E-Commerce Spatial Commerce: Die dritte Dimension des Onlineshoppings

Ein Gastbeitrag von Wiljo Krechting 4 min Lesedauer

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3D-Produkt-Darstellungen und Augmented Reality-Ansichten im Online-Shop sind nicht nur schön, sondern entwickeln sich immer mehr zum Wettbewerbsvorteil. Doch wie kann Spatial Commerce Händlern konkret helfen?

(Bild:  Martin – stock.adobe.com)
(Bild: Martin – stock.adobe.com)

In der Tech-Szene ist es allgemein bekannt: Sobald der kalifor­nische Tech-Konzern Apple ein Produkt veröffentlicht, dauert es im Allgemeinen nicht mehr lange, bis ein Trend daraus entsteht, der die Welt grundlegend verändert. Wir erinnern uns an den iPhone-Moment, die Vorstellung des iPads und iPods oder, um noch etwas weiter zurückzugehen, die Vorstellung des Apple I als ersten Personal Computer der Welt im Jahr 1976.

Am 19. Januar dieses Jahres hat Apple es dann wieder getan – mit dem Vorverkauf seiner Vision Pro, eine neuartigen 3-D-Brille, und dem Einläuten des Zeitalters des „Spatial Computing.“ (Zugegeben: 3-D-Brillen gab es auch schon vorher, aber jetzt, so scheint es, ist der Trend erst richtig angekommen).

VR, AR und MR

Spatial Computing ist der Oberbegriff für eine derzeit wichtige technologische Entwicklung im IT-Bereich. Sie umfasst unter anderem Virtual Reality (VR), Augmented Reality (AR) und die Mischform Mixed Reality (MR). Der Trend ist so bedeutsam, dass er früher oder später sämtliche Bereiche des alltäglichen Lebens beeinflussen wird. Und einer der naheliegendsten Use Cases ist dabei der Onlinehandel. Dabei sprechen wir – angelehnt an den Begriff Spatial Computing – vom „Spatial Commerce.“ Spatial Commerce ist eine innovative Form des E-Commerce, die darauf abzielt, das Online-Shopping-Erlebnis durch die Nutzung räumlicher Technologien grundlegend zu verändern. Mit dem Fokus auf 3D-Visualisierungen sowie VR, AR und MR ermöglicht Spatial Commerce den Nutzern, Produkte in einem dreidimensionalen Raum zu erleben.

Nicht nur Trend, sondern Wettbewerbsvorteil

Die Potenziale sind vielfältig. Zunächst schafft Spatial Commerce eine viel umfassendere Wahrnehmung von Unternehmen und, vor allem, deren Produkten. Ist etwa eine 3D-Ansicht eines Artikels auf einer Produktseite integriert, erledigen sich viele Fragen des Einkäufers durch zusätzliche optische Informationen von selbst. Positiver Nebeneffekt: Die Retourenquoten sinken, die Zufriedenheit des Kunden steigt und der eigene Online-Shop bleibt im Gedächtnis. In der Essenz geht es also um die entscheidende Frage, wie Händler ihr E-Commerce-Bu­siness interessanter, attraktiver und menschlicher machen können. Dazu später mehr. 

Somit kristallisiert sich die neue Technik also nicht nur als ein Trend, sondern als wahrer Wettbewerbsvorteil heraus, der sich auch in Zahlen ausdrücken lässt: Der Gesamtmarkt für Spatial Computing wird Experten zufolge bis 2032 jährlich um mehr als 19 Prozent wachsen. Antriebsfeder ist unter anderem die steigende Beliebtheit von AR- und VR-Hardware – 2023 hat die Anzahl verkaufter AR-/VR-Headsets erstmals die Zehn-Millionen-Marke geknackt. Aber auch die fortschreitende digitale Transformation im Allgemeinen, sowie die zunehmende Akzeptanz von Remote- und Virtual-Tech infolge der Corona-Pandemie sind ausschlaggebende Faktoren.

Ein weiterer Indikator dafür, dass Spatial Commerce in diesem Jahr den Einzug in den E-Commerce halten wird, ist die Adaption durch Unternehmen aus den größten Handelsbranchen. Neben dem mit IKEA bereits angesprochenen Home- and Furniture-Markt experimentieren auch Mode- und Kosmetikunternehmen wie Sephora oder YvesSaintLaurent mit Spatial Commerce. So lässt sich bereits vor dem Kauf das neue Make-Up oder der neue Lippenstift mithilfe der eigenen Web- bzw. Smartphone-Kamera virtuell auf­tragen. Die gute Nachricht für Händler: Man muss kein Milliar­den-Unternehmen sein, um Spatial Commerce in das Kundenerlebnis zu integrieren. Entsprechende Lösungen sind auch für kleine und mittelständische Händler erschwinglich.

Doch was sind die konkreten Vorteile  von Spatial Commerce?

Umfassendere Wahrnehmung von Produkten und Unternehmen:

Spatial Commerce ermöglicht eine dreidimensionale Produktdarstellung, wodurch Kunden eine realistischere Vorstellung von den angebotenen Produkten erhalten. Durch die Integration von AR können Kunden Produkte mithilfe ihres Smartphones in ihrer realen Umgebung betrachten.

Signifikant sinkende Retourenquoten und  positive Nachhaltigkeitseffekte:

Die immersive Erfahrung, die diese Technik bietet, führt zu besser informierten Kaufentscheidungen und reduziert somit die Wahrscheinlichkeit von Retouren, die im Onlinehandel ein großes Problem darstellen. Durchschnittlich senden 18 Prozent aller Onlineshopper Waren nach dem Kauf zurück. Die Rücksendequoten in der Bekleidungsindustrie liegen sogar bei bis zu 40 Prozent. Erste Erfahrungen mit Spatial Commerce zeigen, dass sich mit dieser Technologie Retourenquoten um bis zu 50 Prozent reduzieren lassen. Dadurch wird ein nachhaltigerer Konsum gefördert, da Kunden durch die realistische Darstellung eher die „richtigen“ Produkte auswählen.

Neue Differenzierungsmöglichkeiten für Brands:

Händler können sich durch den Einsatz der Technik nicht nur über den Preis und die Produktverfügbarkeit differenzieren, sondern auch durch eine innovative und ansprechende Präsentation ihrer Produkte. Die Integration von 3D-Renderings in den Shop ermöglicht eine einzigartige Markeninszenierung, die im Gedächtnis des Kunden bleibt.

Steigerung der Interaktionsrate und Conversion-Rate:

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Durch die Einbettung von Spatial Commerce werden die Produkte spannender und erlebbarer. Das erhöht die Interaktionsrate im Shop, die Verweildauer und letztlich die Conversion-Rate, wodurch Händler sich über höhere Umsätze freuen können.

Kosten sparen:

Spatial Commerce bietet auch erhebliche Vorteile in Bezug auf die Produktdarstellung. Die Verwendung von 3D-Modellen und virtuellen Darstellungen ermöglicht es, Produkte auf innovative und kosteneffiziente Weise zu präsentieren, was insbesondere bei der Einsparung von Kosten für die Produktfotografie eine wichtige Rolle spielt. Produktfotografie ist oft ein kostspieliger und zeitintensiver Prozess, der neben den eigentlichen Fotografiekosten auch Logistik-, Studio- und Bearbeitungskosten umfasst. 3D-Visualisierungen hingegen können einmal erstellt und dann individualisiert und vielfältig genutzt werden, ohne die Notwendigkeit für physische Produktproben oder aufwendige Fotoshootings. In Anbetracht der Vorteile und der stärker werdenden Online-Konkurrenz stellt sich Händlern also die Frage, ob der Einsatz von Spatial Commerce künftig nur Wettbewerbsvorteil bleibt, oder nicht sogar überlebenswichtig wird.

Spatial CommerceWiljo Krechting
E-Commerce-Experte und Pressesprecher beim Shopsystem-Hersteller 
shopware AG

Bildquelle: Shopware