Globale Handelspolitik Strafzölle der USA: Einkauf und Logistik stehen unter Druck

Verantwortliche:r Redakteur:in: Stefan Girschner 2 min Lesedauer

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Ab dem 1. August 2025 könnten in den USA umfangreiche Strafzölle auf Waren aus der Europäischen Union in Kraft treten. Welche Gefahren sich für den globalen Handel ergeben und wie deutsche Unternehmen darauf reagieren können.

(Bild:  © sh99/stock.adobe.com)
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„Für hiesige Unternehmen mit Kunden oder Niederlassungen in den USA steht nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit auf dem Spiel. Ebenso gravierend ist: Die gesamte Einkaufs-, Liefer- und Logistikplanung gerät unter Druck“, erklärt Robert Steinbrück, Logistikberater bei Kloepfel Consulting. Wenn sprunghafte politische Entscheidungen wie Strafzölle kurzfristig die Kostenstrukturen verändern, sind es nicht nur die strategischen Zielmärkte, die betroffen sind, sondern der gesamte operative Ablauf dahinter: Einkauf, Disposition, Logistik und Lagerhaltung.

In der Praxis entstehen daraus auf beiden Seiten des Atlantiks erhebliche Koordinationsprobleme. US-Importeure stehen unter Druck, gestiegene Einfuhrkosten zu kompensieren oder umzulegen – während europäische Exporteure ihre Absatzprognosen und Logistikprozesse an eine unklare Nachfragesituation anpassen müssen.

Strafzölle: Unberechenbare Handelspolitik trifft auf Realität

Donald Trump zeigte Anfang April 2025 einen Chart mit Zollhöhen. (Bild:  Joyce N. Boghosian / The White House / Wikimedia Commons)
Donald Trump zeigte Anfang April 2025 einen Chart mit Zollhöhen.
(Bild: Joyce N. Boghosian / The White House / Wikimedia Commons)

Besonders betroffen sind Unternehmen mit regelmäßigen US-Lieferungen und knappen Planungsfenstern. Preisanpassungen lassen sich nicht beliebig weitergeben, Alternativen fehlen oft und gleichzeitig muss die Versorgung verlässlich aufrechterhalten werden. Für Einkaufsabteilungen verlieren bisher stabile Kalkulationsgrundlagen an Gültigkeit, da Zölle nicht mehr mit ausreichender Vorlaufzeit angekündigt werden. Politische Maßnahmen und handelsbezogene Entscheidungen der US-Regierung ändern sich aktuell deutlich kurzfristiger und volatiler, was die verlässliche Prognose künftiger Einfuhrkosten und damit die mittelfristige Kalkulation für international tätige Unternehmen erheblich erschwert.

Typische Herausforderungen für Unternehmen:

  • Kostenkalkulationen müssen laufend aktualisiert werden.
  • Preisdiskussionen mit US-Kunden werden schwieriger.
  • Vertragliche Rahmenbedingungen müssen regelmäßig angepasst oder neu verhandelt werden.

Lieferketten geraten durch Strafzölle aus dem Takt

Besonders deutlich werden die Auswirkungen der Strafzoll-Ankündigungen auf der Logistikseite. Der Versuch vieler Firmen, Waren noch vor Fristablauf (01. August 2025) zu verschiffen, sorgt für Überlastung in Häfen und Frachtnetzen – sogenannte „Tariff Rushes“ treten gehäuft auf. Danach stabilisiert sich das Aufkommen oft wieder, während viele Reedereien versuchen, die erhöhten Frachtraten zunächst beizubehalten – unabhängig von der tatsächlichen Auslastung. Diese Effekte zeigen sich nicht nur im US-Handel, sondern wirken global:

  • Kapazitäten werden umverteilt: Schiffe werden von anderen Routen, etwa aus Asien, Südamerika oder dem Mittelmeerraum, abgezogen.
  • Engpässe auf alternativen Handelswege entstehen.
  • In Spitzenzeiten geraten Häfen zunehmend unter Druck.

„Diese Art von Marktreaktion bringt die Transportketten aus dem Takt – und erschwert es Unternehmen erheblich, verlässlich zu planen. Gerade in der Seefracht sind Vorlaufzeiten und Planbarkeit essenziell. Wenn diese gestört werden, bleibt in kritischen Fällen oft nur die Luftfracht als kurzfristige, aber deutlich teurere Alternative – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Kosten“, sagt Steinbrück.

Handlungsempfehlungen für Unternehmen

  • Transparente Kommunikation mit US-Kunden: Auswirkungen der Strafzölle und resultierende Preisänderungen offen besprechen. Außerdem gemeinsame Planung zur Sicherung der Versorgung und Anpassung von Volumen.
  • Kalkulationen flexibilisieren: Szenarien entwickeln, die unterschiedliche Zollniveaus und Laufzeiten abbilden und Preisanpassungsklauseln in Verträgen ermöglichen.
  • Lieferketten absichern: Prüfen, ob Vorproduktion oder Zwischenlagerung wirtschaftlich darstellbar sind. Außerdem Transportdienstleister frühzeitig einbinden, um Kapazitäten zu sichern.
  • Globale Auswirkungen im Blick behalten: Entwicklungen auf anderen Handelsrouten beobachten, die indirekt betroffen sein könnten. Und Transportlaufzeiten regelmäßig neu bewerten und kommunizieren.

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