Rechnungskauf als Datenkrake? Verbraucherkreditrichtlinie: EU plant strengere Kontrollen beim Kauf auf Rechnung

Verantwortliche:r Redakteur:in: Konstantin Pfliegl 2 min Lesedauer

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Die EU will stärker vor Überschuldung zu schützen. Die Verbraucherkreditrichtlinie schreibt vor, den Kauf auf Rechnung in vielen Fällen wie einen Kreditvertrag zu behandeln. Wird der Rechnungskauf zur Datenkrake?

(Bild:  © Oulaphone/stock.adobecom)
(Bild: © Oulaphone/stock.adobecom)

Die Europäische Union will die Ausgaben ihrer Bürger stärker kontrollieren, um sie vor einer Überschuldung zu schützen. Die Verbraucherkreditrichtlinie schreibt unter anderem vor, den im E-Commerce besonders beliebten Kauf auf Rechnung in vielen Fällen wie ein Kreditvertrag zu behandeln. Bei allen Einkäufen – selbst für kleinere Beträge – müssten Kunden dann umfangreiche Einkommens- und Ausgabenprüfungen über sich ergehen lassen, warnt der Bundesverband E-Commerce und  Versandhandel Deutschland e.V. (BEVH).

Darüber hinaus sollen Käufer nach Vorstellung des Gesetzgebers Warnhinweise über „Risiken“ des Kaufs auf Rechnung erhalten – was laut dem BEVH dem hohen Vertrauen in die besonders sichere Bezahlmethode schaden würde. 

Der Verband warnt die Bundesregierung bei der Umsetzung der Richtlinie eindringlich davor, „die Datensammelwut der EU zu unterstützen“. Andernfalls würden viele Verbraucher zu risikoreicheren Bezahlarten wechseln, wie eine repräsentative Umfrage im Auftrag des E-Commerce-Verbands zeigt.

Die Forderung des BEVH: Die Prüfpflichten solle so gestaltet werden, dass Daten so sparsam wie möglich und je nach Kaufsumme verhältnismäßig erhoben werden. Der aktuelle Entwurf der Bundesregierung sei auf einem guten Weg dahin und darf auf keinen Fall verschärft werden.

Wie würden Sie sich dabei fühlen, für den Online-Kauf eines Paars Socken für 9,99 Euro auf Rechnung zukünftig finanzielle Angaben (Einkommen, Ausgaben, Kontoauszug) machen zu müssen? Ein Großteil der Onlineshopper, die häufig auf Rechnung kaufen, fühlt sich damit unwohl.(Bild:  BEVH)
Wie würden Sie sich dabei fühlen, für den Online-Kauf eines Paars Socken für 9,99 Euro auf Rechnung zukünftig finanzielle Angaben (Einkommen, Ausgaben, Kontoauszug) machen zu müssen? Ein Großteil der Onlineshopper, die häufig auf Rechnung kaufen, fühlt sich damit unwohl.
(Bild: BEVH)

Rechnungskauf genießt hohes Vertrauen

Einer aktuellen Umfrage des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel Deutschland zufolge genießt der Kauf auf Rechnung in heutiger Form höchstes Verbrauchervertrauen. Sicherheit und mehr Kontrolle über das eigene Ausgabenverhalten zu haben (53 Prozent) sind demnach die wichtigsten Motive, warum Verbraucher diese Bezahlart bevorzugen. Nur 3,7 Prozent wählen ihn wegen eines Zahlungsaufschubs oder einer Zahlungsaufteilung. Gerade für alltägliche Einkäufe erscheint er den meisten ideal: Knapp zwei Drittel tätigen damit vor allem kleinere Einkäufe von unter 100 Euro. Nur wenige (6,3 Prozent) bezahlen damit auch einmal Anschaffungen von mehr als 250 Euro. 

Umso gravierender ist für viele, dass ihr Ausgabenverhalten ausgerechnet beim Kauf auf Rechnung strenger überwacht werden könnte. Statt mehr Vertrauen beim Shopping zu schaffen, droht das Gegenteil zu passieren: 42 Prozent würden sich „unsicherer fühlen“, wenn sie bei jedem Einkauf finanziell durchleuchtet würden. Nur 15 Prozent der Käufer finden, dass sie sich „sicherer fühlen“ würden. 

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