Die „Social Responsibility“ wird im E-Commerce zunehmend zu einem wichtigen Thema. Denn immer wieder stehen die scheinbar schlechten Arbeitsbedingungen der Branche in der Kritik. Es lohnt sich daher eine Bestandsaufnahme, wie das Arbeiten im E-Commerce aussieht und verbessert werden könnte.
(Quelle: Alex from the Rock/Adobe Stock)
Schlechte Arbeitsbedingungen, so lautet immer wieder der Vorwurf, der gegen den E-Commerce erhoben wird. Dabei handelt es sich zum Beispiel um die Fahrer von Online-Lieferdiensten oder die Mitarbeiter des Versandhändlers Amazon. Doch es gibt auch gegenteilige Schlagzeilen, in denen durch Beschäftigte im E-Commerce von einer guten Work-Life-Balance oder einer überdurchschnittlichen Bezahlung berichtet wird. Schon ein schneller Blick macht daher deutlich, dass es sich um ein komplexes Thema handelt, für das es keine pauschalen Antworten gibt.
E-Commerce wirbt mit guten Arbeitsbedingungen
Erst im Jahr 2018 brachte der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. seine neue Infobroschüre heraus. Dieser ist zu entnehmen, dass im Online-Handel ein florierender Arbeitsmarkt und eine arbeitnehmerfreundliche Tarifpolitik warten. Es handelt sich dabei aber keinesfalls um leere Behauptungen, sondern die Aussagen werden durch 40 anschauliche Grafiken untermauert. Sie stellt die erste nennenswerte Analyse zum Thema Arbeitsbedingungen im deutschen E-Commerce dar.
Unter dem Strich wurde somit ein positives Bild gezeichnet: Es handele sich um eine Branche, die frei sei von veralteten Rollenverständnissen, so eine grundlegende Aussage des Hauptgeschäftsführers. Dementsprechend können Mitarbeiter im E-Commerce flache Hierarchien, eine direkte Kommunikation sowie maximale Flexibilität finden. Die Unternehmen sind geprägt von Modernität und Innovation, was sich auch positiv auf ihre Kultur auswirkt.
Die Vorzüge der Arbeit im E-Commerce
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Tatsächlich gibt es in der Branche eine Vielzahl an attraktiven Berufen mit hervorragenden Arbeitsbedingungen. Schließlich ist die Bandbreite an Jobs so vielfältig wie in kaum einem anderen Arbeitsbereich. Vor allem gut ausgebildete Fachkräfte, zum Beispiel im IT-Bereich, finden hier viele Einstiegsmöglichkeiten zu guten Konditionen.
Auch an Aufstiegsmöglichkeiten mangelt es nicht und wer sich selbständig machen möchte, dem offeriert der Online-Handel ebenfalls zahlreiche Optionen. Wege in den E-Commerce gibt es demnach viele, sei es mittels Studium, Ausbildung oder als Quereinsteiger mit Weiterbildung. Viele Erwerbstätige kommen ursprünglich aus dem Online-Marketing, der Informatik oder der Betriebswirtschaft. Sie entscheiden sich für den E-Commerce, da es sich um eine Branche mit exzellenten Zukunftsperspektiven handelt, die auch Berufseinsteiger mit offenen Armen begrüßt.
Einfacher Berufseinstieg nach dem Abschluss
„Nach dem Master einen Job zu bekommen, war gar kein Problem“, berichtet ein Absolvent im Bereich E-Commerce. Das bestätigt auch der 29-jährige Stefan Berkenhoff. Nach seinem Abschluss habe er aus vier lukrativen Angeboten wählen können, ohne überhaupt eine Bewerbung zu schreiben, erklärt er. Dennoch sind die beiden auch bereits mit den Schattenseiten der Branche in Berührung gekommen.
Ein hoher Workload, ständige Veränderungen aufgrund einer gewissen „Planlosigkeit“ und eine eher mittelmäßige Bezahlung, zumindest abseits der großen Konzerne, sind dafür nur einige von vielen Beispielen. Diese Planlosigkeit rührt daher, dass das Geschäftsfeld vergleichsweise neu ist und somit noch niemand mit Sicherheit weiß, was funktioniert und was nicht. Die Folge sind ständige Umstrukturierungen, Veränderungen der Strategien, Revisionen von Projekten und, und, und…
Hoher Workload und maximale Mobilität
Es handelt sich um Probleme, die sich zwar in vielen Branchen beobachten lassen. Sie sind im E-Commerce aber durchaus bei zahlreichen Unternehmen stärker ausgeprägt. Neue Geschäftsfelder bieten nämlich zwar Spannung und einen Arbeitsalltag ohne Routinen oder Langeweile, genau das kann aber auch sehr anstrengend werden. „Probieren geht über Studieren“ lautet bei vielen Agenturen, Online-Händlern & Co das Motto. Für die Mitarbeiter bedeutet das einen konstant hohen Workload, denn die Branche boomt und niemand will den Anschluss verpassen.
Zudem ist ein hohes Maß an Mobilität erforderlich. Während nämlich die „Remote Work“ an Bedeutung gewinnt, wird trotzdem noch Wert auf den persönlichen Kontakt gelegt, beispielsweise mit den Geschäftspartnern, und somit ist in einigen Jobs das ständige Reisen zur Normalität geworden. Erneut sei an dieser Stelle aber gesagt, dass die Arbeitsbedingungen stark von der jeweiligen Tätigkeit, vom Arbeitgeber und weiteren Faktoren abhängen. Unterm Strich scheint es sich also um eine Medaille mit zwei Seiten zu handeln, bei denen keine überwiegt und die demnach nicht prinzipiell besser oder schlechter ist als andere Branchen. Worin liegt also das Problem?
Für den E-Commerce muss man geschaffen sein
(Quelle: likoper/Adobe Stock)
Einerseits sind es diese Besonderheiten, die schlichtweg nicht zu jedem Menschen passen. Wem ein rasantes Tempo nichts ausmacht und wer sich nach einem abwechslungsreichen Arbeitsalltag sehnt, der findet im E-Commerce tatsächlich eine vielversprechende Branche. Doch Stress wird dabei häufig zum Problem. Allerdings ist dieser nicht selten (auch) selbst verursacht. Wer also im E-Commerce erfolgreich sein will, muss an seiner Stressresistenz arbeiten und effektive Methoden zur Stressprävention entwickeln.
Ansonsten wird der Beruf früher oder später zur gesundheitlichen sowie psychischen Belastung. Weitere wichtige Soft Skills für die Arbeit im E-Commerce sind Team-, Kommunikations- und Anpassungsfähigkeit sowie eine hohe Lernbereitschaft, um die ständigen Veränderungen sowie Neuerungen stemmen zu können. Der E-Commerce im Gesamten ist somit nicht per se eine „gute“ oder „schlechte“ Branche, sondern für einige Personen ist er perfekt, für andere jedoch ungeeignet. Sinnvoll ist daher, vor dem Berufseinstieg zu prüfen, ob sie zu einem passt, beispielsweise im Rahmen eines Praktikums.
Stand: 16.12.2025
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Die Schattenseiten im E-Commerce
Wenn von den schlechten Arbeitsbedingungen im Online-Handel berichtet wird, handelt es sich also stets um eine einseitige Sicht auf die Dinge. Dennoch darf diese nicht verschwiegen werden, denn auch sie hat ihre Daseinsberechtigung. Es sind vor allem die einfachen Jobs, die keine höhere Qualifikation oder spezielle Ausbildung erfordern, in denen die Arbeitsbedingungen immer wieder in den Fokus der Medien rücken. So berichten beispielsweise Arbeiter in den Amazon-Logistikzentren von einer schlechten Bezahlung, einem unzureichenden Gesundheitsschutz sowie Druck auf allen Ebenen.
Zudem seien die Arbeitsbedingungen in den vergangenen Jahren immer schlechter geworden, anstatt besser. Um einen Einzelfall scheint es sich dabei nicht zu handeln, denn auch andere Angestellte im E-Commerce erheben Vorwürfe gegen die Branche: Dumpinglöhne, lange Arbeitszeiten und die ständige Angst vor dem Jobverlust seien demnach längst nicht nur bei Amazon an der Tagesordnung. Hinzu kommen Sicherheitsbedenken und unrealistische Erwartungen – sowohl der Kunden als auch der Arbeitgeber.
Vor allem die Logistik ist betroffen
Die genannten Beispiele von den Fahrern der Online-Lieferdienste bis zu den Logistikarbeitern von Amazon machen deutlich, dass vor allem die Logistik als Teilbereich des E-Commerce von schlechten Arbeitsbedingungen betroffen ist. Teilweise ist hier sogar die Sprache von „sklavenähnlichen Arbeitsbedingungen“ und „Ausbeutung“. Experten gehen sogar von einer organisierten Verantwortungslosigkeit einiger Unternehmen aus.
Im Klartext: Sie wollen ihre „Social Responsibility“ überhaupt nicht wahrnehmen, zumindest nicht gegenüber der eigenen Belegschaft. Der Begriff wird stattdessen als reines Marketing-Instrument genutzt, das jedoch keine tatsächlichen Handlungen zur Folge hat. Während also Schlagworte wie „Fairtrade“ oder „Nachhaltigkeit“ in den vergangenen Jahren als Werbung für die Produkte im E-Commerce nur allzu gerne verwendet werden, hat sich in diesem Zeitraum an den Arbeitsbedingungen wenig verbessert – eher im Gegenteil.
Fazit: Gute Arbeitsbedingungen für Fachkräfte
Wenn es um die Arbeitsbedingungen im E-Commerce geht, wird oft und gerne Schwarz-Weiß-Malerei betrieben. Tatsächlich handelt es sich um eine Branche mit vielen Problemen, die vor allem in der Logistik dringend gelöst werden müssen. Doch die Bandbreite an Unternehmen, Berufen & Co in der Branche ist riesig und somit können keine pauschalen Aussagen getroffen werden. Jede Branche bringt schließlich eigene Vor- und Nachteile mit sich. Während der E-Commerce also mit seinen Besonderheiten gewiss nicht für jedermann geeignet ist, finden andere hier ihre berufliche Erfüllung.
Vor allem hochqualifizierte Fachkräfte genießen dabei durchaus in vielen Fällen gute Arbeitsbedingungen. Dennoch dürfen die Augen natürlich nicht verschlossen werden vor jenen Mitarbeitern im E-Commerce, auf die das nicht zutrifft. Experten fordern daher strengere Richtlinien sowie mehr Kontrollen. Ob und wann diese kommen werden, ist allerdings zum jetzigen Zeitpunkt nicht abzusehen. Noch liegt es somit vor allem an den Unternehmen, inwiefern sie ihrer „Social Responsibility“ gerecht werden möchten.