Ceconomy MediaMarktSaturn-Übernahme durch JD.com: Rechtliche und kulturelle Hürden

Von Konstantin Pfliegl 3 min Lesedauer

Das Bundeskartellamt gibt grünes Licht: Der chinesische Händler JD.com darf die MediaMarktSaturn-Mutter Ceconomy schlucken. In Sachen Datenschutz und Unternehmenskultur prallen jedoch Welten aufeinander.

(Bild:  © nmann77/stock.adobe.com)
(Bild: © nmann77/stock.adobe.com)

Der Elektronikhändler MediaMarktSaturn ist künftig in chinesischer Hand: Das Internetunternehmen JD.com und Betreiber der gleichnamigen Online-Handelsplattform aus dem Reich der Mitte übernimmt den Mutterkonzern Ceconomy. JD.com ist nach Angaben des Bundeskartellamts Chinas umsatzstärkster Einzelhändler.

Ceconomy: Ausbau der Marktführerschaft in Europa

Sowohl der Vorstand als auch der Aufsichtsrat von Ceconomy unterstützen die Übernahme von durch JD.com. Mit dem Zusammenschluss mit dem Chinesen verfolge Ceconomy eigenen Angaben zufolge das Ziel, „seinen eingeschlagenen Wachstumskurs zu beschleunigen, Marktopportunitäten zu nutzen und seine Position als Europas führende Omnichannel-Plattform für Consumer Electronics weiter auszubauen“. Die Ankeraktionäre und die Gründerfamilie, der Aufsichtsrat und der Vorstand von Ceconomy seien sich einig, dass JD.com ein finanzstarker und vertrauenswürdiger Partner ist, der für eine hervorragende Kundenerfahrung und branchenführende Service-Standards im Bereich E-Commerce-Logistik bekannt ist.

„Mit den herausragenden Technologie-, Logistik- und Handelskompetenzen von JD.com können wir unseren erfolgreichen Wachstumskurs nochmal forcieren und über unsere aktuellen strategischen Ziele hinauswachsen“, erklärt Dr. Kai-Ulrich Deissner, CEO von Ceconomy. Angesichts der sich stetig wandelnden Kundenerwartungen und Marktdynamiken sei Stillstand keine Option. Man wolle den Wandel im europäischen Handel in den kommenden Jahren nicht nur begleiten, man wolle ihn weiter anführen. Dafür sei JD.com der richtige Partner.

Im Rahmen der Übernahme soll es keine betriebsbedingten Kündigungen oder Schließungen von Standorten geben – es gehe laut Ceconomy ausschließlich um Wachstum. JD.com soll außerdem die bestehenden Betriebsvereinbarungen, Tarifverträge und die bestehende Unternehmensmitbestimmung im Aufsichtsrat wahren. Diese Zusagen gelten für drei Jahre. 

Sebastian Wiendieck, Rechtsanwalt und Partner bei Rödl & Partner in Shanghai: „Rechtlich wird erwartet, dass Kundendaten in China verbleiben und grenzüberschreitende Zugriffe sehr kontrolliert stattfinden.“(Bild:  Rödl & Partner)
Sebastian Wiendieck, Rechtsanwalt und Partner bei Rödl & Partner in Shanghai: „Rechtlich wird erwartet, dass Kundendaten in China verbleiben und grenzüberschreitende Zugriffe sehr kontrolliert stattfinden.“
(Bild: Rödl & Partner)

Bundeskartellamt genehmigt Übernahme

Mitte September gab das Bundeskartellamt die Ceconomy-Übernahme durch JD.com frei. „JD.com ist bislang nur in sehr geringem Umfang in Deutschland aktiv. Der Zusammenschluss weist deshalb nur wenige wettbewerbliche Berührungspunkte auf und gibt keinen Anlass zu wettbewerbsrechtlichen Bedenken“, so Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes. Zudem sei die JD.com-Unternehmensgruppe in Europa bislang nur in geringem Umfang tätig, etwa mit Onlineshops unter der Marke joybuy.

In Europa hat JD.com rund 1.600 Mitarbeiter und betreibt Logistikdienstleistungen und Lagerhäuser in mehreren europäischen Ländern, darunter Deutschland, Großbritannien, Frankreich, die Niederlande und Polen.

Datenschutz und Unternehmenskultur: Europa versus China

Ceconomy werde seine strikt unabhängigen IT-Systeme und den Technologie-Stack eigenen Angaben zufolge auch nach der Übernahme beibehalten. Dennoch ergeben sich für JD.com nach Ansicht von Sebastian Wiendieck einige Herausforderungen. Der Rechtsanwalt und Partner bei Rödl & Partner betreut in Shanghai mit seinem Team vorwiegend deutsche und europäische Unternehmen, die in China durch Tochtergesellschaften beziehungsweise Niederlassungen vertreten sind oder sich anderweitig im chinesischen Markt engagieren wollen.

Aus datenschutzrechtlicher Sicht sei laut Sebastian Wiendieck in China die Datenverarbeitung „On-Shore“ der Normalfall: „Rechtlich wird erwartet, dass Kundendaten in China verbleiben und grenzüberschreitende Zugriffe sehr kontrolliert stattfinden.“ Kulturell sei man an starke Plattform-IT mit klaren Gatekeepern gewöhnt – im Hinblick auf ein Engagement in Europa bedeutet das in der Regel zwei getrennte Datenwelten und vorsichtige Schnittstellen.

 Zudem lebt der Handel in China stark von Aktionszeiträumen, Vorverkäufen und sehr schnellen Preisimpulsen. „Rechtlich gibt es klare Leitplanken gegen Irreführung und unfaire Praktiken“, so Sebastian Wiendieck, und kulturell seien Tempo und „Festival-Logik“ fest verankert. „Eine 1:1-Übernahme solcher Mechaniken in andere Märkte ist selten sinnvoll – das verlangt behutsame Anpassung von Prozessen und Botschaften.“

Hinzu komme laut Wiendieck, dass die Beziehungen zu Herstellern in China sehr eng sind, mit ausgeprägten Rabatt- und Kooperationsmodellen. Rechtlich wurden Vorgaben gegen exklusive Bindungen und unlautere Vorteile jedoch in den letzten Jahren auch geschärft. „Kulturell erwartet man zugleich hohe Reaktionsgeschwindigkeit in Planung, Retouren und Service. Für eine grenzüberschreitende Gruppe heißt das: transparente, auditierbare Vendor-Policies und eine klare Rollenteilung zwischen Eigenhandel und Marktplatz.“

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