Handelsstudie Zahlungsbetrug: Verluste des deutschen Einzelhandels bei über 23 Milliarden Euro

Verantwortliche:r Redakteur:in: Stefan Girschner 4 min Lesedauer

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Laut dem neuen Retail Report von Adyen wurden 45 Prozent der Einzelhandelsunternehmen weltweit 2023 Opfer eines Cyberangriffs oder Datenlecks. In Deutschland verloren Einzelhändler in den vergangenen zwölf Monaten durchschnittlich 2,36 Millionen Euro durch betrügerische Aktivitäten wie Zahlungsbetrug.

(Bild:  ZinetroN/Adobe Stock)
(Bild: ZinetroN/Adobe Stock)

Der deutsche Einzelhandel verlor im vergangenen Jahr zusammengerechnet mehr als 23 Milliarden Euro durch Zahlungsbetrug. Das hat der „Retail Report 2024“ der Finanztechnologie-Plattform Adyen ergeben, für die über 38.000 Verbraucher in 25 Ländern zu ihrem Konsumverhalten und über 13.000 Unternehmen zu Unternehmensstrategien und Trends im Einzelhandel befragt wurden. 

In Zusammenarbeit mit dem Centre for Economic Business and Research (Cebr) hat Adyen herausgefunden, dass der Einzelhandelssektor im Jahr 2023 rund 396 Milliarden Euro durch Zahlungsbetrug verloren hat. Im Durchschnitt verloren die Unternehmen 2,75 Millionen Euro durch betrügerische Angriffe, wobei Luxusmode-Unternehmen 3,67 Millionen Euro und Unternehmen aus dem Gesundheits- und Kosmetikbereich jeweils 3,64 Millionen Euro verloren.

Zahlungsbetrug: Einzelhändler wie Verbraucher betroffen

Insgesamt wurde fast die Hälfte der Unternehmen weltweit (45 Prozent) in den letzten zwölf Monaten Opfer von betrügerischen Aktivitäten, Cyberangriffen oder Datenlecks, was im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg von 32 Prozent bedeutet. Die Unternehmensbefragung im Rahmen des Reports ergab, dass Unternehmen in Deutschland, die für 2024 ein Umsatzwachstum von 100 Prozent oder mehr für sich prognostizierten, in den vergangenen zwölf Monaten auch die höchsten Verluste durch betrügerische Angriffe erlitten haben (10,61 Milliarden Euro).

Auch auf die Kunden wirken sich die betrügerischen Aktivitäten negativ aus: Mehr als ein Drittel (35 Prozent) der Verbraucher weltweit wurden im vergangenen Jahr Opfer von Zahlungsbetrug – in Deutschland lag die Zahl mit knapp 29 Prozent noch unter dem globalen Schnitt. Unter Zahlungsbetrug versteht man, dass ein Betrüger die Kredit- oder Debitkartennummer oder die Kontodaten einer Person stiehlt und diese Zahlungsinformationen verwendet, um einen nicht autorisierten Kauf zu tätigen.

Verbraucher in Deutschland, die im Jahr 2023 Opfer von Zahlungsbetrug wurden, verloren im Durchschnitt 811 Euro – ein Anstieg von 244 Prozent gegenüber der letzten Erhebung von Adyen im Vorjahr, als es noch rund 235 Euro waren. Trotz der erheblichen Zunahme betrügerischer Aktivitäten gaben nur zwei Drittel der deutschen Unternehmen (65 Prozent) an, dass sie über wirksame Betrugspräventionssysteme verfügen – ein Anstieg um 9 Prozentpunkte gegenüber dem vergangenen Jahr.

Wie sich Zahlungsbetrug auf das Verbraucherverhalten auswirkt

Das Betrugsrisiko hat auch Einfluss auf das Einkaufsverhalten der Verbraucher, sowohl in Geschäften als auch online: Tatsächlich fühlt sich knapp ein Fünftel (19 Prozent) der Verbraucher in Deutschland heute beim Einkaufen unsicherer als noch vor zehn Jahren. Infolgedessen entscheiden sich 18 Prozent der Verbraucher in Deutschland aktiv dafür, in Geschäften mit höheren Sicherheitsstandards einzukaufen. Weltweit sind es zum Vergleich 24 Prozent. 

In Deutschland finden es 26 Prozent der Verbraucher gut, wenn sie von den Händlern aufgefordert werden, ihre Identität auf mindestens zwei verschiedene Arten zu überprüfen, bevor sie einen Kauf tätigen – trotz der empfundenen Unannehmlichkeiten, die dies verursachen kann. Weltweit sind 22 Prozent der Verbraucher derselben Ansicht.

Wie der Einzelhandel auf die Bedrohungen reagiert

Viele Unternehmen prüfen aktiv, wie sie auf die wachsende Bedrohung durch Betrug reagieren können, um sich und ihre Kunden zu schützen. So erwägt mehr als die Hälfte (54 Prozent) der in Deutschland befragten Unternehmen, zu einem Zahlungsanbieter zu wechseln, der bessere Betrugspräventionssysteme anbietet. Darüber hinaus prüfen bereits 54 Prozent der deutschen Unternehmen, wie sie PSD3-konform werden können. PSD3 ist eine EU-Richtlinie, die strengere Regeln für den Schutz von Verbraucherrechten und persönlichen Daten in der Finanzbranche festlegt.

„Es gibt leider keine Einheitslösung für die Betrugsabwehr, da eine Strategie individuell auf das Unternehmen und das jeweilige Geschäftsmodell und Verkaufskanäle zugeschnitten werden muss. Die neuen Ergebnisse zeigen allerdings, wie wichtig die richtigen Technologien zum Schutz des Unternehmens und der Kunden vor allem bei einem schnellen Unternehmenswachstum sind”, so Hella Fuhrmann, Country Managerin DACH bei Adyen. „Machine Learning kann dabei helfen, Einzelhändler zu befähigen, echte Kunden zu erkennen und betrügerische Aktivitäten in Echtzeit zu entdecken.“

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Zur Methodik des Adyen Index: Retail Report

Der „Adyen Index: Retail Report“ wird alljährlich von Adyen in Auftrag gegeben. Es handelt sich um eine Befragung von Verbrauchern und Unternehmen weltweit, um aktuelle Erkenntnisse rund um das Konsumverhalten der Bevölkerung in Ländern, darunter Deutschland, zu gewinnen und Trends im Einzelhandel ausfindig zu machen.

Hierfür befragte Censuswide 13.177 Mitarbeiter in Unternehmen in Australien, Belgien, Brasilien, China, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Hongkong, Indien, Italien, Japan, Kanada, Malaysia, Mexiko, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, der Schweiz, Singapur, Spanien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und den USA. In Deutschland wurden 517 Unternehmensvertreter befragt. Die Umfragen wurden zwischen dem 15. Januar und dem 1. Februar 2024 durchgeführt.

Außerdem wurden 38.151 Verbraucher befragt. Diese stammen aus Australien, Belgien, Brasilien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Hongkong, Indien, Italien, Japan, Kanada, Malaysia, Mexiko, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, der Schweiz, Singapur, Spanien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und den USA. In Deutschland wurden 2.000 Verbraucher befragt. Die Umfragen wurden zwischen dem 15. und dem 29. Januar 2024 durchgeführt.

Das Centre for Economic and Business Research (Cebr) untersuchte im Rahmen des Adyen Index die Auswirkungen von Verlusten durch Betrugsversuche auf der ganzen Welt. Die Zahlen sind Schätzwerte für die durch Betrug verursachten jährlichen Verluste, die durch Umfragen ermittelt wurden. Die Zahlen wurden auf der Grundlage der Antworten verschiedener demographischer Gruppen zu ihren Betrugserfahrungen und offiziellen Daten zu Unternehmenspopulationen und -einnahmen, einschließlich OECD-Daten, skaliert.