Intralogistik Autonome Mobile Roboter: Lösung für die steigenden Anforderungen im E-Commerce-Fulfillment

Das Gespräch führte Konstantin Pfliegl 6 min Lesedauer

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Im Interview erklärt Markus Külken von SSI Schäfer, wie autonome mobile Roboter im E-Commerce implementiert werden, um die Effizienz zu steigern und den Fulfillment-Herausforderungen zu begegnen.

(Bild:  SSI Schäfer)
(Bild: SSI Schäfer)

DARUM GEHT'S

Effizienzsteigerung im Fulfillment: Autonome Mobile Roboter (AMRs) optimieren die Intralogistik im E-Commerce durch hohe Pick-Frequenzen und präzise Kommissionierung.

Return on Invest (ROI): Der Einsatz von AMRs führt in vielen Fällen zu einer schnellen Amortisation, oft innerhalb eines Jahres.

Integration: Die Einbindung Autonomer Mobiler Roboter in bestehende Lagerstrukturen kann herausfordernd sein – jedoch ermöglicht die richtige Planung und Unterstützung eine nahtlose Integration ohne umfassende Umbauten.

Der E‑Commerce wächst weiter – und mit ihm die Ansprüche an Geschwindigkeit, Transparenz und Service. Same‑Day- und Next‑Day-Lieferungen sind längst Standard, während Margendruck, Fachkräftemangel und volatile Peaks die Prozesse in Fulfillment-Centern belasten. Die Intralogistik wird zum strategischen Hebel: Wer Durchsatz, Zuverlässigkeit und Flexibilität clever skaliert, gewinnt. Autonome Mobile Roboter (AMRs) rücken dabei in den Fokus. Sie versprechen flexible Automatisierung ohne starre Infrastruktur, schnelle Inbetriebnahme und bedarfsgerechte Skalierung bis hin zu saisonalen Flotten – auch als Robotics‑as‑a‑Service.

Doch wo liefern Autonome Mobile Roboter heute im E‑Commerce den größten Hebel und welche Fallstricke gibt es in der Praxis? Darüber spricht das e-commerce Magazin mit Markus Külken, Vice President Product Line Material Flow bei SSI Schäfer.

Autonome Mobile Roboter sind heute zentrale Bausteine für die Automatisierung im E-Commerce und Enabler für Same-Day-Fulfillment und eine hohe Resilienz in Peak-Zeiten.

Markus Külken, Vice President Product Line Material Flow bei SSI Schäfer

Herr Külken, welche Rolle spielen Autonome Mobile Roboter heute im E‑Commerce?

Markus Külken: AMRs sind heute zentrale Bausteine für die Automatisierung im E-Commerce und Enabler für Same-Day-Fulfillment und eine hohe Resilienz in Peak-Zeiten. Im Vergleich zu starrer Fördertechnik und konventionellen Lagersystemen bieten sie deutlich mehr Flexibilität, einen 24/7-Betrieb ohne personelle Engpässe und lassen sich modular skalieren, was besonders bei stark schwankenden Bestellvolumina entscheidend ist. Technologische Fortschritte wie KI-gestützte Routenoptimierung und Predictive Operations ermöglichen eine kontinuierliche Verbesserung der Steuerung und Navigation – und damit eine maximale Effizienz im Lagerbetrieb.

Und ab welcher Auftragslage lohnt sich der Einsatz von AMRs?

Markus Külken: Bereits ab etwa 2.000 bis 3.000 Picks pro Tag ist der Einsatz wirtschaftlich sinnvoll. 

DER GESPRÄCHSPARTNER

Markus Külken ist Vice President Product Line Material Flow bei SSI Schäfer.

Autonome Mobile Roboter – AMR – E-Commerce
(Bild: SSI Schäfer)

Wie verändert sich die Arbeit der Mitarbeiter – Rollen, Ergonomie, Akzeptanz?

Markus Külken: Die Arbeit der Mitarbeiter verändert sich spürbar. Sie wird ergonomischer, da die Behälter direkt zur optimalen Pick-Höhe an den Arbeitsplatz gebracht werden und lange Laufwege entfallen. Gleichzeitig wandelt sich die Rolle der Mitarbeiter: Vom reinen Picker entwickeln sie sich zu Supervisoren und Prozess-Überwachern, die wertschöpfende Tätigkeiten übernehmen. Dies steigert die Akzeptanz der Systeme und eröffnet Möglichkeiten für Upskilling. Die intuitive Bedienung der AMRs erleichtert zudem die Einarbeitung und sorgt für einen schnellen Einstieg in die neuen Aufgaben.

Die Anschaffung von Robotern kostet erst einmal ordentlich Geld. Mit welchen Kennzahlen lässt sich der Erfolg eines AMR‑Projekts messen?

Markus Külken: Der Erfolg eines AMR-Projekts lässt sich anhand klar definierter Kennzahlen (KPIs) messen, die Effizienz, Wirtschaftlichkeit und Prozessqualität transparent machen. Zu den wichtigsten gehören:

  • Durchsatzleistung/Pickrate: Misst die Produktivität, zum Beispiel bis zu 450 Picks pro Stunde.
  • Fehlerquote bei der Kommissionierung: Zeigt die Prozesssicherheit – bei unseren Systemen liegt sie unter 0,1 Prozent.
  • Lagerflächennutzung: Belegt die Raumeffizienz – mit einer Lagerdichte von bis zu 43 Behältern/m2 wird die verfügbare Fläche optimal genutzt.
  • Amortisationszeit: Verdeutlicht die Wirtschaftlichkeit – der Return on Investment (ROI) liegt meist unter 12 Monaten.

Wir empfehlen, AMR-Projekte KPI-basiert zu bewerten, um Fortschritte und Einsparpotenziale objektiv zu erfassen und die Investition langfristig messbar zu machen.

Und welche Kosten fallen im laufenden Betrieb an?

Markus Külken: Neben der Anschaffung entstehen im laufenden Betrieb Kosten für Wartung und Service, Software-Integration, Schulungen und Energieverbrauch Dank der hohen Effizienz und geringen Fehlerquote der AMRs bleibt die Total Cost of Ownership (TCO) gut kalkulierbar.

Kaufen, leasen oder „as a Service“: Welche Beschaffungsmodelle sind verbreitet und wann lohnen sie sich?

Markus Külken: Der Kauf erfordert zwar eine höhere Anfangsinvestition, ist aber langfristig die kostengünstigste Lösung. Leasing bietet einen risikoarmen Einstieg mit planbaren monatlichen Raten und eignet sich gut, um Investitionsbudgets zu schonen. RaaS – also die nutzungsbasierte Abrechnung – gewinnt zwar deutlich an Marktinteresse, ist aber weniger geeignet für Szenarien mit sehr kurzen Reaktionszeiten. Welche Variante sich lohnt, hängt letztlich von Budget, Planungshorizont und gewünschter Flexibilität ab.

Gibt es eigentlich auch Szenarien, bei denen AMRs an Grenzen stoßen – und welche Alternativen sind dann sinnvoll?

Markus Külken: AMRs stoßen an ihre Grenzen bei sehr schweren Lasten, hochdynamischen Sortierprozessen oder speziellen Anforderungen wie Tiefkühlumgebungen oder Outdoor-Einsätzen. In solchen Fällen sind AGVs, Fördertechnik oder hybride Systeme sinnvoll. Wichtig: Diese Lösungen lassen sich im Gesamtsystem kombinieren, sodass AMRs flexible Transporte übernehmen, während andere Technologien Spezialaufgaben abdecken.

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