Werbung im Wandel

Choice-driven Advertising: Signalverlust als neue Chance für bessere Werbung

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Praxisbeispiel: Vodafone wandelt Signalverlust in Reichweite um

Wie sich Signalverlust in Chancen verwandeln lässt, zeigt die jüngste „Go Testsieger“-Kampagne von Vodafone. Gemeinsam mit Welect und Adform setzte das Unternehmen auf ein Choice-Driven-Modell, bei dem Nutzer selbst entscheiden konnten, welchen Spot sie sehen – ohne Cookies, Tracking oder personenbezogene Daten. Ziel war es, Markenwahrnehmung und Nutzungsabsicht für Vodafones Breitbandprodukte zu steigern und Reichweite zurückzugewinnen, die klassische Systeme verloren hatten.

Das Ergebnis: Drei Millionen Impressions führten zu 1,25 Millionen Videostarts und mehr als 1,1 Millionen vollständig angesehenen Spots. 55 Prozent der erreichten Nutzer wären über herkömmliche Digitalwerbung nicht sichtbar gewesen. Die Brand-Lift-Studie zeigte zudem deutliche Steigerungen bei Markenbekanntheit (plus 28 Prozent), Markenmeinung (plus 64 Prozent) und Nutzungsabsicht (plus 33 Prozent) – ein Beleg dafür, wie Wahlfreiheit Werbewirkung neu beleben kann.

Künstliche Intelligenz – Werkzeug, nicht Ersatz

Auch künstliche Intelligenz spielt im digitalen Marketing eine zunehmende Rolle. Sie kann Daten analysieren, Muster erkennen und Prozesse automatisieren. Doch sie bleibt ein Werkzeug, kein Ersatz für menschliche Intuition. KI arbeitet mit Vergangenheitsdaten – ob ein Mensch im Moment wirklich offen für eine Botschaft ist, kann sie nicht erkennen. Der entscheidende Impuls entsteht weiterhin durch menschliche Entscheidung und Kontextverständnis. KI kann also unterstützen, etwa bei der Auswahl passender Spots, aber nicht den Kern menschlicher Relevanz ersetzen.

Diese Erkenntnis markiert einen wichtigen Perspektivwechsel: Technologie soll den Menschen dienen, nicht umgekehrt. Die Zukunft der Werbung liegt nicht im maximalen Einsatz von Daten, sondern in der intelligenten Verbindung von Technik und Verantwortung, bei der der Mensch im Mittelpunkt steht.

Datenschutz, Nachhaltigkeit und Vielfalt als Wachstumstreiber

Lange galten Datenschutz und Nachhaltigkeit als Hemmschuhe der Werbewirtschaft. Inzwischen zeigt sich: Sie sind zu echten Wettbewerbsvorteilen geworden. Wer Privatsphäre respektiert, ressourcenschonend agiert und im offenen Web präsent bleibt, schafft Vertrauen – und Vertrauen ist der wichtigste Wachstumstreiber. Gleichzeitig ist das offene Web auf stabile Werbefinanzierung angewiesen. Wenn unabhängige Publisher und Qualitätsjournalismus verschwinden, verliert die Werbewirtschaft ihren Resonanzraum. Deshalb bedeutet werteorientiertes Marketing auch, Budgets bewusst dorthin zu lenken, wo Vielfalt und Transparenz erhalten bleiben.

Aufmerksamkeit muss verdient werden

Die Zukunft digitaler Werbung liegt nicht im Kampf um Sichtbarkeit, sondern im Wettbewerb um Zustimmung. Aufmerksamkeit darf nicht erzwungen, sie muss verdient werden. Werbung, die freiwillig gewählt wird, wirkt nicht nur besser, sondern wird auch als fair empfunden. Das verändert die gesamte Logik von Mediaplanung, Kreation und Erfolgsmessung: Statt auf reine Sichtbarkeit zu setzen, zählen künftig Auswahlraten, Verweildauer und tatsächliche Wirkung.

Der Signalverlust markiert damit nicht das Ende der digitalen Werbung, sondern ihren Neubeginn. Die Branche steht vor der Chance, Werbung neu zu denken – nicht als Störung, sondern als Einladung. Wer es schafft, den Menschen ins Zentrum zu rücken und Wirkung mit Werten zu verbinden, wird nicht weniger, sondern bessere Werbung machen.

Choice-Driven AdvertisingChristian Zimmer
ist Geschäftsführer von Welect.

Bildquelle: Welect

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