Steigende Preise, schlechte Klimabilanz und nachlassende Innovationen bei neuen Geräten. Eine Kombination, die Verbraucher zu günstigeren und umweltfreundlicheren Alternativen drängt. Refurbished Smartphones und andere wiederaufbereitete Geräte räumen den E-Commerce-Markt auf und erfüllen die Anforderungen der Verbraucher.
(Quelle: MQ-Illustrations - Adobe Stock)
Raffinierte Marketingstrategien der Originalhersteller von Tech-Geräten, wie Apple, Samsung und anderer, sowie Anreize wie finanzielle Unterstützung beim Kauf neuer Geräte, bewegen Verbraucher dazu, ihre Geräte häufiger zu wechseln, als es eigentlich nötig wäre. Durch diese Taktiken werden Käufer oft dazu verleitet, sich für ein Gerät aus einem höherpreisigen Segment zu entscheiden, das jedoch nicht unbedingt einen entsprechenden Innovationsvorsprung aufweist. Daher werden viele hochwertige, leistungsstarke Geräte vorzeitig obsolet. Eine Alternative sind Refurbished Smartphones. Unternehmen nutzen dieses Phänomen zu ihrem Vorteil, indem sie den Konsum und Absatz durch gezielte Marketingstrategien und ständige Produktinnovationen ankurbeln. Doch inwieweit wirken sich diese Innovationen tatsächlich aus?
Refurbished Smartphones – die Champions im E-Commerce 2024
Auf dem Markt für neue Produkte lässt sich derzeit ein Trend zu hochpreisiger Technologie mit minimaler Innovationsrate beobachten. Insbesondere bei Smartphones manifestiert sich dies darin, dass rund alle zwölf Monate vom selben Hersteller ein neues Modell zu oft höheren Preisen eingeführt wird. Die Unterschiede zum Vorgängermodell beschränken sich dabei häufig auf Kleinigkeiten wie die Display-Helligkeit, verbesserten Kontrast, höhere Fotoauflösung oder einen neuen Anschluss. Von großartigen Innovationen ist oft keine Spur mehr. Immer mehr Verbraucher durchschauen nun diesen Zyklus und schauen sich nach anderen Lösungen um, wie zum Beispiel Refurbished Smartphones. Experten prognostizieren für das nächste Jahrzehnt einen Aufstieg des Refurbished-Markts zum Rising-Star im E-Commerce-Markt.
Bei Refurbished Smartphones und anderen Produkten handelt es um den Verkauf von wiederaufbereiteten Elektronikgeräten, die vor dem erneuten Verkauf einer gründlichen Überholung unterzogen werden, um ihre Qualität sicherzustellen. Im Gegensatz zu Secondhand werden die gebrauchten Geräte von Experten geprüft, repariert und funktionsfähig gemacht. Diese Alternative bietet nicht nur kostengünstige, qualitativ hochwertige Geräte, sondern trägt auch zur Verringerung des ökologischen Fußabdrucks bei. Gebrauchte Technik oder Secondhand-Technik bezeichnet im Gegensatz dazu den Verkauf eines Geräts im Zustand, in dem es der Vorbesitzer zurückgelassen hat, ohne Veränderungen vorzunehmen. Bis zum Jahr 2033 wird die Branche mit gebrauchten Geräten wie Refurbished Smartphones einen voraussichtlichen Wert von 44,2 Milliarden Dollar erreichen.
Verbraucher achten auf günstige Preise und Nachhaltigkeit
Das Verhältnis von Preis und Innovation stellt einen entscheidenden Faktor für Konsumenten dar. Laut einer Studie des Zahlungsdienstleisters Mollie kaufen 55 Prozent der Deutschen zum niedrigstmöglichen Preis. Auch eine Umfrage im Auftrag von Back Market bestätigt, dass bereits 58 Prozent der Befragten die Option erneuerter Produkte aufgrund ihres kostengünstigen Charakters in Betracht ziehen. Von den Befragten, die sich vorstellen können, erneuerte Technik zu kaufen (65 Prozent), nannten 42 Prozent Nachhaltigkeit als ausschlaggebenden Punkt, um beispielsweise Refurbished Smartphones zu kaufen.
Die Daten lassen erkennen, dass Nachhaltigkeit in Verbindung mit dem Preis einen entscheidenden Faktor für den Konsum von Gütern darstellt. Dies trifft besonders auf die Generation Z zu, die nun zunehmend an Kaufkraft gewinnt. Da Nachhaltigkeit verstärkt bei Kaufentscheidungen berücksichtigt wird, könnte 2024 das Jahr sein, in dem erneuerte Smartphones in Europa die magische 50 Prozentwerte-Hürde der Marktdurchdringung erreichen. Das Verhältnis zwischen Preis und Innovation spielt für den deutschen Markt eine besondere Rolle. Fast die Hälfte der Deutschen (47 Prozent) investiert heute mehr Zeit in Produktrecherche als noch 2022, wobei 97 Prozent angaben, bei der Recherche auf Social-Media-Kanäle zurückzugreifen (Mollie).
Im Bestreben, den Elektronikkreislauf zu schließen und lokale Lieferketten zu stärken, spielt das Trade-In-Programm eine entscheidende Rolle für einen umweltbewussteren Konsum. Die clevere Praxis, Elektronikgeräte nicht einfach zu entsorgen, sondern durch Trade-Ins weiterzugeben, wird immer mehr zum Schlüssel für eine verbesserte Circular Economy in der Branche. Diese innovative Herangehensweise ist nicht nur umweltfreundlicher, sondern eröffnet Verbrauchern auch die Möglichkeit, nicht nur ihre ökologische Bilanz zu verbessern, sondern auch finanzielle Vorteile zu erzielen – eine wahre Win-Win-Situation für nachhaltigen Konsum im aufgeklärten Jahr 2024.
Stand: 16.12.2025
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Gesetzliche Maßnahmen stärken Verbrauchern den Rücken
Um Ressourcen zu schonen, müssen Geräte möglichst lange im Kreislauf gehalten und ihre Lebensdauer verlängert werden. Während die Reparatur oder Optimierung von gebrauchten Geräten über Refurbishing-Plattformen meist kostengünstig und effektiv vonstattengehen, bieten Originalhersteller die Reparatur zu hohen Preisen an. Die Originalhersteller können den Zugang zu Ersatzteilen erschweren – zum Nachteil der Verbraucher. So, fragt sich der Verbraucher schnell: lohnt sich das wirklich für mich oder soll ich nicht lieber ein neues Gerät kaufen? Ein Umdenken der Gesellschaft spiegelt sich bereits in der Gesetzlage wider.
Frankreich hat mit der Einführung des Reparatur-Index im Jahr 2022 Pionierarbeit geleistet – Verbrauchern sehen nun, wie leicht oder schwer sich Geräte reparieren lassen. Im selben Jahr wurde der Reparaturbonus für Elektro- und Elektronikgeräte eingeführt, der seit Dezember auch für Kleidung gilt. Solche Maßnahmen entlasten Konsumenten und bieten attraktivere Optionen in Bezug auf die Kaufmotive Preis und Nachhaltigkeit im Vergleich zum Neukauf. Noch hinkt Deutschland in Bezug auf diese Gesetze hinterher, aber bis 2025 sollen auch hier Maßnahmen wie der Reparaturindex geplant sein (BMUV). Nach Ansätzen des BMUV und des Ökoinstitut e.V. muss die Verantwortung für Abfallvermeidung und für die Sicherstellung langlebiger Geräte beim Hersteller liegen und darf nicht auf die Verbraucher abgewälzt werden. Ein Prozess, der langfristig dazu führen wird, dass Konsumenten vermehrt zu gebrauchten und erneuerten Produkten greifen.
Umdenken bei den Verbrauchern
Angesichts dieser Faktoren wird nicht nur ein Umdenken bei den Verbrauchern, sondern auch eine Änderung ihrer Bedürfnisse deutlich. Die Devise lautet: Entweder mehr Innovation oder ein fairer Preis, und das auf umweltfreundliche Weise. Die Gesetzgebung der EU und insbesondere in Deutschland stärkt diese Veränderungen weiter. Nicht zuletzt deshalb wird der Refurbishment-Sektor den Markt aufmischen und allmählich Neuprodukte von der Spitze drängen.
Martin Hügli ist General Manager für Europa bei Back Market.
(Back Market)
Über den Autor: Martin Hügli ist General Manager für Europa bei Back Market. Dort leitet er seit 2020 die nationalen und seit 2023 die europaweiten Geschäfte und ist für das Unternehmenswachstum verantwortlich. Zuvor war er sechs Jahre lang als Head of Business Development bei Amazon in New York für Produktinnovationen sowie User Experience und Kundengewinnung bei Audible verantwortlich. Außerdem leitete er Teams in verschiedenen Growth- und Private-Equity-Firmen in den USA und Europa. (sg)