Interview zur Robotic Coordination Layer

Otto Group optimiert Intralogistik mit KI-gestützter Robotik von Nvidia

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Wettberwerbsvorteile, digitale Zwillinge und die neue Rolle der Mitarbeiter

Viele Wettbewerber investieren ebenfalls massiv in automatisierte Fulfilment-Center: Worin soll nach Vollausbau von Löhne Ihr eindeutiger Wettbewerbsvorteil in der E‑Commerce-Logistik liegen – bei Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit gerade für komplexe Großstücke, bei integrierten Services oder in der Offenheit Ihres Logistikangebots für externe Händler?

Kay Schiebur: Für uns ergibt sich daraus nicht nur der eine, sondern eine Vielzahl von Wettbewerbsvorteilen: Zuverlässigere, schnellere Lieferungen bei reduzierten Kosten, gleichzeitig ein optimiertes Peak-Management sowie eine hohe Technologieoffenheit in Bezug auf die Einbindung weiterer Robotik-Flotten und Automatisierungstechnologien. Durch die Möglichkeit, Millionen verschiedenster Szenarien zu simulieren, stärken wir auch die Resilienz unserer Intralogistik – ein wichtiges Asset in der aktuellen Zeit, die von geopolitischen und geoökonomischen Umbrüchen geprägt ist.

Nutzen Sie Löhne bereits heute als digitalen Zwilling für Szenario-Tests, zum Beispiel Peak-Lasten, Störungen, Umbauten, und welche konkreten Effizienz- oder Qualitätsgewinne erwarten Sie dadurch?

Kay Schiebur: Der digitale Zwilling, und dessen Verknüpfungen mit dem Warehouse Management System, dem Flottenmanagement und weiteren wichtigen Schnittstellen, sind derzeit in Entwicklung – konkrete Szenario-Simulationen sind daher über die neue Lösung noch nicht gelaufen. Neben der effizienten Koordination von Robotikflotten erwarten wir auch durch die Simulation von neuen Abwicklungskonzepten und die Simulation von operativen Abwicklungsszenarien konkrete Verbesserungen.

Der Robotic Coordination Layer übernimmt künftig eine zentrale Rolle in der dynamischen, datenbasierten Steuerung – genau hier kommen alle Vorteile der neuen Lösungen zum Tragen.

Kay Schiebur, Konzern Vorstand Services der Otto Group

Der Standort Löhne steht auch für physisch anspruchsvolle Arbeit an schweren Großstücken: Wie verändern sich durch die KI-gestützte Robotik die Arbeitsplätze und Qualifikationsanforderungen der Mitarbeitenden dort – und welche neuen Rollen in Richtung Daten-, Technik- oder KI-Kompetenz entstehen?

Kay Schiebur: Durch die KI-gestützte Robotik werden Kollegen in unseren Logistikzentren schon heute von körperlich anstrengenden und repetitiven Aufgaben entlastet. Roboter übernehmen eine Vielzahl manueller Fulfillment-Tätigkeiten, die Hand-Augen-Koordination oder große körperliche Kraft erfordern. Damit steigern wir nicht nur die Effizienz, sondern erhöhen auch die Attraktivität unserer Betriebe als Arbeitgeber und wirken aktiv dem Fachkräftemangel in diesem Bereich entgegen. Es entstehen neue Arbeitsprofile und attraktivere, zukunftsfähige Arbeitsplätze durch den Einsatz von KI und Robotik. So verändert sich beispielsweise das Arbeitsfeld eines Assistenten im Wareneingang, weil er oder sie sich durch die Zusammenarbeit mit dem Roboter mehr auf Qualitätskontrolle und die Koordination der Abläufe konzentrieren kann.

Vollständig neue Koordinationsfähigkeiten sind auch beim Einsatz unterschiedlicher Robotikflotten in Kombination mit vorhandenen manuellen Flurförderfahrzeugen erforderlich. In Löhne wird in diesem Zusammenhang die Rolle des „Operativen Leitstands“ eingeführt, die an anderen Standorten bereits existiert. Diese Rolle umfasst künftig auch die Robotikprozesse und entwickelt sich so weiter. Weitere neue Job-Profile, die wir in Zukunft sehen werden, sind zum Beispiel der Robotic Process Engineer, verantwortlich für Konzeption und Planung, der Robotic Technician, verantwortlich für die technische Instandhaltung der Roboter, oder der Robotic Operator, der ein Team von Robotern steuert.

Wie gestalten Sie die Qualifizierung konkret: Welche Lernpfade, Zertifizierungen und Praxisanteile führen vom gewerblichen Mitarbeiter zu Rollen wie Operativer Leitstand, Robotic Operator oder Robotic Technician – und woran messen Sie den Erfolg?

Kay Schiebur: Wir sehen insbesondere bei der rasanten Entwicklung generativer künstlicher Intelligenz, dass die Halbwertszeit von Wissen und Fähigkeiten immer kürzer wird. Lebenslanges Lernen – also die ständige Weiterbildung und das Erlernen neuer Kompetenzen durch Upskilling und Reskilling – ist unerlässlich geworden, um beruflich auf dem aktuellsten Stand zu bleiben. Digitale Kompetenzen sind heute dabei grundlegend. Daher war und ist es für uns besonders wichtig, alle Mitarbeitenden – auch insbesondere unsere gewerblichen Kollegen – mitzunehmen. Wir bieten unseren Mitarbeitenden bereits seit 2019 ein umfassendes, modulares Schulungssystem zu Digitalisierung und neuen Technologien an und haben dieses seit 2023 gezielt um das Thema KI erweitert.

In unseren Logistikbetrieben haben wir dies in Form eines speziell auf die Logistik zugeschnittenen, und mit Logistik-Kollegen in einem Co-Creation-Prozess entwickelten, Basis Modul angestoßen. Uns war besonders wichtig, den Bezug zur beruflichen Realität der Kollegen herzustellen und Berührungsängste abzubauen. Eine solche Form der digitalen Weiterbildung ist im gewerblichen Bereich immer noch die Ausnahme. Übergreifend ist es unser Ziel, immer wieder neue Nutzungsmöglichkeiten von generativer KI auszuprobieren und so, gemeinsam mit unseren Kunden, zu lernen, wie die technologischen Möglichkeiten die Logistik, den Onlinehandel und das Kundenerlebnis noch besser machen. Wir setzen also klar auf einen Test-&-Learn-Ansatz und den permanenten Austausch über den gesamten Konzern hinweg. Oberste Prämisse ist für uns dabei: Wir nutzen und entwickeln KI-Anwendungen für die Interaktion mit den Menschen – nicht gegen sie.

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