrale Rolle spielen. Ein Beispiel: Wenn bei Mastercard einem Netflix-Kunden die Karte abläuft, wird das bei Netflix upgedatet, und gleichzeitig über Adyen direkt auch bei allen anderen Unternehmen, bei denen die Karte hinterlegt ist. Das ist ein erheblicher Vorteil, weil der Lifetime-Value eines Kunden damit erweitert wird. Für Kunden ist es damit wesentlich bequemer, auf einem bestimmten Abo-Modell zu bleiben. Wir fördern also mit unserem Modell die Kundentreue.

Wichtige Payment-Trends 2024

Was wird 2024 im Bereich Payment besonders wichtig?

Fuhrmann: Im stationären Handel wird die Verschmelzung der Daten mit denen aus der Online-Welt wichtig, aber auch der Self-Checkout. Die aktuellen Payment-Trends bleiben weiter bestehen, so wird etwa die Anzahl der Zahlungsmöglichkeiten noch zunehmen. Ebenso werden Abo-Modelle stark zulegen, um treue Kunden zu bekommen und behalten. Wir investieren daher aktuell sehr viel in die Technologie hinter den Abo-Modellen.

Payment-TrendsHella Fuhrmann
ist Country Managerin DACH bei der Finanztechnologie-Plattform Adyen.

Bildquelle: Adyen