Die Supply-Chain-Experten von Setlog gehen von sinkenden Frachtraten beim Containertransport im Herbst 2022 aus. Importeure von Konsumgütern bestellen Waren jetzt früher und erreichen so pünktlichere Lieferungen. Zudem sind jetzt viele Unternehmen flexibler und resilienter.
(Quelle: HHM - Thomas Wagener)
Stau von Containerschiffen auf der Nordsee, kostenaufwendige Transporte im Hinterland und Containermangel. Die deutsche Wirtschaft ächzt schon seit Längerem unter diesen Bedingungen. Kurzfristig ist keine Entspannung in Sicht, aber langfristig. Die Supply-Chain-Experten von Setlog gehen zwar davon aus, dass die Auswirkungen der Krise noch bis ins Jahr 2023 reichen werden. Sie prognostizieren aber auch sinkende Seefrachtraten beim Containertransport im vierten Quartal 2022.
Aus einer Analyse von 80 Kunden von Setlog vom 22. Juni lässt sich zudem ablesen: Importeure von schnelldrehenden Konsumgütern lernten aus der Misere und bestellen ihre gewünschten Produkte heute im Durchschnitt eine Woche früher als noch im Jahr 2020 und vor der Corona-Pandemie, um so die Zahl der Warenverspätungen zu reduzieren. Ein weiteres Ergebnis: Ihre Produktion verlagern sie nicht von Fernost nach Europa.
Schwierige Lage beim Containertransport
Die Nachwirkungen des Lockdowns in Schanghai, ausgefallene Abfahrten von Containerschiffen und der Streik in einigen deutschen Häfen machen der Wirtschaft schwer zu schaffen. Allein in der deutschen Bucht warten laut dem Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) Containerschiffe mit einer Kapazität von rund 150.000 Standardcontainern auf das Anlaufen in Bremerhaven und Hamburg. Vor den Häfen in Rotterdam und Antwerpen ist die Situation beim beim Containertransport noch dramatischer.
„Die Folgen sind nicht nur Verspätungen, sondern auch ein Containermangel. Ein Ausweichen zu kleineren Häfen ist problematisch, weil dort Platz und eine starke Infrastruktur für die Transporte ins Hinterland fehlen. Wenn die Schiene keine Alternative ist, bleiben teure Direkttransporte mit Lkw die einzige Option“, sagt Ralf Düster, Vorstandsmitglied von Setlog. Die Logistikdienstleister hierzulande stünden zudem vor dem Problem, aufgrund des Personalmangels ihre Kapazitäten nicht hochfahren zu können. Kurzfristig geht Düster nicht von einer Besserung der Seefrachtraten aus. Jedoch langfristig ab dem vierten Quartal dieses Jahres, wenn auch die Reedereien mitspielen.
Diese Meinung vertritt auch Patrick Merkel, Geschäftsführer von Prologue Solutions: „Die Inflation, die Zinswende und die hohe Preise in verschiedenen Sektoren sprechen dafür, dass die Raten sinken werden.“ Aufgrund der geopolitischen Lage und den Folgen der Corona-Pandemie erwarten Logistikdienstleiter beim beim Containertransport im kommenden Halbjahr tendenziell weniger Geschäft. Verladende Unternehmen profitieren zudem von Reedereien, die mehr Kapazitäten aufgebaut haben.
(Ralf Düster ist Vorstandsmitglied der Setlog Holding AG. (Bild: Setlog))
Containertransport: Längere Laufzeit von Seefracht
Aufgrund dieser angespannten Lage dauerte laut der Analyse von Setlog die Laufzeit der Seefracht von Fernost zu den Westhäfen im Schnitt 42,5 Tage. Zum Vergleich: 2021 waren es 41,6 Tage, 2020 rund 35. Vor der Pandemie betrug die Laufzeit 31 Tage (2019). In den vergangenen zwei Jahren kamen Setlog zufolge bis zu 30 Prozent der Waren aufgrund von Lockdowns, Produktionsverzögerungen und langen Transportzeiten zu spät.
Die Einkäufer der Importeure von schnelldrehenden Konsumgütern schafften es aber, den Anteil der zu spät eintreffenden Ware bis auf drei bis fünf Prozent im Vergleich zur Zeit vor Corona zu drücken, indem sie die Bestellungen im Schnitt eine Woche vorzogen. Während manche Branchen für sensible Waren und Komponenten über duale Produktionen und auch Re- und Nearshoring nachdenken, nahmen laut der Analyse die Anbieter von schnelldrehenden Konsumgütern Produktionsverlagerungen nach Europa oder nach Deutschland nicht vor.
Nur ein bis zwei Prozent ihres Gesamtvolumens von Bekleidung lassen die Unternehmen in Osteuropa oder Nordafrika produzieren – daran hat sich seit Pandemiebeginn nichts geändert. Auch der Anteil der Produktion in der Türkei liegt konstant bei etwa 11,5 Prozent, der von China bei 11 Prozent. Mehr Geschäft konnten jedoch die Lieferanten in Bangladesch und Vietnam an Land ziehen. Der Anteil Bangladeschs stieg während der Pandemie von 28 auf 32 Prozent, der von Vietnam von 4,5 auf 7,3 Prozent.
Unternehmen verfolgen Strategien für mehr Flexibilität
Die Folgen von Covid 19 führten in einigen Unternehmen offenbar zu einem Umdenken. Sie investieren in Strategien und Systeme, um die Verfügbarkeit von Waren zu erhöhen. Und so flexibler bei ungeplanten Veränderungen in der Lieferkette reagieren zu können. „Immer mehr Unternehmen kommen auf uns zu, um zu erfahren, wie man mithilfe von Software mehr Transparenz in die Kette bekommt und alle Supply-Chain-Partner nahezu in Echtzeit über Veränderungen informieren kann. Verfügbarkeit und Resilienz zählen bei vielen Managern inzwischen mehr als Kosteneinsparungen“, sagt Düster. Er kennt Unternehmen, die darauf achten, dass Produkte oder Komponenten im Dual Sourcing verfügbar sein müssen – an jedem Standort. „Unternehmen werden Einkäufer bald nicht mehr nach Kosteneinsparungen bewerten, sondern andere Kriterien intensivieren“, prognostiziert der Manager.
Stand: 16.12.2025
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Die Setlog Holding AG ist Anbieter von SupplyChain-Management-Lösungen. Zentrales Produkt ist die Cloud-basierte Software OSCA mit den Lösungen Procurement, SRM, Global Logistics, CSR und Quality Control. Mithilfe von OSCA (Online Supply Chain Accelerator) vernetzen sich Unternehmen mit ihren Kunden, Lieferanten und Dienstleistern. Damit können sie ihre Lieferkette optimal aufeinander abstimmen, Prozesse beschleunigen und Supply Chains effizient managen. Die Setlog GmbH ist eine 100-prozentige Tochter der Setlog Holding AG. (sg)