Werbung im Wandel Choice-driven Advertising: Signalverlust als neue Chance für bessere Werbung

Ein Gastbeitrag von Christian Zimmer 5 min Lesedauer

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Signalverlust ist Chance: Choice-driven Advertising setzt auf Zustimmung statt Tracking. Eine freiwillige Auswahl schafft echte Wirkung, stärkt Privatsphäre und liefert Reichweite. 

(Bild:  Smile Studio AP/stock.adobe.com)
(Bild: Smile Studio AP/stock.adobe.com)

DARUM GEHT's

Signalverlust als Chance: Weniger Tracking zwingt zu offeneren Standards und respektvoller, nutzerzentrierter Werbung statt Datensammeln um jeden Preis.

Choice-driven Advertising: Werbung startet erst nach Zustimmung und Auswahl durch die Nutzer. Das freiwillige „Ja“ wird zum Real-Time-Intent und steigert Aufmerksamkeit und Kaufbereitschaft.

KI als Werkzeug – nicht Ersatz: Künstliche Intelligenz arbeitet mit Vergangenheitsdaten. Ob ein Mensch im Moment wirklich offen für eine Botschaft ist, kann sie nicht erkennen.

Die digitale Werbewirtschaft steht an einem Wendepunkt: Datenschutzgesetze, technische Schutzmechanismen und verändertes Nutzerverhalten führen dazu, dass immer weniger verwertbare Signale verfügbar sind. Adblocker, Cookie-Ablehnungen oder private Browsermodi entziehen der Werbung die Datengrundlage, auf der sie jahrzehntelang aufgebaut war. Während Plattformen wie Google, Meta oder Amazon ihre geschlossenen Daten-Ökosysteme ausbauen, verliert das offene Web an Reichweite, Transparenz und Relevanz.

Wie groß die Herausforderungen sind, zeigen auch die aktuellen Forderungen der Organisation Werbungtreibende im Markenverband (OWM), die mehr Offenheit, Transparenz und faire Wettbewerbsbedingungen im digitalen Werbemarkt anmahnt. Sie unterstreichen, worauf sich die Branche zunehmend verständigt: dass die Zukunft digitaler Werbung gemeinsame Standards und transparente Rahmenbedingungen erfordert – im offenen Web ebenso wie auf den großen Plattformen.

Die Zukunft digitaler Werbung liegt nicht im Kampf um Sichtbarkeit, sondern im Wettbewerb um Zustimmung. Aufmerksamkeit darf nicht erzwungen, sie muss verdient werden.

Christian Zimmer, Geschäftsführer von Welect

Menschliche Entscheidung als neues Leuchtsignal

Doch der vielzitierte „Signalverlust“ ist kein Untergang, sondern die Chance für eine neue, respektvolle Werbekultur. Statt Menschen über Datenpunkte, deterministische Profile oder probabilistische Modelle anzusprechen, rückt ihre bewusste Entscheidung in den Mittelpunkt. Das Modell des Choice-Driven Advertising beruht auf einem einfachen Prinzip: Werbung startet erst, wenn ein Nutzer zustimmt, sie zu sehen – und selbst auswählt, welche Botschaft ihn interessiert. Dieses freiwillige „Ja“ wird zum Real-Time-Intent: das stärkste Signal, das Recency und Receptivity vereint – also im Moment entsteht und zeigt, dass jemand in genau diesem Moment offen für Werbung ist. Daraus erwächst jene Aufmerksamkeit, die nicht erzwungen werden muss, sondern freiwillig entsteht.

Eine repräsentative Wirkungsstudie von Welect, durchgeführt von WPP Media, zeigt: 70 Prozent der Menschen befürworten die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, welche Werbung sie sehen. Die Effekte sind messbar: Nutzer, die Werbung freiwillig auswählen, schenken ihr mehr Aufmerksamkeit, sehen sie länger und erinnern sich besser daran. Die Kaufbereitschaft steigt im Durchschnitt um 27 Prozent. Das freiwillige „Ja“ wird damit zum neuen Erfolgsfaktor – und zu einem ethisch vertretbaren Weg, Relevanz und Wirkung zu vereinen.

Qualität statt Quantität: Inkrementelle Reichweite als neue Währung

Die zentrale Herausforderung der Branche liegt nicht nur in der Messbarkeit, sondern in der tatsächlichen Wirksamkeit von Kontakten. Bruttoreichweite summiert alle Kontakte, auch Wiederholungen ohne Mehrwert. Inkrementelle Reichweite hingegen betrachtet nur die zusätzlichen, tatsächlich neuen und relevanten Kontakte. Gerade in Zeiten, in denen bis zu 50 Prozent der Zielgruppen durch Tracking-Beschränkungen verloren gehen, ist diese Unterscheidung entscheidend.

Choice-basierte Modelle schaffen diese inkrementelle Reichweite, indem sie Nutzer erreichen, die klassischen Systemen entglitten sind – ohne Re-Identification oder Profiling. Marken gewinnen damit reale Netto-Zuwächse, Publisher erschließen neue Erlösquellen, und Kampagnen erhalten wieder eine messbare Wirkung. Die Branche verschiebt sich von Quantität hin zu Qualität: Kontakte zählen nicht, weil sie technisch möglich sind, sondern weil sie freiwillig entstehen.

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