Jede Selbständigkeit stellt eine Herausforderung und Chance zugleich dar. Eine Existenzgründung geht schließlich immer mit einem gewissen Risiko einher. Viele Faktoren entscheiden dabei über Erfolg oder Misserfolg. Welche sind besonders wichtig?
(Quelle: Sirichai - stock.adobe.com)
Wer über die Gründung eines eigenen Unternehmens nachdenkt, muss viele Fragen beantworten. Eine davon ist jene nach der Rechtsform. Fällt die Entscheidung auf ein Einzelunternehmen, beispielsweise als Online-Händler, wird dieses gerne auch als Solo-Selbständigkeit bezeichnet. Sie bringt verschiedene Vor- sowie Nachteile mit sich. Einerseits entfällt die Verantwortung für eigene Mitarbeiter und Solo-Selbständige genießen ein Maximum an persönlicher Freiheit, wenn es beispielsweise um geschäftliche Entscheidungen geht.
Andererseits bedeutet das Dasein als „Einzelkämpfer“, alle Aufgaben selbst erledigen oder extern auslagern zu müssen. Somit ist ein hoher Organisationsaufwand gefragt. Hinzu kommen gewisse Persönlichkeitsmerkmale, die Solo-Selbständige unbedingt mitbringen müssen. Es lohnt sich daher, sich vor der Entscheidung für oder gegen das Einzelunternehmen im E-Commerce mit den zentralen Erfolgsfaktoren auseinanderzusetzen – und sich zu fragen, ob diese im individuellen Fall erfüllt sind. Ein Überblick.
1. Fähigkeit zum Multitasking
Wer alleine ein Unternehmen gründet, muss – wie bereits erwähnt – alle anfallenden Aufgaben selbst übernehmen. Das betrifft zum Beispiel die Buchhaltung, das Marketing oder die strategische Planung. Natürlich können und sollten einzelne Aufgaben ausgelagert werden; dazu später mehr. Die grundlegenden Tätigkeiten liegen jedoch in den Händen des Solo-Selbständigen. Das erfordert ein gewisses Know-how in den wichtigsten Bereichen der Unternehmensführung, gepaart mit fachlicher Expertise und einem guten Zeitmanagement.
2. Ein ausreichendes Organisationstalent
So viele Aufgaben gleichzeitig zu jonglieren, erfordert Organisationstalent. Dieses darf daher ebenfalls nicht fehlen, um als Solo-Selbständiger erfolgreich zu sein. Dabei gilt es Fragen zu klären, wie: Welche Aufgabe erledige ich wann, wie und wo, damit meine Kunden zufrieden sind? Gleichzeitig dürfen individuelle Belange wie die eigene Gesundheit oder finanzielle Aspekte nicht übersehen werden.
Das erklärt, weshalb Einzelunternehmen irgendwann an ihre natürliche Kapazitätsgrenze stoßen. Auch ein kleiner, aber erfolgreicher Online-Shop kann jedoch für den Lebensunterhalt ausreichen. Wer hingegen zu den „Global Playern“ gehören möchte, muss früher oder später eigene Mitarbeiter einstellen. Es handelt sich daher um eine Grundsatzentscheidung, die bestenfalls schon vor (!) der Gründung gefällt wird. Denn unterschiedliche Ziele erfordern unterschiedliche Strategien.
3. Mut zum Risiko – aber kein Leichtsinn.
Es ist demnach wichtig, die Ziele der Existenzgründung vorab zu definieren. Dabei können und sollten Gründer gerne groß denken. Trotzdem ist es essenziell, realistisch zu bleiben und auch Daten, Fakten sowie weitere wichtige Kennzahlen einzubeziehen. Dafür gilt es beispielsweise eine Wettbewerbsanalyse anzufertigen. Auch braucht es eine realistische Einschätzung, wie sich die Zielgruppe oder der Markt in Zukunft verändern könnten. Je sorgfältiger solche Fragen beantwortet werden, desto geringer ist das Risiko für Solo-Selbständige. Eine Garantie auf Erfolg gibt es trotzdem nicht. Deshalb braucht jeder Unternehmer ein gewisses Maß an Risikobereitschaft. Nur ist an dieser Stelle eben ein gesundes Mittelmaß gefragt, denn leichtsinnig an eine Existenzgründung heranzutreten, ist ebenso schädlich wie übertriebene Angst.
4. Hohes Maß an Selbstdisziplin
Geregelte Arbeitszeiten gibt es als Unternehmer nicht. Vor allem in den ersten Jahren als Solo-Selbständiger sind lange Arbeitstage, durchgearbeitete Wochenenden und fehlende Urlaubszeiträume keine Seltenheit. Zudem gilt es, sich am Morgen selbst zum Aufstehen zu motivieren und sich nicht durch unwichtige Tätigkeiten von den anstehenden Aufgaben ablenken zu lassen. Stichwort: Prokrastination. Ein solch hohes Maß an Selbstdisziplin hat nicht jeder. Die gute Nachricht lautet allerdings, dass sie trainiert werden kann. Angehende Solo-Selbständige sollten sich daher fragen, ob sie bereits ausreichend diszipliniert für ihr Vorhaben sind oder wie sie ihre Selbstdisziplin verbessern können.
5. Realistische Erwartungshaltung
Beim Thema Selbstdisziplin kommt auch die Motivation ins Spiel. Wer im E-Commerce gründen möchte, sollte die eigenen Motivatoren analysieren. Ziele können dabei helfen, die intrinsische Motivation selbst in schwierigen Phasen aufrechtzuerhalten. Sie ist eine wichtige Stütze (nicht nur) in den anstrengenden Anfangsjahren. Allerdings wirkt es demotivierend, wenn diese Ziele unrealistisch oder zu weit entfernt sind. Es ist deshalb wichtig, eine realistische Erwartungshaltung zu entwickeln und Ziele richtig zu definieren. Empfehlenswert sind dabei nicht nur langfristige, sondern auch kurz- sowie mittelfristige Ziele. Denn jedes erreichte Ziel ist ein Erfolgserlebnis und wirkt sich wiederum positiv auf die Motivation sowie das Selbstbewusstsein aus.
6. Private und berufliche Resilienz
Damit sind weitere wichtige Stichworte gefallen. Schwierige Phasen gibt es in jeder Selbständigkeit. Das gilt vor allem in der Anfangszeit, aber auch zwischendurch kann es zu Krisen kommen. Schlimmstenfalls scheitert die Gründung, was jedoch kein endgültiges Scheitern bedeuten muss. Gründer sollten ausreichend Resilienz mitbringen, um solche schwierigen Zeiten durchzustehen und nach einer Niederlage den Mut zu fassen, es noch einmal zu versuchen. Viele erfolgreiche Unternehmer sind mehrmals gescheitert, bevor sie einen „Global Player“ aufgebaut haben. Schließlich birgt jede Niederlage auch einen wichtigen Lerneffekt. Eine reife Persönlichkeit mit gesundem Selbstbewusstsein sowie Lern- und Kritikfähigkeit sind daher essenzielle Erfolgsfaktoren für Solo-Selbständige.
Stand: 16.12.2025
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7. Versierter Umgang mit Zahlen
Liquidität alleine macht ein Unternehmen noch nicht erfolgreich. Fehlende Liquidität ist jedoch sein Todesstoß. Fragen der Finanzierung spielen deshalb in allen Lebensphasen eines Unternehmens eine unverzichtbare Rolle für dessen Erfolg. Solo-Selbständige sind für solche Fragen selbst zuständig und müssen daher gut mit Finanzen umgehen können. Das gilt bei der Finanzierung, bei der Preisgestaltung, bei steuerlichen Aspekten und in vielen weiteren Bereichen. Natürlich können und sollten dabei Experten wie Steuerberater hinzugezogen werden. Trotzdem ist ein versierter Umgang mit Zahlen unverzichtbar, um niemals den Überblick zu verlieren und Liquiditätsengpässe zu vermeiden.
8. Bereitschaft zum Outsourcing
Es ist also nicht nur erlaubt, sondern sogar explizit erwünscht, einige Aufgaben wie die Steuererklärung auszulagern. Online-Händler und andere Solo-Selbständige im E-Commerce haben schließlich ab einer gewissen Unternehmensgröße nicht mehr die Kapazitäten, alles alleine zu handhaben. Wann der Zeitpunkt für ein Outsourcing gekommen ist, in welchem Bereich und an wen, diese Entscheidung muss jedoch im Einzelfall getroffen werden. Dafür braucht es Fingerspitzengefühl, sprich ein Gespür dafür, wann der Nutzen die Kosten übersteigt. Das gilt vor allem dann, wenn sich die Bereiche direkt auf die Kundenzufriedenheit auswirken, schließlich steht und fällt mit ihr der Unternehmenserfolg. Dazu gehört zum Beispiel das Fulfillment, das von Beginn an professionell gestaltet werden muss. Das Outsourcing ist dabei eine beliebte, aber nicht die einzige Option. Genau deshalb sind Einzelfallentscheidungen so wichtig, wenn es um das Thema Outsourcing geht. Entscheidungsfähigkeit ist somit ein weiterer zentraler Soft Skill für Solo-Selbständige.
9. Lebenslange Lernbereitschaft
Bestenfalls haben all diese Faktoren zum Erfolg als Einzelunternehmer im E-Commerce geführt. Erfolg ist aber kein statischer Zustand, sondern ein fortlaufender Prozess. Schließlich ist die Branche ständigen Veränderungen unterworfen. Ansprüche der Zielgruppen, der Wettbewerb, Materialkosten, rechtliche Grundlagen, digitale Technologien – all das und vieles mehr befindet sich in einem stetigen Wandel. Als Solo-Selbstständiger ist es daher wichtig, sich niemals auf seinem Erfolg auszuruhen.
Stattdessen ist lebenslange Lernbereitschaft ein unverzichtbarer Erfolgsfaktor, um sich immer wieder an veränderte Bedingungen anzupassen. Nur so lässt sich Erfolg langfristig wahren oder sogar weiter steigern. Das bedeutet zwar nicht, dass der gesamte Lebenszyklus des Unternehmens so schwierig wird wie die ersten Jahre. Wer sich für die Solo-Selbständigkeit entscheidet, wird aber immer die gesamte Verantwortung tragen…oder sich eines Tages für einen Verkauf entscheiden. Auch das sollte Existenzgründern von Beginn an bewusst sein und es lohnt sich, bereits die Frage zu beantworten, ob und wann eine solche Veräußerung vielleicht infrage kommt.
Fazit: Solo-Selbständigkeit mit vielen Herausforderungen
Die Solo-Selbständigkeit ist ein Geschäftsmodell mit zahlreichen Herausforderungen. Diese zu stemmen, erfordert gewisse Persönlichkeitszüge sowie Fähigkeiten. Wer jedoch die genannten Erfolgsfaktoren mitbringt und sich den Besonderheiten des Einzelunternehmertums bewusst ist, der kann damit im E-Commerce mit vergleichsweise geringen Investitionen gründen – und dadurch auch mit vergleichsweise geringem Risiko. Es bedeutet zudem maximale Freiheit, um das Unternehmen genau nach den eigenen Vorstellungen zum Erfolg zu führen; und diesen dann auch ganz für sich alleine zu haben. Ein „Richtig“ oder „Falsch“ gibt es dabei nicht. Wer jedoch die genannten Erfolgsfaktoren mitbringt, für den könnte die Solo-Selbständigkeit im E-Commerce das richtige Geschäftsmodell mit vielversprechenden Perspektiven sein.